Kasabian – For Crying Out Loud

Kasabian – das ist die Band aus Leiceister (jener Stadt, die vergangenes Jahr überraschend die Premier League gewann), die sich in der Tradition der Madchester-Bewegung verstand. Die, die den Spagat zwischen kommerziellem Erfolg und Kritikerempfehlung über fast zwei Dekaden mühelos meisterte. Die, die für die Größten der Großen (The Rolling Stones, Muse, U2) eröffnen durfte und selbst davon träumen konnte, irgendwann in diese väterliche Superstar-Rolle zu schlüpfen.

Was aber hat jetzt Songschreiber Sergio Pizzorno und Frontmann Tom Meighan geritten, um mit „For Crying Out Loud“ allen so vor den Kopf zu stoßen? Die beiden Strippenzieher hinter Kasabian hatten im Vorfeld der Platte die denkbar gegensätzlichsten Voraussetzungen. Aber muss deshalb gleich die Tanzwut mit Vorsatz obsiegen?

Sergio Pizzorno hat geheiratet, Tom Meighan trennte sich. Um seinen Sänger aufzumuntern, schrieb Pizzorno in nur sechs Wochen ein Album voll mit guter Laune-Songs und stumpfen Beats. Das Fatale daran ist, er wollte eigentlich ein Gitarrenalbum machen und landete am Ende bei Disko mit Käse.

Das quirlige „Comeback Kid“ haben sich beispielsweise die Macher von FIFA 2017 direkt gesichert, und damit bereits zum dritten Mal auf einen Song von Kasabian zurückgreifen. Der passt da auch ganz gut rein, wird deshalb aber nicht besser. Die Tanz-Kirmes mag vieles sein, aber nicht Kasabian.

Dance-Funk-Songs wie „Are You Looking For Action“ wirken von dieser Band mindestens so seltsam, wie das hypothetische Rhetorikseminar von Lukas Podolski. Ein Saxofon-Nachschlag am Ende des Stücks lässt die Irritationen noch weiter aus dem Lot gleiten.

Um Kasabian mit ihrer sechsten Platte auf dem Brit-Pop-Opfertisch abzuschreiben, ist es sicherlich noch zu früh. Und da wären ja auch welche, die das wieder hinbiegen könnten. Nur – Liam und Noel – die Zeit wird langsam wirklich knapp!

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