Zugegeben: Nach Arcade Fire, The New Pornographers, Timber TimbreTegan And Sara und Austra fiel mir zu Kanadas Musikszene bisher eher wenig ein. Umso schöner, auf eine weitere Band aufmerksam gemacht zu werden: das Indie-Rock-Trio Close Talker aus Saskatoon, Saskatchewan.

Von Schulfreunden 2012 gegründet, schmolz die Band 2015 von ihren ursprünglich vier Mitgliedern auf drei zusammen. Fortan machten Frontsänger Will Quiring, Gitarrist und Bassist Matthew Kopperud und Drummer Christopher Morien als Trio harmonisch-melodiösen Indie-Rock und schickten bereits drei Alben auf den Weg: „Flux“ – übrigens beim Western Canadian Music Award (WCMA) zum „Independent Album of The Year“ gekürt –, „Timbers“ und das neueste „Lens“.

„Lens“ ist während des langen und trostlosen Winters der kanadischen Prärie geschrieben und aufgenommen worden. Man hört es irgendwie: Der Sound des Albums ist homogen, aber doch fern von langweilig; die Songs sind zugänglich, aber nicht flach; die Texte sind ehrlich und offenherzig, jedoch lassen sie genügend Spielraum für Interpretationen offen.

Insgesamt gibt es auf „Lens“ also viel zu entdecken – und das bei jedem erneuten Hören. So liebevoll wie Close Talker an ihrem Sound tüfteln, so liebevoll zeigt ein Foto auf ihrer Facebook-Seite sie auch beim Packen ihrer „Lens“-Preorder-Vinyl-Packages. Das sind noch echte Menschen, hat man das Gefühl.

Und das Zwischenmenschliche ist auch das große Thema ihres dritten Albums: Will Quiring singt von „Brothers“, von Fernbeziehungen („Afterthought“), von „Seasonal Friends“ – allesamt Geschichten, die unsere Beziehungen auf das hin beleuchten, was am Ende bleibt, und somit ihren ernüchternden Kern entlarven.

Ohne es wirklich geplant zu haben, leiten Close Talker nach ihren beiden Vorgängeralben mit „Lens“ ein neues Kapitel ihrer Bandgeschichte ein: Sie sind erwachsener geworden – und irgendwie auch noch authentischer, als sie es ohnehin schon waren.

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