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A Tribe Called Knarf (Credit pelle buys)

A Tribe Called Knarf – Es ist die Wahrheit obwohl es nie passierte

Frank Möller spielt gern: Eine tragende Rolle zur Blütezeit der Hamburger Schule und im Umfeld des What`s So Funny About Label von Alfred Hilsberg (beim diesjährigen Reeperbahn Festival mit dem Rocco-Klein Ehrenpreis ausgezeichnet), seit einigen Jahrzehnten hervorragende Musik, nicht zuletzt mit Worten.

Sein Ananym Knarf Rellöm steht als Name für die Band, zu der Patricia Wedler aka DJ Patex und Viktor Marek gehören, mit der er seit Mitte der 90èr Platten mit wechselnden Zusatz-Synonymen und prägenden Titeln veröffentlicht. Eine kleine Auswahl: Ladies Love Knarf Rellöm hörte auf „Bitte vor R.E.M einordnen“, Knarf Rellöm ISM auf „Fehler is King“, Knarf Rellöm with the Shi Sha Shellöm auf „Einbildung ist auch eine Bildung“.

Das neue Werk erscheint als A Tribe Called Knarf unter der Überschrift „Es ist die Wahrheit obwohl es nie passierte“. Es wird unter dem Schlagwort kapitalistischer Realismus geführt und damit mit einem Thema, welches Möller seit seiner Zeit mit Huah! begleitet, deren 1992èr Platte bereits „Scheiß Kapitalismus“ hieß.

Der Kapitalismus, der alte Schlawiner (wie PeterLicht ihn nannte), ist auch 23 Jahre später beständig an unserer Seite und die Platte unternimmt einen weiteren Versuch, ihm die Stirn zu bieten. Der diesmal verwendeten Band-Name verweist auf A Tribe Called Quest, macht aber aus den Musikern keine Hip-Hop Crew, sondern steht für das Verständnis der New Yorker für Ausprobieren und Erneuern. Denn es geht auch auf „Es ist die Wahrheit obwohl es nie passierte“ um Verstehen, Analysieren, Umdeuten, um besser zu Verstehen.

Das Album startet mit dem real stattfindenden Weckerklingeln und dem folgenden Hineingleiten in Automatismen, vom Stutzigwerden über angebotene Erklärungen während der Zeitungslektüre, um das sich darüber Austauschen, das künstlerisch Produktivwerden, bis erste Takte von einem Lied entstehen.

Da bei aller Kopflastigkeit Musik auch in die Beine fahren soll, hat das daraus resultierende „Bassline, That Was So Fine“ eine ordentliche Prise Soul im Gepäck. Musikalisch bewegen sich die übrigen Songs von Clubsound bis Minimal-Elektro und packen wie bei „Gender Be Good“ mit ordentlich Groove zu. Ein Stück fällt dabei jedoch aus dem Rahmen: „You Wanne Be Like Me“ ist eine lupenreine Reggae-Nummer, bei der das verbindende Element zum vorher Genannten die Gender-Beziehung zwischen Publikum und Künstler ist.

Egal wie es klingt, letztlich geht`s um Inhalte, es werden „Über 20 Geschichten“ (in denen die Drogensucht von Birthday Party genauso thematisiert wird wie die Frage, ob Trotzki nur ein anderer Homer Simpson war). Wahrheiten also, die wie andere physische und semantische Kollateralschäden, wenn konsequent totgeschwiegen, nie stattgefunden haben.

An anderer Stelle wird in „The Praxis Of Love“ die einlullende Liebeslüge unserer Pop-Kultur als Opium fürs Volk entlarvt, in „Mein Nachbar Ist Ein Alien“ das Diffundieren des Normalos in eine Parallelwelt geschildert oder in „Geschichte der Menschheit, Teil 17: Krieg“ die Machtlosigkeit gegenüber dem Treiben politisch Verantwortlicher beschrieben. Schwarzhumorig ist, wenn man trotzdem lacht, dazu gibt es reichlich Gelegenheit, etwa während der schönen Geschichte „Illegale Musik“ (Zitat: „Keine Musik ist illegal“) im Studio Braun Hörspiel-Format.

Ein Hamburger Old-School Album im allerbesten Sinn.

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