Methyl Ethel – Everything Is Forgotten – Von Hüftschwung Und Haarschnitt

Das hintergründige Flackern auf der Homepage von Methyl Ethel ist für die Musik der Australier programmatisch. Ihre Songs pulsieren unaufdringlich aus der Position der Untermalung ins retrofuturistische Abendprogramm.

Das Trio, das sich auf Promobildern als ausgebleichte Statuen inszeniert, kann dabei sowohl elektronischen Synthpop („Drink Wine“), wie ihn derzeit auch Temples spielen, als auch klassischen Psychpop im Geiste der Beach Boys („No. 28“).

Nur über was Methyl Ethel so singen, wirkt deutlich belangloser als bei Brian Wilson und seinen Surfer-Freunden. Bandchef Jake Webb bleibt am ehesten im Gedächtnis, wenn er sich etwa in „Ubu“ über einen Haarschnitt echauffiert: „Why do you have to go and cut your hair?“, beschwert er sich hier in Dauerschleife.

Ein Zeichen dafür, dass die unschuldige Manier des Debütalbums „Oh Inhuman Spectacle“ aus 2015 verstärkt und perfektioniert wurde. So gut, dass versteckter Sarkasmus („A very beautiful car accident“) beinahe als sprichwörtlich verbaler Unfall überhört werden kann. Dominant ist ohnehin der ungewollte, ungezwungene Hüftschwung, Text egal.

Wegen schillernder Songs wie „Femme Maison/ One Man House“ oder „L’Heure des Soircières“ wird „Everything Is Forgotten“ von einer Leichtigkeit durchwirkt, zu der man unmöglich dick angezogen sein kann. Hier spielt viel eher Musik für die karibische Freiluftgalerie mit Prosecco. Und je länger der Abend, desto amouröser die Songs.

„Art Of Contrition“ äußert sich als Psychpop-Ballade mit orientalischer Note. Und das abschließende, etwas unglücklich aber nicht gänzlich falsch betitelte „Schlager“ lädt endgültig zum Engtanz im Mondschein.

Das ist in der Summe alles nicht so aufreizend und grell wie der jüngste, äußerst gelungene Wurf der Briten Temples, aber gerade deshalb am Ende vielleicht das Album mit dem längeren Atem.

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