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Glass Animals (Credit Neil Krug)

Egal ob vor Konzerten, auf Parties oder beim Einkaufen – Glass Animals im Interview

Ein Hype ist Segen und Fluch zugleich. Auf der einen Seite lockt der katapultartige Einschlag in den Pop- und Rock-Olymp mit Red-Carpet-Spaziergängen, vollen Häusern, Blitzlichtgewittern und prallen Konten. Fast zeitgleich baut sich im Windschatten des Erfolges aber auch Erwartungsdruck auf. Die Öffentlichkeit giert nach mehr. Doch nicht alle Bands und Künstler, die über Nacht für Aufsehen sorgten, sind in der Lage nachzulegen. Viele scheitern bereits an der zweiten Hürde; seien es nun die erste große Headliner-Tour oder das zweite Studioalbum.

Auch die aus Oxford stammenden Glass Animals standen im Mai 2014 urplötzlich im Fokus der Rock-Welt. Mit ihrem Debütalbum „Zaba“ verzauberten Dave Bayley (Gesang, Gitarre), Drew MacFarlane (Gitarre), Edmund Irwin-Singer (Bass) und Joe Seaward (Schlagzeug) vor allem Liebhaber langlebiger Indierock-Sounds. Im fernen Australien knackte man sogar fast die Top Ten der Albumcharts. Zwei Jahre später legen die britischen Shootingstars nun mit ihrem zweiten Album „How To Be A Human Being“ nach. Wie ist es der Band nach ihrem kometenhaften Aufstieg vor zwei Jahren weiter ergangen? Wie liefen die ersten Tournee-Feuerproben? Und wie viel Druck baute sich hinsichtlich der Produktion des zweiten Studioalbums auf? Wir trafen uns in Berlin mit Drummer Joe Seaward und fragten nach.

MusikBlog: Hi Joe, ihr wurdet vor zwei Jahren von unzähligen Indierock-Experten und Fans aus aller Welt auf Händen getragen. Euer Debütalbum „Zaba“ schlug ein wie eine Bombe. Dieser Tage erscheint nun endlich euer zweites Studiowerk „How To Be A Human Being“. Wie fühlt ihr euch gerade?

Joe Seaward: Wir sind angespannt, aufgeregt, erleichtert und stolz. Wir werden gerade von unheimlich vielen Emotionen übermannt. Das kann man alles schwer beschreiben. Es fühlt sich an, wie ein Ritt auf einer Achterbahn. Es geht hoch und runter. Und das mehrmals am Tag. (lacht)

MusikBlog: Wann geht es hoch? Und wann runter?

Joe Seaward: Das ist total unterschiedlich. Manchmal wache ich morgens mit einem unbeschreiblichen Glücksgefühl auf. Dann höre ich im Kopf unsere neuen Songs und könnte vor Freude regelrecht ausflippen. Ich würde dann am liebsten rausrennen und jedem, den ich begegne eine Kopie unseres neuen Albums in die Hand drücken. Dann gibt es aber auch Momente, in denen mir die Erwartungshaltung bewusst wird. Dann schrumpft plötzlich alles zusammen. In solchen Situationen ist es dann wichtig mit jemandem zu reden, der dich wieder auf den Boden bringt. Das klappt glücklicherweise auch meistens sehr gut. (lacht) Letztlich ist es doch so: Wichtig ist, dass wir als Band mit dem Ergebnis und der Entwicklung zufrieden sind. Und das sind wir. Dieses Gefühl, hinter einer Produktion voll und ganz stehen zu können, ist das A und O. Wenn es jetzt die Fans noch lieben….wunderbar! Wenn nicht? Dann ist es halt so.

MusikBlog: Letzteres wird, denke ich, nicht passieren. Die Basics sind auf dem neuen Album noch vorhanden. Das Ganze klingt nur etwas druckvoller und roher als vor zwei Jahren. War das so gewollt?

Joe Seaward: Ja. Wir waren in den vergangenen zwei Jahren fast ununterbrochen unterwegs. Wir waren nahezu jeden Abend in einer anderen Stadt, haben unzählige Konzerte gespielt und viele neue Erfahrungen gesammelt. Diese Live-Energie, die sich im Lauf einer Tournee entwickelt, wollten wir unbedingt mit ins Studio nehmen. Das war das große Ziel. Und live geht es nun mal ungeschliffener und druckvoller zur Sache. Insofern waren wir von der Energie der Aufnahmen alles andere als überrascht. Genauso wollten wir es haben.

MusikBlog: Ich habe gelesen, dass euer Sänger Dave stets mit einem Aufnahmegerät durch die Städte gezogen ist.

Joe Seaward: Ja, das stimmt. Dave hat das Ding permanent mitlaufen lassen. Du glaubst gar nicht, was sich da für lustige und spannende Geschichten verewigt haben. Egal ob vor den Konzerten, im Backstagebereich, auf Parties oder beim Einkaufen: Die Leute erzählen einem die verrücktesten Dinge, wenn sie das Gefühl haben, dich danach wahrscheinlich nie wieder zu sehen. (lacht) Das war schon eine große Inspiration für ihn. Vor allem hinsichtlich der Texte. Eigentlich hätte er Texte für mindestens zwei Alben schreiben können.

MusikBlog: Ihr habt nicht nur in vielen angesagten großen Clubs gespielt, sondern auch bei etablierten Festivals (Coachella, Lollapalooza, Glastonbury) überzeugt. Was hat euch denn am meisten Spaß gemacht?

Joe Seaward: Die großen Festivals zu spielen ist natürlich der Wahnsinn. Man steht auf Bühnen, die jeder Musik-Fan auf der Welt kennt. Da schießt einem schon der Puls nach oben. Vor einem stehen dann tausende Menschen, von denen die meisten gar keine Ahnung haben, was auf sie zukommt. Das ist natürlich eine große Herausforderung. Die Headliner-Shows sind aber auch nicht ohne. Da hast du Leute vor der Bühne, die jeden Song kennen und erwarten, dass sie genau das präsentiert bekommen, das sie daheim auf Platte abfeiern. Da entsteht natürlich auch ein gewisser Druck. Man will schließlich keine Fehler machen. Niemand soll enttäuscht wieder nach Hause gehen. Man ist also permanent angespannt, egal auf welcher Bühne man steht.

MusikBlog: Anstrengungen, die sich letztlich aber doch auszahlen, oder?

Joe Seaward: Auf jeden Fall. Ich will keine Sekunde der letzten beiden Jahre missen. Es war eine unfassbar tolle Zeit, die uns nicht nur als Musiker, sondern auch als Menschen hat wachsen lassen. Songs schreiben, ins Studio gehen, alles aufnehmen: das sind schon tolle Momente. Aber es geht nichts über ein Live-Konzert. Diese Energie, die während eines Konzerts entsteht, ist unvergleichlich.

MusikBlog: Und das Schönste: Demnächst geht es schon wieder auf Tour.

Joe Seaward: (lacht) Yeah! Ein herrlicher Kreislauf. Ich hätte nichts dagegen, wenn es die nächsten zwanzig Jahre genauso weitergeht.

MusikBlog: Wir drücken die Daumen.

Joe Seaward: Danke. Das weiß ich zu schätzen.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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