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Julien Baker – Live im Karlstorbahnhof, Heidelberg

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Für regelmäßige Konzertgänger gibt es durchaus die Tage, an denen man vielleicht nicht direkt bereut, einem Konzert beizuwohnen, aber zumindest zwischendurch das heimische Sofa als reizvollere Option vor Augen hat.

Und dann gibt es die Konzerte, bei denen keine noch so überragende Netflix-Serie, keine Neo Magazin Royale Folge und auch kein Eimer Eiscreme eine bessere Alternative darstellen würden. Weil man weiß, hier passiert gerade Magisches.

Der Auftritt von Julien Baker gehört in diese zweite Kategorie.

Dabei beginnt der Abend im gut gefüllten Heidelberger Karlstorbahnhof eher wenig euphorisch. Sängerin Lauren Denitzo gibt die Songs ihrer US-amerikanischen Punkband Worriers auf der Akustischen zum Besten, die in diesen abgespeckten Versionen einfach keine Funken schlagen wollen.

Die gefühlte Zwillingsschwester von Sarah Bettens wirkt nervös, von der unsäglichen Hitze gegängelt und vom Publikum zerredet. Auch wenn alle Anwesenden trotzdem anständig applaudieren, könnte einem die New Yorkerin beinahe leid tun – erst recht als kurze Zeit später Julien Baker das Zepter in die Hand nimmt.

Zwischen den beiden Frauen liegen Welten. Baker strahlt von der ersten Sekunde an, nimmt mit bezaubernden Gitarrensounds und ihrer Ausnahmestimme sofort den Raum ein. Ihr ultra-dynamisches Fingerpicking und der ebenso gefühlvoll austarierte Gesang erinnern live noch mehr an den großen Jeff Buckley als ohnehin schon.

In Sachen Handwerk und Soundbild stimmt bei Baker alles, und wenn doch etwas daneben geht, sind es ausnahmslos technische Probleme mit einem ihrer Effektgeräte, die sie charmant weg kommentiert.

In den Stimmpausen nuschelt sie mal verlegen, mal gewitzt in das einzige Mikrofon auf der Bühne: „Es ist immer so eine Sache mit den Pausen zwischen den Songs. Lieber nichts sagen und peinlich wirken, oder etwas sagen und… peinlich wirken.“

Peinlich ist an ihrem Auftritt rein gar nichts. Pure Ironie. Sie spielt ihr Debütlalbum „Sprained Ankle“ komplett und verspricht mit „Everybody Does“ „das schnellste unter vielen langsamen Stücken, das trotzdem noch ziemlich langsam ist“.

Tatsächlich schlagen die meisten ihrer Songs in eine ähnliche Stimmungskerbe. Das ist ihr selbstbewusster Umgang mit ihrer Unsicherheit. Dass trotzdem kein einziger Song Längen hat, wiederum pure Magie.

Als wäre das alles noch nicht Beweis genug für ihr Talent, covert sie zu Ehren der kürzlich verstorbenen Grunge-Ikone Chris Cornell dessen Audioslave-Song „Doesn’t Remind Me“ auf eigenwillige und zugleich würdevolle Weise.

Wegen der stark abgewandelten Melodie begreifen nicht alle im Saal diese Ehrerweisung als solche, auch weil Baker den Song kommentarlos stehen lässt. Für die, die realisieren, was da passiert, ist es der markerschütternde Höhepunkt einer pausenlos großartigen Darbietung. Respekt vor so viel Feingefühl!

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