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Hinds (Credit Aaron Serrano)

Hinds – Leave Me Alone

Optisch erinnern die vier Mädels von Hinds ein wenig an das Quartett Warpaint. Doch mit introvertierten, dunklen Klangwelten hat erstere Band nichts zu tun. Die Gruppe aus Madrid präsentiert auf ihrem Debüt sonnengetränkte Gitarrenmelodien, die gerade durch ihre unprätentiöse und angenehm dilettantische Art nahezu perfekt wirken.

Der Opener „Garden“ beginnt beispielsweise mit simplem Jangle-Pop, der von den kratzbürstigen Stimmen der Gitarristinnen Ana Perrote und Carlotta Cosials (die ursprünglich als Duo starteten) zusätzlich an Charme gewinnt. Das Schöne an der Platte: Obwohl alle Riffs recht unkorrigiert wirken, verbirgt sich hinter jeder Nummer eine mehr als einprägsame Melodie. Haim dürften dieses Jahr mächtige Konkurrenz kriegen.

Dabei ist das Album ziemlich kantig. Häufig werden Erinnerungen an besonders schrullige Antifolker wach, phasenweise denkt man auch an US-Indierock-Bands, die Anfang der Neunziger das Genre aufmischten. Musik aus einer anderen Ära, die aufgenommen wurde, als die Mädels von Hinds wohlmöglich gerade ihre Mitschüler in der Grundschule verprügelt haben.

So selbstbewusst und souverän klang Lofi jedenfalls lange nicht mehr. Und selbst in den leisen Momenten von „Leave Me Alone“ merkt man schnell, dass die Songs voller Esprit und Energie stecken. Anzeichen von Siesta gibt es keine. Was spielerisch beim ersten Durchlauf noch leicht defizitär anmutet, entpuppt sich als geschickte Koketterie. Live hat der zackige Garage-Pop der Band schliesslich bereits auf einigen Festivals gepunktet.

Der Start von „Castigadas En El Granero“ etwa klingt wie frisch aus dem Proberaum, das Instrumental „Solar Gap“ herrlich improvisiert und auf dem Schlusslicht „Walking Home“ krächzen Ana und Carlotta wie auch schon auf „San Diego“ noch einmal besonders herzlich um die Wette. „You´re the love of my life“ krakeelen sie dort – wer´s glaubt, wird selig.

Hier strahlt die Sonne aus dem Verstärker. Nur das zweite Album könnte für Hinds ein schwieriges Projekt werden. Wenn die Mädels zuviel üben, könnte ihre Musik ihren Reiz verlieren. Bleiben sie bei ihren überschaubaren Gitarrenmustern, ist da wohl oder übel die Gefahr der Wiederholung. Doch dann stellt sich die Frage, warum man sich Gedanken um die Zukunft machen sollte – wenn man von Hinds daran erinnert wird, wie frisch und schön das Hier und Jetzt doch klingen kann.

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