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OY (Credit Sash Berg)

OY – Space Diaspora

Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt. Die Kunst und das Müssen sind nicht die besten Partner, doch das Schweizer Duo OY überfordert auf ihrem Debüt „Space Diaspora“ mit gut gemeinten, aber über alle Ziele hinausschießenden Art-Pop.

OY, das sind der Schweizer Schlagzeuger, Multiinstrumentalist und Produzent Marcel Blatti, der leider auf die glorreiche Idee kam, sich bei OY Llejua-Ha zu nennen und die Sängerin Joy Frempong. Blatti hat noch ein anderes aktuelles Projekt, er ist Sun Of Moon beim deutschen Label Motor Music, ansonsten aber ist er bisher eher als Komponist für das Theater in Erscheinung getreten, in Inszenierungen am Burgtheater in Wien, dem HAU und der Schaubühne Berlin sowie an den Kammerspielen in München.

„Space Diaspora“, der Name lässt es vermuten, ist die volle Keule hochkünstlerisches Konzeptalbum. Auf einem fernen Planeten hat die Menschheit Zuflucht gefunden und OY dürfen uns als erzählende Live-Reporter berichten, wieviel besser die das da jetzt machen als früher. Auch Clipping. haben ja kürzlich erst mit „Splendor & Misery“ eine Space Opera in Albumform gegossen, aber erzählen dabei, wie es sich für ihren unerbittlich minimalen Alternative-Hip-Hop gehört, eine böse Dystopie.

Auf „Space Diaspora“ ist Joy Frempong stimmlich ein bisschen die akustische Version des overly attached girlfriend. Überall legt sie sich mächtig ins Zeug, uns eine ferne Fantasiewelt zu bebildern, in der das mit dem Zusammenleben ach so gut klappt. Überall Verve und stimmliche Ekstase und überdeutliche Chordialoge mit der eigenen gesampelten Stimme, um uns furchtbar wichtige Dinge mitzuteilen.

Ein Hörspiel haben OY hier gestaltet, irgendwo zwischen Theatermusik, Electronica, Spoken-Word-Beats und Dance-Anleihen. Auch Blatti lässt sich nicht lumpen und packt scheinbar jeden Beat-Trick aus, den er auf seinem Computer lagern hat.

Überfrachtung heißt das Gesamturteil. OY kennen mit „Space Diaspora“ no chill, dabei lassen sie phasenweise durchblicken, dass sie gestandene Musiker sind. Selbst der Promo-Texter hat sich anstecken lassen und feuert aus allen Phrasenrohren: „Das Leben auf Space Diaspora ist sowohl Spiegel- als auch Zerrbild unserer problembelasteten Jetzt-Zeit, über deren Brechung die Gefühle moderner Entfremdung und transnationaler Identitäten reflektiert werden.“

Okaaaaay. Ich geh’ mal den Spätsommer genießen.

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