Vielleicht mache ich auch ein Punkrock-Album – Maggie Rogers im Interview

Der Karrierestart von Maggie Rogers kommt schon fast einem Märchen gleich. Im vergangenen Frühjahr kennt sie noch kein Mensch, mal abgesehen von der Familie, Freunden und ihren Studium-Kollegen an der New York University. Dort studiert Maggie nämlich Musik. Und das mit großer Begeisterung. Als die Universität zum internen Musikwettbewerb lädt, ist Maggie natürlich sofort Feuer und Flamme. Ausgewählte Songs sollen am Ende einem Überraschungsgast vorgespielt werden. Maggie hat Glück. Auch sie darf dem Gast einen Song vorspielen. Der Song heißt “Alaska”. Der Gast: Pharrell Williams. Der Rest ist YouTube-Geschichte.

Ein halbes Jahr später steht Maggies Leben Kopf. Das Studium ist längst Geschichte. Maggie steckt jetzt mittendrin im Business. Und alle wollen wissen, wie es mit der zarten Blondine weitergeht. Dieser Tage kommt Maggie Rogers mit ersten Antworten um die Ecke. Eine EP, die erste Tour: 2017 soll ihr Jahr werden. Wir trafen Maggie Rogers zum Interview und plauderten über Berlin, Pharrell Williams und grenzenlose Offenheit.

MusikBlog: Maggie, du bist nicht das erste Mal in Berlin. Ich habe sogar gehört, dass du eine ganz besondere Beziehung zur Stadt hast. Willst du uns kurz aufklären?

Maggie Rogers: Ja, Berlin ist schon ein besonderes Pflaster für mich. Eigentlich habe ich ja mit klassischem Banjo-Singer/Songwriter-Folk angefangen. Ich war das klassische Mädchen mit der Gitarre. Als ich dann das erste Mal nach Berlin kam, um Freunde von mir zu besuchen, hatte ich gleich mehrere spirituelle Eingebungen an einem einzigen Wochenende. Meine Freunde zogen damals mit mir durch die Clubs der Stadt. Ich lernte plötzlich ein Musikempfinden kennen, das mir vorher völlig fremd war.

In Berlin war alles so offen. Die Menschen, die Clubs, die Musik: Es gab keine Regeln. Ich verliebte mich sofort in dieses Chaos aus Leidenschaft, Begeisterung und Energie. Überall tanzten die Leute. In Berlin wurde ich erstmals in meinem Leben mit elektronischer Musik konfrontiert, die mich sofort packte und auch nicht mehr losließ. Daraufhin habe ich beschlossen, meine eigene Musik zu erweitern. Ich denke, dass ich ohne die Zeit in Berlin heute wahrscheinlich nicht hier sitzen würde.

MusikBlog: Mit dem Song “Alaska” hast du bereits ein erstes Ausrufezeichen setzen können. Diese Woche veröffentlichst du deine erste EP. Werden die anderen Songs in eine ähnliche Richtung gehen?

Maggie Rogers: Jeder Song erzählt seine eigene Geschichte. Aber es gibt natürlich einen roten Faden. Ich habe versucht, die Wärme aus den Bereichen Folk und Singer/Songwriter mit dem pulsierenden Dance-Flow zu vereinen, den ich aus Berlin mitgenommen habe.

MusikBlog: Funktionierte das auf Anhieb?

Maggie Rogers: Na ja, es war schon eine Umstellung. Man entwickelt ja mit der Zeit gewisse Rituale und Arbeitsabläufe. Das wurde alles ein bisschen durcheinander gewirbelt. Aber diese Euphorie, die ich verspürte, etwas Neues anzufangen, hat mir sehr dabei geholfen, schnell in die richtige Spur zu finden. Ich glaube, dass diese neu gewonnen Offenheit der Schlüssel war. Als ich dann drin war, lief alles wie automatisch – als hätte ich nie anders gearbeitet. Das war schon ein tolles Gefühl.

MusikBlog: Deine Anhängerschaft wächst stetig, auch außerhalb der Staaten. Und du hast bereits einen großen Fan, der im Pop-Olymp zuhause ist. Sein Name: Pharrell Williams. Fühlst du dich durch diese Entwicklung zusätzlich motiviert? Oder entsteht bereits Druck?

Maggie Rogers: Im Moment läuft alles super. Ich meine, vor einem halben Jahr saß ich noch in der Uni. Mich kannte damals kein Mensch. Und heute kennt mich Pharrell Williams. Demnächst erscheint meine erste EP. Und ich sitze hier in Berlin und gebe Interviews. Das ist schon ziemlich verrückt. Druck spüre ich aber überhaupt nicht. Ich freue mich auf jeden neuen Tag. Denn es passiert momentan immer etwas Neues. Diese Entwicklung treibt mich nur noch mehr an. Ich wollte schon immer Musikerin werden. Jetzt ist es soweit. Ich bin überglücklich.

MusikBlog: Als du Pharrell Williams deinen Song „Alaska“ vorgespielt hast, war seine erste Reaktion ein ungläubiges “Wow!”. Was ging dir in diesem Moment durch den Kopf?

Maggie Rogers: Gar nichts. (lacht)

MusikBlog: Gar nichts?

Maggie Rogers: Nun, ich war irgendwie wie weggetreten. Zu Beginn war ich noch sehr fokussiert auf das, was neben mir passieren könnte. Irgendwann merkte ich, dass Pharrell im Takt des Songs mitwippte. Danach war ich in meinem eigenen Film gefangen. Ich habe die Augen geschlossen und mich in meine Musikwelt verkrochen. Ich fühlte mich wie in Trance. Das “Wow!” habe ich zunächst gar nicht so richtig registriert. Erst als Pharrell den Wu-Tang-Clan ins Spiel brachte, realisierte ich, was gerade passierte. Ich war ein bisschen schockiert. Danach lauschte ich nur noch seinen lieben Worten. (lacht)

MusikBlog: Was passierte im Anschluss? Hat er dich nochmal zur Seite genommen, um dir Tipps für die Zukunft zu geben?

Maggie Rogers: Nein. Wir hatten danach keinen Kontakt mehr. Aber das war auch völlig ok. Das, was er während der Listening-Session gesagt hat, war mehr, als ich je zu träumen wagte.

MusikBlog: Nun hast du deine erste EP am Start. Warum hast du dich für dieses Format entschieden und nicht für ein komplettes Album?

Maggie Rogers: Ich wollte für die spannenden Monate, die hinter mir liegen, ein passendes Paket schnüren. Die Songs, die jetzt auf der EP sind decken einfach alles ab. Jeder neue Song hätte den Moment des großen Ganzen nur verfälscht.

MusikBlog: Was kommt nach der EP? Schon Pläne?

Maggie Rogers: Im Januar werde ich erstmals richtig auf Tour gehen. Da freue ich mich schon riesig drauf. Ich bin gespannt, wie es sich anfühlt, mit den neuen Songs auf der Bühne zu stehen. Das wird bestimmt spannend. Danach werde ich weiter Songs schreiben und schauen, wohin mich die Reise führt. Ich bin total befreit und werde alles zulassen. Hauptsache, ich fühle ich mich dabei wohl. Vielleicht werden die neuen Sachen ähnlich klingen. Vielleicht mache ich aber auch ein Punkrock-Album. Wir werden sehen. Alles ist möglich. (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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