The Clang Group – Practice

Rockbands zu gründen gilt gemeinhin als Beschäftigung „der Jugend“ und aller, die sich dafür halten. Ab einem bestimmten Alter, so der gesellschaftliche Konsens, holt man sich als Neu-Rocker auf der Bühne höchstens eine Ladung Spott oder einen Bandscheibenvorfall.

CliveLanger ist das egal: Als der Brite vor zwei Jahren 60 wurde, nahm er das zum Anlass, nochmal so richtig in die Saiten zu hauen und gründete The Clang Group, für die er alte Kumpels und Weggefährten rekrutierte.

Nun ist Langer, was Musik angeht, nicht gerade ein unbeschriebenes Blatt: Als Produzent nahm er über dreieinhalb Jahrzehnte von Elvis Costello über Morrissey bis Bush so einige große Namen unter seine Fittiche. Ende der 1970er war er außerdem Gitarrist der Art-Rocker Deaf School. Auch andere Bandmitglieder haben sich ihre Sporen bereits auf der Weltbühne verdient: Roxy-Music-Saxofonist Andy Mackay veredelt die Clang Group mit seinem Instrument.

Dass Langer jahrzehntelange Erfahrung mit der intensiven Betreuung von Rocksongs hat, merkt man seinen eigenen Tracks nur zu deutlich an. Seine Songwriting-Prämisse: Ich will Pop – aber eckig. Deshalb stellt er eingängigen Melodien gern schrammelige Garagengitarren gegenüber oder greift gleich tiefer in die Sound-Trickkiste.

Der Opener „Concertina“ etwa lässt Saxofon, Orgel, Gitarre und die titelgebende Quetschkommode um die Wette dudeln, bleibt aber dennoch charmant und geht sofort ins Ohr.

In „Bike“ singt Langer wie eine verschnupfte Mischung aus Nick Cave, Syd Barrett und J Mascis und hangelt sich durch dynamische Strophen bis zum gitarrenbewehrten Refrain. Dazwischen gönnt er sich und seiner Band ein luftiges Jazz-Zwischenspiel, in dem Saxofon-Freunde auf ihre Kosten kommen.

Ohnehin nimmt sich die Clang Group immer mal Zeit für kurze Jam-Ausbrüche wie in der Mitte von „Had A Nice Night“ oder am Anfang von „Heaven Calls Another Name“.

„Picture Postcard Paradise“ schert sich dann gar nicht mehr um Konventionen und klebt munter Parts aneinander, die andere nicht einmal auf demselben Album unterbringen würden. Trotzdem funktioniert der Track ausnehmend gut – Clive Langer weiß schließlich, was geht und was nicht.

Vor allem aber scheinen er und seine Mitstreiter mit „Practice“ in Gänze jede Menge Spaß gehabt zu haben, den man dem Album stellenweise überdeutlich anhört. Wer mit 60 noch so euphorische Songs wie „Knock Me Off“ schreibt, muss jedenfalls grundlegend mit vielem im Reinen und mit so einigem sehr zufrieden sein.

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