Jamie-Lee Kriewitz – Berlin

Jamie-Lee Kriewitz? Den Namen, der wie ein sympathischer Zungenbrecher klingt, sollte man nach erfolgreicher Googlerecherche, vielleicht nicht unbedingt im Plattenspieler ganz vorne, aber durchaus auf dem Radar behalten. Denn Jamie-Lee vertritt Deutschland beim Eurovision Song Contest 2016 in Schweden.

Mit knapp unter 50 % setzte sich Jamie-Lee, ehemalige “The Voice Of Germany”-Gewinnerin, beim deutschen Vorentscheid, unter Anfeuerung von MusikBlog, neben mehreren älteren Hasen durch – Hut ab! Damit steht fest: Im Mai wird Jamie-Lee mit ihrem melancholischen Popsong “Ghost” in Stockholm an den Start gehen.

Was an Jamie-Lee durchaus gefällt: zwei Songs. Dazu zählen ihr ESC-Song “Ghost” und der Cover-Song “Berlin”. Den kann Ry X zwar eine deutliche Portion besser singen, jedoch kann auch Jamie-Lee damit musikalisch überzeugen. Das mag nicht zuletzt der tollen Melodie und der Atmosphäre des Songs geschuldet sein.

Der Rest der Platte? Der besteht leider aus fünf faden Songs, die im Ohr herumdümpeln, ohne wirklich hängenzubleiben. Kein Wiedererkennungswert – so sagt man im Pop-Business – obwohl man diesen Jamie-Lee gerne nachsagt.

Dabei bringt sie wenig musikalische Vorerfahrung mit; bis auf fünf Jahre im Gospelchor. Jamie-Lee gilt als “Naturtalent mit Geltungsdrang”, hat tatsächlich eine laute und präsente Stimme, aber den dürftigen Erfahrungsschatz hört man ihrer Promo-Platte “Berlin” dann doch an. Aussehen kann kurzfristig zu großem Ruhm und Erfolg führen und die Zuschauer des ESC zum Anrufen verleiten, langfristig muss dann stimmlich und musikalisch mehr drin sein als ein Manga-Outfit mit Bärchen und Blumengeweih.

Für den großen Durchbruch ist die Zielgruppe einfach zu speziell, das Outfit zu sehr gewollt. Die beinahe schon aufgedrängte “Mögt mich gefälligst”-Aufforderung vieler Pop-Sternchen ist mittlerweile langweilig, die Künstler dahinter sind austauschbar geworden. Dabei kann Jamie-Lee viel mehr als ihr Aussehen.

Jamie-Lees Manko: ihr äußeres, von japanischen Mangas inspiriertes, Erscheinungsbild. Wer die quirlig-skurrile Manga-Welt mit viel Glitzer und Bling-Bling nicht mag, den wird Jamie-Lee auch musikalisch schwer überzeugen können. Denn Anti-Manga-Leute können Manga genau eines abgewinnen: nichts.

Genau damit kokettiert Jamie Lee. Sie genießt es, im Rampenlicht zu stehen, aufzufallen, möglicherweise auch anzuecken. Sie beherrscht damit das 1×1 der Popkarriere. Und das reicht vielleicht auch schon für einen Gewinn beim international ausgetragenen ESC.

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