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Aurora (Credit Kenny McCracken)

Aurora – All My Demons Greeting Me As A Friend

Die zarten, kreativen Seelen; Sie lassen sich nicht einfangen, nicht fassen, entwinden sich immer deinem Hörzugriff, wenn du denkst, sie gerade zu begreifen. Aurora windet sich, tanzt grazil auf feingliedrigen Melodieseilen und schlägt uns Alltagshelden in ihrer ganz eigenen Fantasiewelt unvorhersehbare Schnippchen:

Ganz nah und doch fern scheint Aurora Aksnes – als kleines 19jähriges Mädchen, eine sensible Schwedin aus unserer beschaulichen Mitte, die bei aller Bescheidenheit und Nahbarkeit doch an anderen Horizonten schwelgt. Sie scharrt ihre Bewunderer und Bewunderinnen um sich, nennt sie in eigener verwirrter Manier „Warriors & Weirdos“ – und beglückt die jungen Lechzenden nun mit einem Debütalbum, dessen Folk-Pop so reizend verrenkt wie sie selbst daherkommt: „All My Demons Greeting Me As A Friend“.

Ihren inneren Dämonen lässt sie nicht nur rein performend mit weit aufgerissenen, irren Augen und kruden Bewegungen – etwa auf dem letztjährigen Maifeld-Derby – freien Lauf. Die verschrienen Unwesen lungern auch in einem jeden ihrer Textzeilen, in jeder lieblichen Note herum. Dennoch: Aurora stellt sich mit ihnen gut. Sie akzeptiert die ungreifbaren Gedanken in ihrem Kopf und dreht sie in etwas Handfestes: in zarten Optimismus, unverbesserliche Naturverbundenheit und eine Philosophie, die an scheinbarer Altersweisheit grenzt.

Diese Komponenten webt die Musikerin in ein stimmiges Popkonstrukt, welches schlichtweg von ihrer glasklaren, hellen und auf den Punkt gebrachten Stimme zu kleinen und großen Alltags-Fabel umfunktioniert wird. Die tragenden Elemente finden sich in dezenten Percussiongerüsten und unaufgeregten, sich stets in ihrer zarten Intensität steigernden Melodieschichtungen wieder: Klavierunterlegungen auf Sehnsuchtsphrasen („Lucky“), dezente Stimmbearbeitungen in verletzlichen Selbstoffenbarungen („All I need is to remember how it was to feel alive“, „Winter Bird“) und Aufbruchsstimmung erzeugende Hitpotentiale („Conquerer“) verstecken sich in einem Dutzend Tracks.

Die Krux: Fast die Hälfte der Songs waren von findigen Musikliebenden bereits seit geraumer Zeit auszumachen. In abwägender Major-Manier wurden vorerst diverse Single-Auskopplungen und vielversprechende Synch-Deals mit echten Konzernriesen ausgelotet, um daraufhin das bereits halb aufgezerrte, doch nicht minder stimmige Engelspop-Paket als Debüt zu schnüren. Die weiteren Songreste rücken millimetergleich in den Schatten ihrer liebreizenden Kumpane, welche die Messlatte mit einer Menge Vorlaufzeit und mehr Chance auf Eingängigkeit ordentlich hochlegten.

Doch dieses Haim-Debüt-Krankheitssymptom tut „All My Demons Greeting Me As A Friend“ keinen Abbruch. Aurora ist die zarte Engelsausführung einer entschleunigten Lorde. Sie passt unweigerlich in den derzeitigen Trend der Achtsamkeit und Retrospektive und jongliert in einer perfekten Balance mit Philosophien und Klängen. Damit schafft die Musikerin das Gleichgewicht aus Major und Glaubwürdigkeit.

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