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Noga Erez (Credit Tonje Thilesen)

Noga Erez – Off The Radar

Klarer Fall von denkste. Unwiderstehlich in und en vogue gebiert sich das Polit-Pop-Debütalbum der israelischen Endzwanzigerin Noga Erez. Dabei erliegt sie dem alten, naiven Tanz-die-Revolution-Versprechen des Pop.

Da kann sie noch so sehr mit M.I.A. verglichen werden: Die Coolness der Beats und Sounds auf ihrem Debüt „Off The Radar“ wummern derart durch, entfachen eine Allgegenwart der Disco-, Dancefloor- und Party-Hedonie, dass leider nicht mehr viel übrig bleibt von ihren kritischen Lyrics.

Gerade vor der eigenen Haustüre weiß Erez meinungsmäßig zu kehren und nimmt die ein oder andere patriotismusproblematische Haltung gegenüber ihrer so schwierigen Heimat ein. Das kann sie in Israel schnell in die Bredouille bringen, also Chapeau für den Mut. Allerdings kommt davon zu wenig an nach Albumdurchlauf.

Vor allem solche Wucht-Nummern wie „Dance While You Shoot“ stehen exemplarisch für Erez’ Problem. Der so angesagte Queer-Rap-Gestus in Sound und Sprache, die fetten, fetten Grime-Beats, aber letztlich auch Erez’ immer wieder ins Erotische abdriftende Stimme machen diesen kritischen Song zu einer Hymne der Coolness und furchtbar guten kollektiven Zeit.

Dazu wird Voguing performt werden. Und genau darin liegt der Hund begraben. „Off The Radar“ ist derart cool und beat-technisch hochgradig sexuell aufgeladen, dass man davon tendenziell eher horny als demonstrationswillig wird.

Entscheide dich, Noga Erez. Der Pop, vor allem der beat-lastige, hat eine (aber wohlgemerkt nicht die einzige) wichtige Funktion. Er ist Übersetzung sexueller Energien, die wir alle haben und die im Tanz kollektiv zelebriert werden dürfen.

Genau hier hakt der Schnellschuss-Vergleich mit M.I.A. Diese hat eine ihrem kritischen Inhalt zupasskommende und omnipresente kritisch-pessimistische Stimmung, auch wenn ihre World-Beats genauso fett poltern.

Zu Noga Erez’ Mucke hingegen wird nur getwerkt werden, da kann sie sich noch so sehr verbal ein Che Guevara Shirt anziehen.

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