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Feist – Multitudes

Das Album als kathartischer Prozess ist keine neue Geschichte. Aber natürlich spielen die persönlichen Umstände der Musiker*innen eine ganz zentrale Rolle bei der entstehenden Kunst. Bei Leslie Feist treffen auf dem neuen Album “Multitudes” gleich zwei Extreme aufeinander:

In den letzten sechs Jahren seit ihrem letzten Album “Pleasures” erlebte die kanadische Musikerin sowohl den plötzlichen Tod ihres Vaters als auch die Geburt ihrer Tochter. “Multitudes” hört man das aber nicht unbedingt an.

Vielmehr hinterlässt die Platte Fragezeichen. Allerdings keine, die sich gleißend hell ins Bewusstsein bohren und beantwortet werden wollen. Sondern eher solche, die bei wenig greifbarer Musik eben schulterzuckend hingenommen werden.

Denn tatsächlich erwartet die Hörer*innen hier vor allem konturlose Eleganz, die in vielen Momenten eine große Stärke verspricht.

Schon im breitflächigen Opener “In Lightning” wird eine Bedeutungsebene eröffnet, die sich über das Album zieht: “The lightning asks if I know the way” singt Leslie Feist hier umgarnt von anderen Stimmen.

Natur und Mystik, Gefühle und Mehrstimmigkeit sind die vier Säulen, auf denen diese Platte ruht. Und ‘ruht’ ist der richtige Ausdruck, denn keines der Stücke bricht mit dem sehr gediegenen Soundbild.

Damit ist “Multitudes” ein sanftmütiges Album, das zwischen reduzierter Akustik (“Love Who We Are Meant To”) und Dutzenden Soundschichten (“Redwing”) schwankt. Und doch – das Stimmungsbild bleibt, der Verzicht auf antreibende Melodien ebenfalls.

Damit kann durchaus eine gewisse Monotonie entstehen, die erst durch die Details von mächtigen Stücken wie “Of Womankind” aufgebrochen werden kann. Wer diese nicht suchen will, wird farb- und formlose Ratlosigkeit oder gar Langeweile finden.

Von der übernatürlichen Mystik in Stücken wie “Martyr Moves” oder “I Took All Of My Rings Off” geleitet, geht aber auch eine erdige Kraft aus, die bei allen Schicksalsschlägen und großen Momenten des Lebens helfen kann.

Und das kann scheinbar auch ganz ohne klar gezeichnete Songstrukturen oder Themenkomplexe funktionieren.

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