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Warpaint – Live im Astra, Berlin

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Warpaint, we surrender. Eines der besten Alben des Jahres, drei sich stetig gesteigert habende Werke insgesamt, wundersam der Zeit entrückte Nachtmusik, und dann auch noch ein absoluter Ohrenschmaus live: Es muss das Jahr von Jenny Lee Lindberg, Stella Mozgawa, Emily Kokal und Theresa Wayman sein.

Gerade live trennt sich häufig die Spreu vom Musikerweizen. Unzählig die Beispiele von Alben, die sich stark im Kopfkino, in den eigenen vier Wänden, anhören, abr denen eine entsprechende Umsetzung in die einmalig performative Vorführung nicht gelingen will.

Nicht so Warpaint. Der ausverkaufte Saal im Astra lag dem Quartett aus Los Angeles gestern Abend zu Füßen. Und zwar vollkommen zu Recht. Weniger, weil da wohltuend entmachoisierte Rockmusik Zelebrierung fand, die beweist, dass Melancholie, feminine Emotionalität und Entschleunigung sehr wohl spannende Rockmusik-Ingredienzen sein können.

Sondern vor allen anderen Dingen, weil Warpaint ein gekonntes Feuerwerk musikalischer Live-Harmonie darbieten. Jawohl, da war jemand sehr fleißig im Proberaum. Und mehr noch: Da können vier Individuen einfühlsam, flexibel und instinktiv aufeinander eingehen.

Wie Stella Mozgawa unmerklich die Taktzügel in den Händen hält und klassisch Einsätze der anderen einzählt, ohne dass es die hinteren Reihen bemerken. Wie Jenny Lee Lindbergs Arbeit am Bass die sensationelle Grundierung von Warpaints genuin nächtlichem Sound herzustellen weiß. Wie sich Emily Kokal und Theresa Wayman Gesangparts und Gitarrenaufgaben souverän zuspielen, wie Messi und Neymar die Doppelpässe.

Dies alles, und nicht zuletzt auch ihre tiefensympathischen Charaktere, machen Warpaint zu einem Livegenuss.

Heads Up“, wen wundert’s bei einem solch famosen Album, war der Mittelpunkt eines 90-minütigen Live-Sets, das auch Rückgriffe in frühere Zeiten nicht einzubinden vergaß.

Wie immer im männer-dominierten Rock-Business, wurden Warpaint anfänglich vor allem über ihre männlichen Referenzen wahrgenommen und verortet. Dass eine der Damen die Ex von John Frusciante ist, der auch das Debüt produzierte; oder dass Stella Mozgawa bei Kurt Viles letztem Album den Takt hielt, zum Beispiel.

Höchste Zeit angesichts solcher Performance den Spieß umzudrehen: Frusciante und Vile können froh sein, mit solchen Musikern zusammen gearbeitet haben zu dürfen. Warpaint, we surrender.

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