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Genetikk – Fukk Genetikk – Straight Outta Saarbrücken

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Auch wenn die Stoffmasken von Genetikk durchlässiger sind als die Chrommodelle von Sido und Co., ist das Rapwerk des Saarbrücken Rap-Duos noch längst nicht transparenter. Im Gegenteil: Schon länger haftet Genetikk ein leicht mystischer Hauch an, der zeitweilig zwar konzeptuell bemüht wirkt, dafür aber auch ein paar spannende Fragestellungen generieren konnte.

Adressiert an das Genre ungefähr diese: Wieviel Künstlichkeit verträgt deutschsprachiger Rap eigentlich? Wieviel Rollenspiel ist für Spielformen von Hip-Hop noch legitim, die mit smartem Gangster-Image spielen? Eine Fragestellung, die auch Labelkollege Kollegah mit seinem ungebrochen Image immer wieder aufwirft.

„Fukk Genetikk“ macht in dieser Tradition als das heimliche Amerika-Album keinen Unterschied, indem es der ursprünglichen Heimat der Rap-Kultur huldigt, sich ihr aber ebenso ambivalent annähert. Die Positionierung in „Peng Peng“ wirkt reich an Metaphern, die Chiffren für Amerikas Retter- wie Besetzerrolle sind gekonnt vage geraten.

Hier findet sich ein Rudel von technisch überlegenen, „unsichtbaren Vögeln“ gejagt, andererseits scheint Amerika weiterhin als Projektionsfläche für den intrinsischen Wunsch zu dienen, irgendwann einmal von ganz unten nach oben zu erlangen. Krause huldigt in“Jordan Belfort“ etwa dem gleichnamigen, zwielichtigen Geschäftsmann, dessen spektakuläre Geldwäscher-Biographie zuletzt in „The Wolf Of Wall Street“ verfilmt worden ist.

Für Rap, der den Imperativ Höher, Größer, Breiter quasi kultiviert hat, ist die Raffgier-Logik allein für das Battleformat natürlich nicht uninteressant, wie auch Genetikk hier in ihren Freestyle-Raps und Stream-of-Consciousness-artigen Ergüssen technisch einwandfrei demonstrieren.

Im Titeltrack agiert zu Tribal Drums hingegen wütende Kolonialismuskritik, deren tagespolitische Referenzen man sich selbst collagieren muss. Genetikk schlagen sich auf die Seite von Ureinwohnern, ballern aggressiv auf weiße Tauben, lassen südamerikanische Sprachfetzen einfließen und verlieren sich so ergebungsvoll in Widersprüchen.

Am Ende, so scheint es, sind die Eroberer der Industrie dieser selbst zum Opfer gefallen. „Geld macht süchtig“, rappt das Duo und wirkt mal nüchtern-distanziert, dann hingegen vom Rausch in der frisch erbeuteten Limo euphorisiert.

Mit „Luzifer“ probieren sich Genetikk nahezu im sogenannten Conscious-Rap und verfolgen die schlichte Message, dass Cash allein gar nicht mal so wichtig sei und das familiäre Kollektiv beständigen Vorrang genießen würde. Davor brüsten sich Sikk und Karuzo allerdings noch fleißig damit, dass der Vorschuss der anderen Rapper lediglich einen minimalen Teil ihres Kleiderschrankes füllen würde.

Rein stilistisch hagelt es Trap-Beats zu Gefahr verheißenden, schwarzen Klaviertasten und versteckten Samples; erst gen Ende kräuseln sich leichte Gitarren und reduziertere Passagen, die eher in Richtung Soul wandern.

Ist das nun Entertainment oder die Unfähigkeit, konkrete Gesellschaftskritik zu artikulieren? Genug Diskussionspunkte sind da, allein dies macht „Fukk Genetikk“ zu einer bis dato gar nicht mal kurzweiligen Rap-Ekstase über Geld, Erfolg, Warlords und Bandenästhetik, bei der man sich am Ende selbstredend in Erinnerung rufen muss, dass Saarbrücken weder Compton noch Mexiko-Stadt ist.

Trotzdem sucht man das Augenzwinkern vergeblich. Genetikk liefern eben eine gute Show.

 

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