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Timber Timbre – Live im Astra, Berlin

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Ein von den sonst so üblichen Fotografen verwaister Konzertgraben (der Bereich zwischen Bühne und Publikum) zeigte es an: hier kommt etwas Ungewöhnliches. Nämlich die in fast kompletter Dunkelheit spielenden kanadischen Düsternis-Folk-Rocker von Timber Timbre. Scharfe Konzertfotos zwecklos, hier regiert allein das emotionsgeladene Kopfkino.

Und seitdem Timber Timbre in einer Schlüsselszene von Breaking Bad für Gefühlswallung sorgten, wissen darum nicht wenige. Der Laden war rappelvoll. Die Show wurde deshalb recht kurzfristig aufgrund der Nachfrage vom Neuköllner Heimathafen in das größere Astra umgebucht. Das blieb vom sonst so wortkargen Bandleader Taylor Kirk nicht unbemerkt: es sollte ein langer, warmherziger und verschwitzter Abend werden, mit zwei Zugaben.

Das letztjährige, fünfte Studioalbum „Hot Dreams“ war zu Recht ein Jahresendlistenliebling der Meinungsmedien, voller lichtlos-schattenhafter Schönheit, bluesig-psychedelischer Folk zusammengehalten von Synthieträumerein. Wie bei den Briten reflektiert der höchste kanadische Musikpreis tatsächlich künstlerische Wertigkeit im Pop und nicht wie in Deutschland bloße verkaufsträchtige Helene-Fischer-Peinlichkeiten.

Timber Timbres letzte drei Alben sind jeweils nominiert gewesen für den Polaris Music Prize, gewonnen haben sie ihn zwar noch nicht – Caribou, Arcade Fire und Feist sind nicht die schlechteste Konkurrenz – doch sprechen die Nominierungen eine genügend deutliche Sprache hinsichtlich der Kritikereinordnungen: Timber Timbre machen imponierend famose, leisetretende und hochemotionale Musik.

Davon legte der Abend eindrucksvoll Zeugnis ab. Reichlich spät betraten Kirk und seine Mannen in stilvollem Schweigen die Bühne und evozierten Gefühlslagen, die nicht nur für Gänsehaut, sondern auch für die ein oder anderen melancholischen Freudentränen sorgten. Das aktuelle Werk stand im Fokus der ersten Hälfte der düsteren, verschwitzten Melancholie-Messe. Das volle Astra ist eine Sauna im Sommer, das können andere Venues belüftungstechnisch wesentlich besser. Prägnant zu erleben war, dass die treibenderen Timber Timbre-Songs einen ganz ordentlichen Rock-Drive entwickeln und an bisweilen groovende Nummern der Psychedelic Rocker von den Black Angels erinnern. Eine dicke, schwere Blues-Schicht lag über den gesamten Raum.

Schön inszeniert war, dass das viele Timber Timbre-Songs würzende Saxophon keine Sekunde vor dem glorreichen Einsatz des triefend emotionsüberladenen Titeltracks des letzten Albums auf die Bühne gelassen wurde. So erlebte man erst ab der zweiten Hälfte des Abends die komplette Band samt Saxophonisten und seiner den Saal Erlösung gebenden Soli.

Kirk, mit seinem derzeitigen lustigen Schnauzer ein echtes Walross und einer erstaunlich ähnlichen Nick Cave-Physiognomie, war sichtlich gerührt von so viel tosender Begeisterung über doch eigentlich so viel intonierte Melancholie. Am Ende kam er ganz allein noch ein weiteres Mal wieder, um sich vor rund anderthalb Tausend Menschen, begleitet mit spartanischen Gitarren-Picking, die Seele aus dem Leib zu hauchen. Gänsehaut.

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