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In diesen Zeiten ist freie Kunst wichtiger denn je – Bonaparte im Interview

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Ausgefallene Bühnenshows, skurrile Video-Clips und eine musikalische Mixtur aus Low Fidelity-Punk und Anarcho-Pop: Der Schweizer Songwriter und Produzent Tobias Jundt alias Bonaparte gehört sicherlich zu den schrägsten Vögeln im Musik-Business. Auf seinem neuesten Studiowerk „The Return Of Stravinsky Wellington“ schlägt der Ausnahmekünstler nun erstmals eingängigere Töne an.

Im Zuge der Promo für das neue Album trafen wir uns am Tag nach dem verheerenden Terroranschlag in Manchester mit Tobias Jundt zum Interview und sprachen über künstlerische Antworten, familiäre Zuarbeit und träge Menschen in hohen Positionen.

MusikBlog: Tobias, vor nicht einmal 24 Stunden sind in Manchester bei einem Terroranschlag während eines Konzerts von Ariane Grande mehr als 20 Menschen ums Leben gekommen. Was geht in dir, einem Vater von zwei Kindern, morgens vor, wenn du mit solchen Nachrichten am Frühstückstisch konfrontiert wirst?

Tobias Jundt: Ich war natürlich schockiert. Jedes Menschenleben ist einzigartig. Aber wenn man hört, dass vor allem Kinder und Familien betroffen sind, dann geht das schon nochmal eine Stufe tiefer. Ich habe mir heute Morgen auch überlegt, ob der heutige Tag ein Tag ist, an dem man über Musik reden sollte. Und ich bin zu der Ansicht gekommen, dass man heute unbedingt über Musik reden sollte.

Nicht weil man das, was passiert ist verdrängen sollte, sondern um ein Ausrufezeichen gegen Angst und Gewalt zu setzen. Wir dürfen uns von den furchtbaren Dingen, die gerade vor unserer Haustür passieren, nicht lähmen lassen. Wir, die wir die Freiheit und das Leben lieben, müssen mit noch mehr Liebe und noch mehr Musik antworten. Sonst spielen wir diesen Mördern doch nur in die Karten.

MusikBlog: Ergo: Weitermachen wie bisher und nach Möglichkeit noch eine künstlerische Schippe drauflegen?

Tobias Jundt: Das sollte zumindest die Antwort der Kunstwelt sein. Wir können uns jetzt nicht verkriechen und uns beugen. Das wäre das falsche Zeichen. In diesen Zeiten ist freie Kunst wichtiger denn je. Je mehr Ketten wir sprengen und je mehr Grenzen wir überschreiten, desto besser.

MusikBlog: Du standest in puncto Ketten sprengen und Grenzen überschreiten in den vergangenen Jahren stets in der ersten Reihe. Hörte man von Bonaparte, dachte man sogleich an Pferdemasken, pinkfarbene Perücken und blutige Kopfverbände. Auf dem Cover deines neuen Albums „The Return Of Stravinsky Wellington“ posierst du nun als halbnackter Normalo. Was ist passiert?

Tobias Jundt: Oh, in den letzten Jahren ist viel passiert. Man sollte sich vom Artwork nicht täuschen lassen. Letztlich geht es auch diesmal um das Lösen von Ketten. Im Grunde ist doch so, dass jedes Album eine gewisse Lebensphase reflektiert. Das macht in der Regel innerhalb des Zeitraums, in dem etwas kreiert wurde Sinn.

Manchmal vervollständigt sich ein Album-Puzzle aber auch erst nach Jahrzehnten. Das ist ganz unterschiedlich. Im Fall meines neuen Albums ist es einfach so, dass die Platte für mich im Hier und Jetzt einfach stimmt. So möchte ich momentan mit der Welt kommunizieren. Ich befinde mich gerade in einer Phase meines Lebens, in der ich den Menschen näher sein möchte.

Die Alben zuvor waren allesamt Produkte der Nacht. Ich war nur für mich verantwortlich und hüpfte von einem Ekstase-Gipfel zum nächsten. Mittlerweile bin ich verheiratet, habe zwei Kinder und zwei Katzen. Da verändert sich zwangsläufig der Blickwinkel. Man ist plötzlich mehr im gesellschaftlichen Alltag drin. Das färbt sich natürlich auch auf die Arbeit ab.

MusikBlog: Die Familie war bei dir schon immer nah dran. Mit dem neuen Album gehst du noch einen Schritt weiter. „Fuck Your Accent“ hast du zusammen mit deiner Frau geschrieben. „High Five In Your Face“ wird von deiner Tochter gesungen. Und „Hey (Is For Horses)“ wird aus der Sicht deiner Katzen erzählt. Wie wichtig war diese familiäre Zuarbeit für das Gesamtbild des Albums?

Tobias Jundt: Bonaparte war schon immer ein Familienunternehmen, wie du schon sagst. Das ergibt sich immer alles von selbst und hat dann natürlich auch Einfluss auf das Endergebnis, ganz klar. Das ist aber kein bewusstes Konzept. Es passiert einfach. Ich beschreibe mich ja immer gern als reaktionären Songwriter.

Ich brauche einfach Menschen um mich herum, mit denen ich meine Leidenschaften teilen kann. Da steht die Familie natürlich ganz vorne mit dabei. Aber auch Menschen, die ich im Laufe meines Lebens erst kennengelernt habe, werden immer wieder mit eingebunden. Das ist ja die Philosophie von Bonaparte. Es geht um das Gemeinsame.

Und dabei beschränke ich mich nicht auf musikalische Verbindungen. Wenn einer reinpasst, aber kein Instrument spielen kann, dann soll er einfach nur tanzen. Und wenn er nicht tanzen kann, dann kann er auch gerne auf der Bühne Würstchen grillen. Was am Ende passiert, spielt eigentlich nur eine sekundäre Rolle.

MusikBlog: War dieses kreative Potpouri ohne Grenzen irgendwann too much für die hohen Tiere von Warner?

Tobias Jundt: Das musst du die Leute von Warner fragen. (lacht) Es war einfach so, dass ich zwar ein tolles Team um mich herum hatte, aber die wirklich wichtigen Entscheidungsträger waren einfach nicht präsent. Ich hatte viele Visionen für ein funktionierendes Konstrukt. Aber der Part, der mich dabei unterstützen sollte, war einfach zu träge.

Ich bin jetzt wirklich nicht der Typ, für den es eine Rolle spielt, ob er mit einem Major- oder einem Indie-Label zusammenarbeitet. Mir ist nur wichtig, dass die Zusammenarbeit funktioniert. Und das hat sie in diesem Fall irgendwann nicht mehr. Das Absurde ist allerdings, dass meine – bis zum heutigen Tage wahrscheinlich wichtigste – Arbeit genau in dieser Zeit entstanden ist. Verrückt, oder?

MusikBlog: Du meinst die DVD „0110111 – Quantum Physics & A Horseshoe“?

Tobias Jundt: Exakt. Meine Meisterarbeit! 50 Konzerte zu einem Happening zusammengeschnitten. Der totale Mindfuck! (lacht)

MusikBlog: Die freut sich doch bestimmt irgendwann über ein visuelles „Schwesterchen“, oder?

Tobias Jundt: Möglich ist alles.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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