Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages

Für diese Website registrieren

sechs + acht =

Mit der Registrierung stimmst du den MusikBlog Nutzungsbedingungen zu.

Bitte gib deine E-Mail-Adresse hier ein. Du bekommst eine E-Mail zugesandt, mit deren Hilfe du ein neues Passwort erstellen kannst.

Entdecke neue Musik

Empfiehl deinen Freunden neue Alben oder Konzerte deiner Lieblingskünstler, erstelle deine persönlichen Album-Charts oder gewinne Konzertkarten und mehr bei unseren Gewinnspielen.

PJ Harvey – The Hope Six Demolition Project

Registriere dich, um es deinen Charts hinzuzufügen oder deinen Freunden zu empfehlen.

Alternativ-Ikone PJ Harvey macht auf ihrem neunten Studio-Album so weiter wie sie auf dem Mercury-Prize ausgezeichneten Vorgänger „Let England Shake“ aufgehört hat. Dort erschloss sie ihre Musik mit einer kratzbürstigen Bestandsaufnahme des wankenden Empires zwischen dessen blutiger Vergangenheit, seinen beschaulichen Grafschaften und sozialen Klüften der Gegenwart eine politische Ebene.

„The Hope Six Demolition Project“ trägt diese Intuition in die Welt hinaus, beschäftigt sich gleichwohl mit den Vereinigten Staaten von Amerika wie mit Afghanistan und dem Kosovo. Wobei sie selbst auch die beiden letztgenannten Krisenherde für den Gedichtband „The Hollow Of The Hand“ mit dem Fotografen und Filmemacher Seamus Murphy umfassend bereiste und die Eindrücke blutgetränkter Landschaften und traumatisierter Menschen vor Ort aufnahm.

Optimistisch wie seine Titelzeile eröffnet „The Community Of Hope“ die Platte. Entstanden nach einer Rundfahrt durch Washington D.C. wird das, was wie ein erdiger Bruce Springsteen Working-Class Support Song beginnt, schnell zur Abrechnung der 46-jährigen mit der amerikanischen Stadtplanung.

Der Zustand der, dem Verfall preisgegebenen, Armenviertel fußt wie der Albumtitel auf dem „Hope VI“ Plan der Regierung. Der beinhaltet, nach Abriss der sozialen Brennpunkte, dort neue attraktive Wohnviertel entstehen zu lassen. Gentrifizierung auf Amerikanisch also, für die ehemaligen Bewohner bleibt der Trailerpark. Mit dem offen kontroversen Text hat sich PJ Harvey jedenfalls bei den Entscheidungsträgern der US-Hauptstadt keine Freunde gemacht.

Weiter geht es mit den brennenden Themen der Gegenwart. „The Ministry Of Defence“ mit seinen trotzigen Gitarrenschleifen stampft ein wütendes Anti-Kriegs Statement aus dem Boden, welches vor dem Hintergrund der Zerstörung, die militärische Auseinandersetzungen zwangsläufig hinterlassen, fragt, ob das wirklich alles ist, was ein Verteidigungsministerium in Sachen Konfliktlösung zu bieten hat.

Unisono stimmen „A Line In The Sand“ und „Chain Of Keys“ in diesen dysphorischen Tenor ein. Das eine federleicht, das andere als knarzige Blues-Nummer mit Truppen-Paraden Snare-Drum, suchen die Stücke nach alternativen Lösungen zum Sterben in der Fremde und für die Brennpunkte der Welt.

Wie die Hymne einer Neo-Friedensbewegung startet „Near The Memorials To Vietnam And Lincoln“ und prangert das Verdrängen der Geschichte zugunsten routinierten Sightseeings an, in dessen Ablauf derartige Mahnmale bestenfalls noch die Funktion einer Haltestelle für den Hop On, Hop Off Bus erfüllen.

„The Orange Monkey“ erzählt vom suchen des Heils in der Heimatflucht, obwohl zum Entstehungszeitpunkt des Tracks das Ausmaß vom Refugee-Drama noch gar nicht bekannt war. „The Wheel“ eint wie der Album-Einsteiger optimistischen Sound mit schonungslos desillusionierenden Lyrics.

Polly Jean Harvey gönnt dem Hörer aber auch Ruhepausen von der Last ihrer Inhalte. Aus spirituellen Trommeln perlt „River Anacostia“, ein Song, der einen weiteren Beitrag zu dem von ihr gern bemühten Element Wasser beisteuert. Auch „Medicinals“ mit dem flatternden Kate Bush Refrain ist, wenn auch nur musikalisch, ein eher sanftes Stück.

Aufgenommen im Winter 2015 in öffentlichen Sessions im Rahmen einer Kunst-Installation im Londoner Somerset-House fließt hier wieder alles zusammen, was Harveys Stücken seine Kraft generiert. Aus Gitarren, Autoharp, Bouzouki, diversen Schlagwerken und dem Einsatz von Blasinstrumenten entlockt die Multiinstrumentalistin situativ rohe Kraft oder dramatische Melancholie, immer aber eine bedrohliche Grundstimmung, zu der ein raunender Männerchor seinen Beitrag leistet. Als Produzent stand ihr dabei wie oft in den vergangenen Jahrzehnten ihr musikalischer Wegbegleiter John Parish zur Seite.

Wenn „Dollar, Dollar“ aus den Feldaufnahmen lärmigen Straßenhandels den Bogen zu Ausbeutung und Armut schlägt und mit einem traurigen Saxophon-Solo ins Nichts entgleitet, bleibt eine großartige Platte zurück. Die Hoffnung auf eine bessere Welt stirb erst, wenn die Musik aufhört zu spielen. Umso schöner, wenn die bis dahin von PJ Harvey kommt.

Registriere dich, um es deinen Charts hinzuzufügen oder deinen Freunden zu empfehlen.