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Die globale Ohnmacht macht mich wütend – Austra im Interview

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Nach zwei New Wave-Pop-Alben, die in der Branche für viel Aufsehen sorgten, melden sich Austra dieser Tage endlich mit ihrem dritten Studiowerk „Future Politics“ zurück. Das diesmal von Sängerin Katie Stelmanis fast im Alleingang produzierte Album könnte in puncto Albumtitel nicht aktueller um die Ecke kommen. Doch bezieht sich der Titel „Future Politics“ auch auf das, was global derzeit für so viel Missmut sorgt? Oder steckt eine ganz andere Geschichte dahinter?

Fakt ist: Das neue Austra-Album weckt Erinnerungen an Zeiten, in denen Katie Stelmanis noch Mitglied der Riot-Grrrl-Band Galaxy war. Damals stand politische Sprengkraft stets ganz oben auf der Liste, wenn es bei Katie um Musik ging. Auch „Future Politics“ eckt an, rüttelt wach und animiert zum Nachdenken. Verändert hat sich lediglich die Form des künstlerischen Ausdrucks. Statt röhrendem Protest-Rock schält sich dieser Tage elektronisch arrangierter Atmo-Pop aus den Boxen. Wir trafen uns mit Katie Stelmanis in Berlin zum Interview und sprachen über globale Profitgier, sterile Glaswelten und die Rückkehr zu alter Radikalität.

MusikBlog: Katie, euer neues Album heißt „Future Politics“. Welche Gefühle kommen in dir hoch, wenn du an die Begriffe Zukunft und Politik denkst?

Katie Stelmanis: Hoffnung, Wut, Verzweiflung… Da passiert ziemlich viel in mir.

MusikBlog: Was macht dich besonders wütend?

Katie Stelmanis: Oh, detailliert würde das hier sicherlich den Rahmen sprengen. Wütend macht mich vor allem die globale Ohnmacht. Überall reden die Menschen von der unausweichlichen Apokalypse. Es klingt immer so, als wäre eine unsichtbare böse Macht dafür verantwortlich. Aber das ist natürlich Schwachsinn. Wenn wirklich alles zu Grunde gehen sollte, dann wäre das ein von Menschen verursachtes Resultat. Wenn Neugierde Profitgier ersetzen würde und man sich bewusst werden würde, dass das tägliche Arbeiten eher mit Kreativität und der Weiterentwicklung der Persönlichkeit zusammenhängen sollte, dann wäre die Welt ein wesentlich besserer Ort. Dem ist aber leider nicht so. Und das macht mich wütend.

MusikBlog: Und was macht dir Hoffnung?

Katie Stelmanis: Der Instinkt im Menschen. Jedes Kind, das auf die Welt kommt will leben. Das ist die Basis. Wir müssen uns wieder an das erinnern, was uns antreibt. Und zwar tief im Innern. Dann werden wir hoffentlich bald wieder merken, dass es um Essentielleres geht. Stets mehr haben zu wollen als andere ist nur das Ergebnis einer fehlgeleiteten Entwicklung. Man kommt nicht habgierig auf die Welt.

MusikBlog: Im Videoclip zum Song „Utopia“ sieht man dich in einem futuristisch anmutenden Appartement herum irren. Ein bisweilen ziemlich verstörendes Bild, wie ich finde.

Katie Stemanis: Dann haben wir alles richtig gemacht. (lacht)

MusikBlog: Die Atmosphäre ist sehr klinisch und kalt.

Katie Selmanis: Genauso fühlt es sich aber an, wenn man heutzutage durch Großstädte spaziert.

MusikBlog: In deiner Heimatstadt Toronto soll eine besonders kalte Atmosphäre herrschen.

Katie Selmanis: Genau diese Atmosphäre wollten wir auch transportieren. Deswegen haben wir das Video auch in Toronto gedreht. Natürlich gibt es auch schöne Ecken in Toronto. Aber, ob du es glaubst, oder nicht: Es gibt etliche Gebäude dort, die genau dieses sterile Lebensgefühl vermitteln. Es gibt keine Farben, nur gläserne Fronten und kaltes Weiß. Und in diesen Gebäuden kommunizieren die Menschen fast ausschließlich nur noch mit technischen Geräten. Das ist schon ziemlich beängstigend.

MusikBlog: Für die Produktion des Albums bist du extra nach Mexiko gereist. Wolltest du dem ganzen Glas und der Kälte entfliehen?

Katie Selmanis: Ja, ich wollte raus. Ich musste raus. In Mexiko konnte ich endlich wieder Kraft tanken. Nach unserem letzten Album litt ich zeitweise unter Depressionen. Ich war irgendwie verzweifelt und mit mir und meinem Umfeld unzufrieden. In Mexiko bin ich wieder aufgeblüht. Ich lernte dort unheimlich viele Menschen kennen: Produzenten, Musiker und Künstler. Ich fand zu meiner alten Radikalität zurück. All diese Begegnungen, das Miteinander und die Ergebnisse unzähliger Sessions sind mit in das neue Album eingeflossen. Das war eine bemerkenswerte und unheimlich wichtige Zeit für mich.

MusikBlog: Musikalisch pendelt „Future Politics“ zwischen Sofa und Dancefloor hin und her. Neben einigen Hymnen gibt es auch Tracks, die eher im Kopfhörer-Modus ihre komplette Wirkung entfalten. Steckt da eine bewusste Herangehensweise dahinter?

Katie Selmanis: So richtig planen lässt es sich nicht. Aber mir war schon wichtig, dass das Album die Atmosphäre einer Reise transportiert. Nicht jeder ist für alles empfänglich. Manch einer braucht Fülle um sich herum, um nachzudenken. Andere machen sich eher im stillen Kämmerlein ihre Gedanken. Ich wollte eine Bandbreite erreichen, die für jeden etwas bereithält. Und ich glaube, das ist mir auch ganz gut gelungen.

MusikBlog: Wollen wir hoffen, dass die Botschaft des Albums schnell die Runde macht.

Katie Selmanis: Das wäre natürlich schön. Aber machen wir uns nichts vor: Um grundlegende Veränderungen herbeizuführen, braucht es noch viel mehr.

MusikBlog: Mehr Alben dieser Art?

Katie Selmanis: Unter anderem.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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