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Night Beats – Live im White Trash Fast Food, Berlin

Rhythm and Blues. Was hat diese schwarze Urform des Rock’n’Roll eigentlich verbrochen, dass ihr derart Unrecht angetan wurde von den Mechanismen des Pop-Mainstream, allzeit für sexy Kategorien an der Genrefront zu sorgen? Früge man repräsentativ junge Menschen in westlichen Großstädten dieser Welt, ist R’n’B ein Dance-Pop-Genre, dessen Koryphäen heute Usher, früher Prince heißen.

Der tatsächliche Rhythm and Blues, die in den 40er Jahren entwickelte tanzbarere Version des klagenden Blues, der Schultern rhythmisch zuckende Vorgänger dessen, was weiße Künstler wie Elvis und die Rolling Stones tantiemenlos der afroamerikanischen Kultur entliehen und zu Cash machten, dieser echte R’n’B scheint heute nur noch etwas für Nostalgiker und Retromanisten.

Night Beats, eigentlich aus dem Psychedelic-Rock-Mekka Austin, Texas, aber schon lange Zuhause in Seattle, Washington, spielen ihn, den echten R’n’B.

Mit ihrem formidablen dritten Album „Who Sold My Generation“ von Beginn des Jahres sind sie nunmehr schon das zweite Mal in diesem Kalenderjahr in Europa auf Tournee. Im Februar noch in einer verschwitzten, rappelvollen kleinen Scheune, durften sie sich gestern im geräumigen Konzertsaal des umgezogenen White Trash Fast Food versuchen, jenem Berliner Laden, in dem amerikanischer Fast Food- und Gitarrenmusik-Kultur in scheinbar religiösem Ausmaß gehuldigt wird.

Entsprechend der Reputation dieses Genres in der derzeitigen Musikwelt, war der geräumige Saal mit gutem Willen halb voll. Allerdings wussten die, die gekommen waren, worauf sie sich hier einließen und trugen mit ihrem eifrig bekundeten Enthusiasmus zu einem besonderen Abend bei.

Night Beats, plain and simple, sind live ein absoluter Hammer. Die Energie, die sie mit den simplen Mitteln des Blues, einer Gitarre, einem Bass und einem Schlagzeug zu erzeugen verstehen, lässt einen an das Gute auf dieser Welt glauben.

Große Probleme mit dem Mischer, der in gewohnter Berliner Arschlochigkeit nur mäßig auf die Bitten der Band einzugehen gewillt war, und ein halbleeres Venue sind normalerweise die Zutaten für einen Abend zum Vergessen, als Band, die von sehr weit herkommend, in einer Spirale aus Flughäfen, Hotels und Bühnen steckt.

Doch irgendeine unanalysierbare Kraft steckt im R’n’B der Night Beats. Das enthusiastische Abfeiern der Band durch die wenigen Eingeweihten, die jetzt-erst-recht-Einstellung der Band: Zusammen gebar man die letztlich einzig entscheidende Stimmung, die Musik, welcher Art auch immer, auslösen kann: glücklich sein.

So sehr, dass Gitarrist/Sänger Danny Lee Blackwell selbst nach der Zugabe nicht genug hatte und sich zum treuen Publikum gesellte, um ihnen ein Ständchen nur aus dem Gitarrenverstärker zu spielen, die Musik vom Band längst auf Play gedrückt, der Mischer schon über alle Feierabendberge.

Und erst nach Minuten, als Bassist Jakob Bowden und Drummer James Traeger sich dazu gesellten und nicht aufhören wollten, ihre Rockmusik zu leben und zu teilen und sogar das Publikum Gitarre spielen durfte, wurde auch dem letzten gewahr: Night Beats, plain and simple, sind live ein absoluter Hammer.

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