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Teho Teardo & Blixa Bargeld (Credit MusikBlog)

Teho Teardo & Blixa Bargeld – Live in der Muffathalle, München

Teho Teardo und Blixa Bargeld, die im April diesen Jahres ihr gemeinsames Zweitwerk „Nerissimo“ veröffentlicht haben, sind mit diesem derzeit auf Tour. Am Mittwoch war die Münchener Muffathalle Herbergsort des besonderen Events.

Blixa erscheint wie immer barfuß und im leicht zerknitterten Anzug mit Weste, Teho leger im grünen Sakko. Dazu baut sich auf der Bühne neben der Bassklarinette das vierköpfige Streicherorchester The Balanescu Quartet auf, die aber meistens nur wenig zu tun haben und abwartend dasitzen, ebenso Solo Cellistin Martina Bertoni.

Es beginnt wie auf dem Album mit der italienischen Version von „Nerissimo“, gefolgt von „The Beast“. Zwischen den Titeln steht Blixa mit seinen Händen übereinander gelegt in Andacht Stellung und wartet, bis Teho beginnt.

Vor „Mi scusi“ fragt Blixa Bargeld ins Publikum „Parla italiano?“ Natürlich antworten einige mit „Si“ und Blixa fragt hinterher „Anyone from Pordenone?“. Keine Antwort und Blixa erklärt in gewohnt knapper, witziger Form, dass sie vor kurzem in Wǔhàn in China gespielt haben („einer Kleinstadt mit 6 Mio. Einwohnern“) und auch dort gefragt haben „Parla italiano?“ – Antwort „Si“, Frage „Where are you from“, Antwort „Pordenone“.

Es geht weiter mit „The Empty Boat“, der Coverversion von dem brasilianischen Komponisten Caetano Veloso, bei dem Teho seine Baritongitarre mit großen, wiegenden Bewegungen bearbeitet.

Das darauffolgende „Animelle“ mit der markanten Bassline von Tehos Gitarre und Blixas mit Halleffekt versehenen Mundgeräuschen, bildet – wie schon auf Platte – das Highlight.

Wie auch bei Neubauten-Konzerten beweist Blixas buchstäblich handgemachter Sound enorme Vielfalt. Außer dem Echo bedient er sich, neben der Mundharmonika („Nirgendheim“), auch einem Sampler, mit der er zu Beginn von „Axolotl“ verschiedene Mundgeräusche loopt. Jetzt versteht man auch, warum Bargeld barfuß auftritt, nämlich, um die verschiedenen Tasten seines am Boden liegenden Samplers zu bedienen.

Vor „Ich bin dabei“ erzählt Blixa Bargeld, dass er das Lied für seine Frau geschrieben hat, weil die immer unter dem Berliner Wetter im Winter leidet: „Es ist immer grau und grau…eigentlich ist es so wie jetzt. Eigentlich leidet sie unter dem Wetter, nur im Winter mehr als im Sommer“.

Zu „Come Up And See Me“ erfährt der Zuschauer, dass Teho es begonnen hat, in Rom zu schreiben, und Blixa dann in Berlin weiter geschrieben hat. Blixa dazu: „Ich sitze in meiner Küche, plötzlich klingelt es und ich denke, es ist wieder DHL und bringt Amazon-Boxen, doch dann steht Mae West vor der Tür“, in seiner gewohnt ironisch/humorvollen Art den Songtitel erklärend, der auf die berühmte Zeile von Mae West „Why don’t you come up some time, and see me“ aus dem 1933er Film „She Done Him Wrong“ Bezug nimmt.

Die erste Zugabe beginnt nur zu viert, ohne das Balanescu Quartet, mit „Nocturnalie“ vom ersten Album „Still Smiling“.

Danach erzählt Bargeld, dass es in den Sechziger Jahren Mode war, erfolgreiche Songs in verschiedene Landessprachen zu übersetzen. So auch das folgende „Crimson And Clover“ von Tommy James & The Shondells, für das Teho eine italienische Version („Soli Si Muore“), performt von einem libanesischen Künstler, in einem Plattenladen in Rom gefunden hatte. Wie Blixa sagt, haben die Lyrics nichts mehr mit dem Original zu tun „und lassen sich zu dem Satz zusammen kneten: Ohne Liebe, ich tot.“.

Die zweite Zugabe ist dann „A Quiet Life“, der Song zum gleichnamigen Film über einen Camorra Aussteiger, der die Zusammenarbeit von Teho Teardo und Blixa Bargeld vor mehr als fünf Jahren begründete.

Wieder einmal ein Konzert, das dem geneigten Zuschauer die Musik des Albums so nahe bringt, dass man neue Facetten entdeckt und die Musik der beiden und ihrer Musiker, die zweifelsohne große Kunst ist, noch mehr zu schätzen weiß. Und eines, das beweist, dass Blixa Bargeld, egal in welcher Formation, zu den besten Livekünstlern dieses Landes gehört und bezüglich Geräusch- und Klangaffinität höchstens noch mit Michael Gira zu vergleichen ist.

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