Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Hannah Georgas (Credit Caroline)

Meine Oma ist die herzallerliebste Person der Welt – Hannah Georgas im Interview

Wer seit 98 Jahren auf dieser Erde weilt, der hat viel zu erzählen. So auch Hannah Georgas Großmutter. Die Old Lady im Hause Georgas ist für die Enkelin aber nicht nur ein rüstig wandelndes Lexikon. Sie ist viel mehr. Sie ist Hannahs beste Freundin. Und der besten Freundin macht man hin und wieder auch mal eine große Freude. So freut sich Hannahs Oma dieser Tage über das erste Album ihrer Enkelin mit persönlicher Widmung. „For Evelyn“ heißt das gute Stück. Wer Evelyn ist sollte klar sein. Wir trafen Hannah Georgas in Berlin zum Interview und plauderten über Geschwisterkämpfe, Gefühlswelten und spontane Umzüge.

MusikBlog: Hannah, ich habe mal mit einem deutschen Sänger gesprochen, der seiner Frau ein Album gewidmet hat. Damals sprach ich von einer musikalischen Pralinenschachtel. Würdest du dein neues Album auch als eine vertonte Schleckerbox bezeichnen?

Hannah Georgas: Oh ja. Das trifft es auf den Punkt, wenngleich sich nicht alle Songs auf dem neuen Album um meine Oma drehen. Aber natürlich der Großteil. Insofern passt das schon. Eine rührende Bezeichnung. (lacht)

MusikBlog: Was ist das Besondere an deiner Oma?

Hannah Georgas: Ich bin eigentlich keine Person, die gerne mit Superlativen jongliert. Aber wenn ich an meine Oma denke… sie ist einfach der bezauberndste Mensch den ich kenne. Sie ist 98 Jahre alt. 98! Das allein ist schon der Wahnsinn. Sie hat so viel gesehen und erlebt in ihrem Leben. Und sie lässt die Menschen gerne an ihren Erinnerungen teilhaben. Sie ist keine von diesen ergrauten und grummeligen alten Menschen, die lieber in Ruhe gelassen werden wollen. Sie ist offen und neugierig. Sie will wissen, was um sie herum passiert. Sie ist einfach meine Oma; die weiseste und herzallerliebste Person dieser Welt.

MusikBlog: So einem Menschen kann man dann auch schon mal ein halbes Jahr Arbeit widmen.

Hannah Georgas: Auf jeden Fall. Sie ist auch die, die mich immer wieder aufs Neue inspiriert. Sie ist also schon immer ein Teil meiner Musik gewesen. Ohne sie wäre ich heute vielleicht gar nicht dort, wo ich bin.

MusikBlog: Was schießt dir als erstes durch den Kopf, wenn du an deine Oma denkst?

Hannah Georgas: Ich kann mich noch erinnern, als ich klein war und ich mich mit meinen Schwestern gestritten habe. Es ging immer darum, wer am Wochenende zur Oma fahren darf. Wir wollten immer bei ihr sein. Bei ihr fühlten wir uns geborgen und geliebt.

MusikBlog: Wie hat sie denn reagiert, als sie von deinem neuen Album erfuhr?

Hannah Georgas: Ich glaube, dass sie glücklich war. Ich hab das jetzt nicht stundenlang mit ihr besprochen. Ich hab’s einfach gemacht, weil es mir wichtig war.

MusikBlog: Es gibt aber auch Songs auf deinem neuen Album, die sich nicht um deine Oma drehen. Was bewegt dich dieser Tage sonst noch?

Hannah Georgas: Meine Gefühlswelt. (lacht)

MusikBlog: Warum musst du lachen?

Hannah Georgas: Ach, ich weiß auch nicht. Es sind halt Songs, die sich um meine persönliche und musikalische Entwicklung drehen. Das klingt jetzt vielleicht nicht so spannend. Aber ich denke, dass ich auch viel Spielraum zur Verfügung stelle. Jeder kann sich seine eigenen Gedanken machen. Das ist mir immer sehr wichtig.

MusikBlog: Warum?

Hannah Georgas: In erster Linie mache ich Musik natürlich für mich. Das ist eine Form der Selbsttherapie. Ich beobachte und reflektiere alles was in meinem Leben passiert. Das ist der Antrieb. Ich mache Musik aber ja nicht nur im stillen Kämmerlein. Ich nehme Platten auf und gehe damit auf Reisen. Die Songs teile ich dann mit vielen fremden Menschen. Die wollen natürlich auch etwas mitnehmen. Sie wollen sich in den Songs wiederfinden. Also versuche ich mich an einer Symbiose. Es geht um mich. Aber es geht auch um alle anderen Menschen da draußen.

MusikBlog: Ist das Ausarbeiten dieser Melange die größte Herausforderung für dich?

Hannah Georgas: Ja, irgendwie schon. Mittlerweile habe ich den Dreh aber ganz gut raus. Man entwickelt sich ja und wächst mit den Aufgaben. (lacht)

MusikBlog: Apropos Aufgaben: Du bist kurz vor den Aufnahmen umgezogen. Von Vancouver ging es spontan nach Toronto. Wieso? Weshalb? Warum?

Hannah Georgas: Das war schon ziemlich verrückt. Aber manchmal muss man einfach auch mal etwas Verrücktes wagen. Und ich bin froh, dass ich umgezogen bin. Vancouver ist toll. Aber in Toronto fühle ich mich vor allem musikalisch mehr zuhause. Ich musste diesen Schritt gehen. Aber es war natürlich ein bisschen chaotisch. (lacht)

MusikBlog: Würdest du dich generell als jemanden bezeichnen, der lieber auf Risiko spielt?

Hannah Georgas: Das kommt immer drauf an. Es gibt Dinge im Leben, die sollten in ruhigen Gewässern schippern. Es gibt aber auch Dinge, die erst dann Sinn ergeben, wenn man sie permanent verändert. Wichtig ist nur, dass man aus Überzeugung handelt. Man sollte sich nicht drängen lassen. Herz und Hirn sollten beide ja sagen. Dann passt meist alles. Manchmal reicht aber auch schon ein gutes Bauchgefühl.

MusikBlog: Einfach machen.

Hannah Georgas: Genau. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

Schreibe einen Kommentar