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Der Ringer und Isolation Berlin – Live im Uebel Und Gefährlich, Hamburg

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Unfairer Start für die Hamburger Band Der Ringer am Donnerstag in Hamburg: Die ersten Minuten spielen sie bei voller Saalbeleuchtung. Doom-Metaller trifft Fahrrad-Latzhose. Sound unerwartet voll und düster. Angenehm zu hörender Pop, harmonischer, dunkler Gesang.

Die Ansagen klingen nach Darth Vader, ein Übergang klingt nach Horrorfilm. Schön auch die extreme Konzentration des Schlagzeugers bei den ruhigen Sequenzen.

Dann kommt Tobias Bamborschke von Isolation Berlin, nimmt das Zentrum der Bühne ein. Übertrieben entspannt, vergeistigt, fast gelangweilt mit obligatorischer Bierflasche. Zwei Tracks von der gemeinsamen EP. Leise singt er den Text von Janik Schneider mit, fast schwankend am Mikro vorbei. Seine Passagen tragen eine gesunde Portion Aggression bei. Jetzt ist anders, es wird spannender und intensiver. Mitten im zweiten Stück legerer mir-doch-alles-egal Abgang.

Geht es jetzt wieder zurück? Mitnichten. Optisch spielt jeder komplett für sich alleine, tief in sich und seine musikalische Welt versunken. Akustisch haben jetzt alle zusammengefunden und werden eine kraftvolle Einheit. Der Sound wird zum dichten, treibenden Teppich. Pop ist vorbei, konsequente Steigerung bis zum Ende. Fast eine Stunde lang, das lokale Publikum will trotzdem Zugabe. Erwartungsgemäß nicht auf dem Programm.

Der Ringer baut ab, Tobias Bamborschke ist sofort da und präsent. Nichts mehr zu merken von legerer Langeweile. Umbau fertig, Isolation Berlin beginnen.

„Produkt“ setzt den inhaltlichen Ton für den Gig, trifft den Nagel auf den Kopf. Erst neuere Stücke, weniger harmoniebedürftig als auf der Platte, wütend frustrierter. Einzelne Worte sprechen ganze Geschichten. Viele im Hamburger Publikum beweisen Textkenntnisse.

Kann expliziter Frust und Desolation so schön und motivierend sein? Ganz offensichtlich. Die Menge an Joy Division T-Shirts ist konsequent. „Alles Grau“ beweist, dass alle textsicher sind. Alle, vermutlich auch noch vor der Tür und im Aufzug. Deutsche Texte haben ihre Daseinsberechtigung. Der Raum beginnt zu brodeln. Tanzen ist Pflicht, genau wie Mitsingen.

Die Band wird vorgestellt: „Tobias Bamborschke. Das bin ja ich.“. Und auch schon fertig, keine Fragen bleiben offen. Es folgen ältere Knaller, Frustration wird zu positiver Wut. Der Sound ist nicht mehr dicht, er wird zur Wand. Eine fragile, emotionsgeladene Wand. Ganz sicher aus dunklem, kaltem Beton. Tanzen wird zu Pogo, Mitsingen zu Schreien.

„Körper“ – welch einen massiven Druck können so wenige Töne erzeugen? Das macht nicht nur die Stimme, da sind alle auf den Punkt und treten dir akustisch ins Kreuz. Der zweite Teil des Stücks ist keine Wand mehr, das ist ein entgegenkommender Zug. Der Circle wird größer, fast der halbe Raum.

Post-Punk oder Punk? Kein Platz für Schubladen. Zwischen den Songs Dialog mit dem kommunikativen Publikum, so mancher hätte Wasser trinken sollen. Das trinkt man auch auf der Bühne nicht so gerne.

Klimax vor der Zugabe der namensgebende Song „Isolation Berlin“. Treibend langsam und plötzlich wieder fast romantisch depressive Stimmung. Der Versuch, gefühlsbetont zu tanzen ersetzt wilde Ekstase. Super Stimmung, doch hängen sich alle lautstark im Damenklo am Bahnhof Zoo auf. Passende Ironie vor dem Ende.

Zur zweiten Zugabe kommen Der Ringer wieder, die Bühne ist jetzt voll. Formvollendeter gemeinsamer Abschluss. „Ich bin ein Produkt!“. Stimmt. „Ich will, dass Ihr mich liebt!“. Gerne, solange dieses ehrliche, wütende Charisma bleibt und kein Produkt wird.

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