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Es gibt viele Geschehnisse, die uns Angst machen – Highasakite im Interview

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Mit dem Album „Silent Treatment“ katapultierten sich die Norweger Elektro-Popper von Highasakite im Sommer 2014 auf den heimatlichen Branchenthron. Zwei Jahre später soll nun auch der Rest der Welt mit Sounds aus der EDM-Klangschatulle bezirzt werden. In Berlin trafen wir uns kurz vor der Veröffentlichung des neuen Albums „Camp Echo“ mit Sängerin Ingrid Helene Havik zum Gespräch und plauderten über nicht enden wollenden Applaus, düstere Gedanken und druckbefreites Arbeiten.

MusikBlog: Ingrid, euer letztes Album „Silent Treatment“ ist nun schon seit fast zwei Jahren auf dem Markt. In eurer Heimat hat man allerdings das Gefühl, als wäre das Album erst vor wenigen Monaten erschienen. Über 100 Wochen tummelte sich die Scheibe in den Charts. Nun legt ihr mit eurem neuen Album „Camp Echo“ nach. Keine Angst vor einer „Übersättigung“?

Ingrid Helene Havik: (lacht) So langsam merkt man dann doch schon, dass die Leute bereit sind für Neues. Aber du hast natürlich recht. Die Songs vom letzten Album laufen immer noch ununterbrochen im Radio. Und auch über das Album wird noch viel gesprochen. Für uns war es jetzt einfach wichtig, den nächsten Schritt zu gehen. Ich denke, dass wir das neue Album vom zeitlichen Produktionsablauf auch so angegangen wären, wenn sich „Silent Treatment“ nicht so gut verkauft hätte.

MusikBlog: Gab es diesmal eine bestimmte Phase, in der ihr unbedingt Nägel mit Köpfen machen wolltet?

Ingrid Helene Havik: Nicht wirklich. Letztlich muss man sich auf sein Bauchgefühl verlassen. Musik kann man nun mal nicht planen. Man kann vielleicht mal eine Tour verschieben. Aber eine Albumaufnahme? Das funktioniert nicht. Wenn die Songs da sind, dann muss man sie auch festhalten. Jeder Song hat ja auch eine Geschichte und einen zeitlichen Bezug. Dinge, die mich heute bewegen, interessieren mich in einem Jahr vielleicht nur noch am Rande. Dann macht es keinen Sinn mehr, sie mit den Leuten zu teilen. Die Menschen sollen mit uns reisen. Und nicht erst Monate oder Jahre später nachkommen.

MusikBlog: Anno 2016 geht die Reise in Richtung Abgrund. Bereits der Albumtitel spricht Bände: „Camp Echo“ ist der Name von einem der sieben Gefangenenlager in Guantanamo Bay. Das ist aber erst der Anfang…

Ingrid Helene Havik: Ja, das Album ist ziemlich düster geworden.

MusikBlog: Warum?

Ingrid Helene Havik: Wie ich schon sagte: Musik lässt sich nicht planen. Das gilt natürlich auch für den Inhalt. Diesmal war es mir einfach wichtig über Themen zu schreiben, die mir Sorgen bereiten.

MusikBlog: Sprich: Terror, Kriege…

Ingrid Helene Havik: Ja, zum Beispiel. Aber es geht um noch viel mehr. Schlussendlich will ich, dass sich der Hörer selbst ein Bild macht. Ich möchte nicht zu viel vorgeben. Jeder kann seine eigenen Schlüsse ziehen. Das war mir unheimlich wichtig. Ich wollte keine allzu persönlichen Befindlichkeiten mit einbeziehen. Es gibt einige Eckpunkte. Der Rest bleibt den Gedanken und Gefühlen der Hörer überlassen.

MusikBlog: Demnach würdest du nicht von einem Fingerzeig-Album sprechen?

Ingrid Helene Havik: Nein, absolut nicht. Wir sind keine politische Band. Am Ende des Tages sind wir einfach nur Musiker. Sicher, es gibt viele Geschehnisse, die uns Angst machen. Aber nicht mehr oder weniger als anderen Menschen. Wir nehmen da keine Ausnahmestellung ein. Es ist einfach so, dass ich mir in den letzten Jahren viele Gedanken gemacht habe. Und die hatten zumeist mit Ereignissen zutun, die Bestürzung und Furcht in mir auslösten.

MusikBlog: Musikalisch hingegen haltet ihr mit zahlreichen positiven Sounds dagegen. Bewusst?

Ingrid Helene Havik: Ich glaube, dass sich das einfach so ergeben hat. Wir sind ja keine gelernte Dark-Pop-Band. Unsere Sounds sollen die Menschen erfreuen, nicht deprimieren. Diesmal war es aber wichtig, einen musikalischen Gegenpol zu den etwas düsteren Texten zu kreieren. Das hat sich schon zu Beginn abgezeichnet. Der eine oder andere Song hat sich zwar dann doch etwas angepasst. Aber  im Großen und Ganzen haben wir, glaube ich, eine ganz gute Mixtur am Start.

MusikBlog: Ihr habt diesmal auch in puncto Elektronik noch einmal eine Schippe draufgelegt.

Ingrid Helene Havik: Ja, das stimmt. Wir haben mehr Synthies und auch mehr Beats am Start. Grundsätzlich würde ich sagen: Die poppigen Passagen klingen jetzt noch poppiger. Und die aggressiven noch aggressiver. Wir haben auch viel mit Gitarren experimentiert. Man glaubt gar nicht, was man mit den richtigen Effekten alles aus einer Gitarre rausholen kann. Das war schon erstaunlich.

MusikBlog: Was hat dich hinsichtlich des Albumprozesses noch erstaunt?

Ingrid Helene Havik: Unsere Ausgeglichenheit und Ruhe. Wir haben uns überhaupt nicht verrückt machen lassen. Der Erfolg des letzten Albums hat während der Produktion keine Rolle gespielt. Das hätte ich so entspannt nicht erwartet. Auch unser Umfeld war ganz entspannt. Keiner hat Druck gemacht. Wir konnten in Ruhe arbeiten. Das war wirklich toll. Nach dem Erfolg von „Silent Treatment“ hatte ich schon ein bisschen Angst, dass man uns beim neuen Album verstärkt auf den Füßen steht. Dem war aber nicht so. Ganz im Gegenteil.

MusikBlog: Ihr selbst habt euch auch keinen Druck gemacht?

Ingrid Helene Havik: Nein, gar nicht. Wir haben uns nur auf das Hier und Jetzt konzentriert. Alles andere haben wir ausgeschaltet. Das ist uns ziemlich gut gelungen. Ich hoffe, dass wir das auch in Zukunft so beibehalten können. Ich glaube nämlich nicht, dass wir unter Druck alles aus uns herausholen könnten.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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