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Cristobal And The Sea – Sugar Now – Hippe Weltenbummler

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Folk-Rock oder Pop-Rock mit folkloristischen Einflüssen …?

Genre-Zuschreibungen sind stets zum Scheitern verurteilt. In dem Moment, in dem man versucht ist, Bands in Schubladen zu packen, wird man den Künstlern und ihrer Musik nicht mehr gerecht, schreckt womöglich nur interessierte Ohren ab. Der Einfachheit halber bezeichnen wir Cristobal And The Sea als Londoner Folk-Rock-Band.

Spannender als irgendwelche Musikstile zu bemühen, ist jedoch die Herkunft der Jungs. Die vier Bandmitglieder – darunter Alejandro Romero (Bass, Gesang), João Seixas (Gesang, Gitarre), Leïla Séguin (Flöte, Gesang) und Joshua Oldershaw (Schlagzeug) – stammen aus Spanien, Portugal, Frankreich (genauer aus Korsika) und Großbritannien. Sie lernten sich während des Studiums kennen und stellten 2013 fest, dass gemeinsam Musik zu machen Spaß bringt und eine gute Sache werden könnte.

Cristobal And The Global Sea sind multikulturell und kosmopolitisch. Vom Aussehen her sind sie irgendwo zwischen 68er-Hippie- und aufstrebendem Hipstertum zu verorten. Ihr Aussehen spiegelt sich auch in ihrem Sound wider: etwas schluffig, etwas verschlafen, unaufgeregt, wenig überraschende Wendungen.

Das hat schon ihre im Dezember 2014 veröffentlichte erste „Weihnachts“-EP „Peach Bells“ gezeigt. Die Band verfasst neben englischsprachigen Songs auch portugiesische und spanische Texte. Schön und gut, auch wenn der Gedanke dahinter ein mutiger ist: Verschmelzung musikalischer Ideen, Auflösung von Kategorien wie ethnische Herkunft und Nationalität, außerdem Fokussierung auf ein abstraktes Gefühl von Heimat.

Sind das enttäuschte Erwartungen, weil Cristobal And The Global Sea aus einer der traditionsreichsten Popmusikmetropolen der Welt kommt? „Sugar Now“, ihr erstes Studio-Album, zeugt zumindest wieder einmal von diesem „Home is where your heart is“-Gedanken. Reicht das aus? Die Verortung fällt schwer, wenn man versucht zu definieren, was Cristobal And The Global Sea da auf die Beine gestellt haben.

Gleich nach „Counting Smiles“, einem gewagten, aber zugegebenermaßen gelungenem, Opener, fragt man sich: Ist das akustischer Folk aus den USA oder aus England, aus den Sechzigern oder Siebzigern? Sind diese lateinamerikanischen Rhythmen zum Ende des Albums südamerikanischen – etwa brasilianischen – Vorbildern entsprungen? Easy Listening oder psychedelischer Exkurs? Musik für Stehtisch-Partys oder doch für den intimen Hörmoment mit Kopfhörern? Halbgares Soundgeschrammel oder provokante Andersartigkeit?

Zu viel Interpretation. Eines ist sicher: Cristobal And The Global Sea sind nicht einfach noch eine dieser uninspirierten Indie-Bands – luftiger Sommerpop mit viel Geklimper und Gekicher? Keinesfalls! Es lohnt sich, genauer hinzuhören. Dann bekommt man sie auch, die starken, eingängigen Songs wie etwa „Fisheye“ und „Legs Gone Feathers“. Die Oberfläche strahlt, da schwingt keine düstere, bisweilen morbide Stimmung wie in „Peach Balls“ mit, sie gerät nicht einmal mehr ans Tageslicht, wird vielleicht nur als positives Scheitern angedeutet („Sunset Of Our Troubels“). „Sugar Now“ klingt weniger nach London, als vielmehr nach Berlin. Das kann kein Zufall sein, da das Label City Slang in der deutschen Hauptstadt seinen Sitz hat.

Die Frage nach Einflüssen ist ebenso müßig wie die nach Genres. Entscheidend ist doch eher, was die Band daraus macht, wie sie ihre Lieder formt. „Sugar Now“ ist das, was es wortwörtlich verspricht: Stilvielfalt unter dem Zuckerguss. Harmoniegesänge, kunstvoll Stück für Stück drapiert (um bei der Torten-Metaphorik zu bleiben), ineinander verflochtene Stimmen – mal schillernd, mal glänzend, mal (sorry for that!) langweilig („Bear Paws“, „Out“, „New Carlton House“).

Ganz unten bleibt aber eine geschmackvoll verzierte Tischdecke. Geschmackvoll? Kunst liegt bekanntlich im Auge … – Verzeihung – im Ohr des Betrachters. Klingt irgendwie nach der große klischeehaften Versöhnung am Ende. Stimmt auch. „Mary Ann“ und „Miasma“ muss man einfach mögen. „Sugar Now“, das ist ein Potpourri an Lebensgefühlen, egal an welchem Ort dieser Welt.

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