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Boss Hog (Credit Angel Zayas)

Boss Hog – Brood X

Auf die Vorspeise folgt der Hauptgang. Die Garage-Heroen Boss Hog melden sich mit „Brood X“ endgültig aus der Elternzeit zurück. Dass der Haushalt Martinez/Spencer gemeinsam mit Schlagzeugerin Hollis Queens, Keyboarder Mickey Finn und Bassist Jens Jurgensen seit dem 2000er „Whiteout“ Album kein bisschen an Druck verloren hat, war bereits mit der im vergangenen Herbst erschienenen „Brood Star“ EP klar, der Longplayer schließt sich hier nahtlos an.

Sexy wie eh und je kriecht Opener „Billy“ mit schmutzigem Blues nicht nur ins Ohr, sondern auch in die Hüfte. Nachfolger „Black Eyes“ mit seiner funkigen Gitarre und schleifenden Synthis folgt polternd auf dem Fuß. Womit das Boss Hog Soundmodell früh skizziert ist: eine Mutation aus Garage, Post-Punk, Lo-Fi Rock´n Roll, die im Albumverlauf Verzierungen aus psychedelischen Flöten, Tape-Deck Gebrumme und sonstigen Klangeffekten erhält.

Eine Symbiose aus Christina Martinez‘ Lyrics und den „Blues-is-Number-One“-Vorstellungen ihres Ehemanns liefert sich gewohnt leidenschaftliche Vokal/Gitarren Duelle. Soweit alles beim Alten könnte man meinen.

Ist es aber nicht. Über der Platte liegt ein Schatten, sie ist bedrückend, dunkel, ein bisschen wie der Soundtrack zur Zeit. „What´s wrong Baby“ fragt Jon Spencer in „Rodeo Chica“, einem der stärksten Stücke des Albums „Everything“ antwortet seine Frau. „Brood X“ spiegelt durchgängig die Haltung der Band zur gegenwärtigen Entwicklung der US-Gesellschaft, die auch ihr persönliches Umfeld zunehmend beeinflusst, wider.

Manchmal scheint es, als würde Christinas Stimme bluten, wenn sie sich nörgelnd ihre Schneise durch die stotternden Akkorde ihres Gatten wühlt. Sie klingt manchmal lasziv, in „Shh Shh Shh“ beinahe ängstlich. Lässt das geschmeidige „Signal“ mit einen Noise-Ausbruch über der bedrohlich anschwellenden Orgel explodieren und beschleunigt das vor sich hin wippende „Formula X“ kraftvoll ausgangs der Kurve.

Wenn am Schluss das introvertierte „Sunday Routine“ und das bedrohlich verlangsamte „17“ das Album schließen, sind sich Boss Hog treu geblieben. Sie müssen ihre Nische auch gar nicht verlassen. Wir kommen gern dort vorbei.

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