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Milky Chance (Credit Jeff Hahn)

Milky Chance – Blossom – Hinein in den Kokon

Milky Chance alias Clemens Rehbein und Philipp Dausch haben neuen Anlass zur Freude. Schon längst sind die Kasseler Zeiten vorbei, als die Abiturienten noch kleinere Konzerte vor ihren Freunden spielten. Über den großen Teich hat es das Electronica-Duo spätestens seit seinem selbstproduzierten Debütalbum „Sadnecessary“ im Herbst 2013 geschafft. Dann machten die Jungs erst einmal eine 350-tägige Tour mit Zwischenstopps in den USA, Kanada, Europa, Südafrika und Australien.

Ihre Hit-Single „Stolen Dance“ verkaufte sich inzwischen millionenfach. Erfolgreiche Folgesingles ließen mit „Down By The River“ und „Flashed Junk Mind“ nicht lange auf sich warten. Damals wie heute gilt: Philipp und sein Wuschelkopf-Kumpel Clemens kredenzen uns Mitzwanziger-Pop, der so gar nicht Deutsch klingt. Kommt der lässige Folk-Pop auch in 2017 an?

Die beiden Freunde bieten mit ihrem Zweitling „Blossom“ gewohnten Kratzgesang mit Folk-Electronica-Einflüssen – mal betont lässig wie in „Cocoon“, mal ganz melancholisch wie in „Piano Song“. Zuhause ist für Milky Chance ein emotionales Grundbedürfnis . Trotz – oder gerade wegen – ihrer Rastlosigkeit und etlicher Stunden in Tourbussen.

Wurzeln müssen geschlagen werden. Dieses Credo kann man auf der neuen Platte von Milky Chance zwischen den Zeilen lesen. In den Jahren zwischen „Sadnecessary“ und „Blossom“ ist Clemens Vater geworden. Der Balanceakt zwischen Musiker und Vater offenbart sich im Titeltrack der Platte. Hier geht es um den veränderten Blick auf das Leben.

Das ganze Album erzählt von der Einsicht, neuen Dingen Raum zu geben. Diese Reflexionen haben die erste Single-Auskopplung „Cocoon“ maßgeblich beeinflusst. Der Song kommt entspannt, rhythmisch und gelassen daher. Dabei handelt er von schwierigen Situationen im Leben, die es auszuhalten gilt. In denen man das greifbare Gefühl erlebt, an einen Ort absoluter Gelassenheit zurückkehren zu wollen. Zeit für Zerstreuung ohne Ablenkung. Zeit für Selbstreflexion mit Gangschaltung in den unteren Zahlenbereich.

Auf dem Rest der Platte erleben wir Milky Chance energisch und gefestigt. Die lange Abenteuerreise scheint vorbei, die Wurzeln tief geschlagen. Die Töne erlangen eine erfrischende Tiefe, ein krachendes Ja zum Leben.

„Blossom“ ist die sinnstiftende Suche, ein Prozess, ein neues Kapitel im Leben von Milky Chance mit der ganzen Bandbreite an Emotionen. Groovige Songs mit der gewissen Süße.

Die rauschenden Feste weichen einer nordhessischen Sadness, denn „Blossom“ kommt im Vergleich zum Vorgängermodell wesentlich ernsthafter und entschleunigt daher. Die Grundstimmung der Songs ist weniger aufgeregt, die Arrangements sind immer noch melodiös blumig, aber reduzierter. Nächtliche Lagerfeuer am Strand sind erloschen, die meditative Leichtigkeit verschwimmt mehr und mehr.

Dennoch bleiben Milky Chance ihrem Sound treu: eine seriöse Ernsthaftigkeit mit Einflüssen von Electronica, Folk und den 80ern.

Neben der normalen Platte mit 14 Albumtracks und 2 akustischen Versionen, bietet die Erweiterung von „Blossom“ ein 2 CD Digipack mit 14 Tracks und 6 akustischen Versionen. Kleiner Hinweis am Rande: Milky Chance halten gerne dieses Innehalten im Kokon fest, indem sie nahezu jeden Track auf der Platte erst nach 5 bis 10 Sekunden gesanglich unterstützen.

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