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Nada Surf (Credit Bernie Dechant)

Nada Surf – You Know Who You Are

Selten war der zeitlose Mix aus Power-Pop und College-Rock der New Yorker Indie-Institution Nada Surf so melodiös und kraftvoll wie heute.

„You Know Who You Are“ klingt unaufgeregt und nach einem stressfreien Produktionsprozess. Die in Ehren ergrauten Musiker wissen schließlich längst, wer sie sind, und was ihr Publikum von ihnen erwarten kann.

Die ungeschliffene Kraft vom Debut „High/Low“ aus der Post-Grunge Ära mit dem Über-Hit „Popular“ hat sich in den letzten zwanzig Jahren in einen emotionalen Breitwand-Sound verwandelt. Der war nie überambitioniert aber eine verlässliche Größe bezüglich der gefühlvollen Vertonung von Lebenslinien. Diesbezügliches Highlight war 2005 „The Weight Is A Gift“, mit dem die Band die Messlatte für die ebenfalls in diesem Fahrwasser verkehrenden Mitbewerber Snow Patrol oder Death Cab For Cutie hoch ansetzte.

Der Opener „Cold To See Clear“ putzt die Ohren erst einmal so blank wie der Wind den Himmel auf dem Cover. Die Gitarren schrammeln, der Bass wummert, das Schlagzeug scheppert, die Lyrics schmeicheln sich in die Gehörgänge.

Danach nehmen Nada Surf das Tempo erst einmal heraus. Mit „Believe You`re Mine“ wird es wehmütig, auch die verzerrten Riffs in „Friend Hospital“ versprühen keine ungebremste Euphorie. Die Stimmungen bleiben in Bewegung, „New Bird“ lädt wieder zum ausgelassenen Springen in der Hüpfburg ein, ein schmissiger Bläsersatz pumpt jede Menge positive Energie in “Out Of The Dark“.

Songschreiber Matthew Caws bastelt auf der achten Platte der Band an den ganz großen Melodien, für „Rushing“ erhielt er dafür zusätzliche Unterstützung von Dan Wilson, in dessen Referenzen bereits die Zusammenarbeit mit Adele für „Someone Like You“ verbucht ist.

Im Mittelteil geht es dann den sonnendurchfluteten Westküsten Pop-Highway hinunter, um später zu Beginn des Titelstücks den Indie-Rock Stier noch einmal kräftig bei den Hörnern zu packen. Hier erinnern die Gitarren an ihren glorreichen Start in den Neunzigern, über die der Platte verteilt gibt es noch die ein oder andere Reminiszenz-Note an R.E.M. oder Pavement. Insgesamt bleiben die bodenständig Stücke und frei von Experimenten.

Inzwischen haben Matthew Caws, Daniel Lorca und Ira Elliot das schon länger integrierte ehemalige Guided By Voices Mitglied Doug Gillard offiziell zum Teil der Band erklärt, er fügt nicht nur „Gold Sounds“ schöne Momente hinzu.

Nachdem 2012 auf „The Stars Are Indifferent To Astronomy“ der Verlust der jugendlichen Leichtigkeit thematisierte wurde, gibt es auf „You Know Who You Are“ den Blick Richtung Zukunft. Wenn am Ende „Victory`s Yours“ auch melancholisch mit den Zähnen knirscht: Nada Surf wirken aufgeräumt, gesetzt und auch ein bisschen altersmilde.

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