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Nadine Shah – Holiday Destination

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Es gab einen Fernsehbericht, in dem sich Urlauber ganz schamlos vor laufenden Kameras darüber beschwerten, dass gestrandete Flüchtlinge in Griechenland ihnen den schönen Strandtag kaputt gemacht hätten. Dieses Verhalten trieb die Singersongwriterin Nadine Shah förmlich auf die Palme. Nicht nur deshalb findet man auf ihrem neuen Album engagierten, herrlich ungestümen Indierock, der anklagt.

Natürlich weiß auch die Engländerin, dass nicht alles scheiße ist. Dass es Menschen auf der Welt gibt, die die Bedeutung von Solidarität nicht im Wörterbuch recherchieren müssen. Und so hallt es am Ende des Openers auch „Refugees are welcome here“.

Doch das hält Shah nicht davon ab, den Finger selbst in die Wunden zu legen, um das Gewissen in Zeiten globaler Krisen anzurufen: „How you gonna sleep tonight?“, heißt es etwa im Titeltrack.

Musikalisch legt Shah dichten bis druckvollen Indierock der alten Schule vor. Vor allem das kantige „Out The Way“ und die Schrammelgitarren in der Abrechnung mit „2016“ dürften Postpunk-Fans gefallen. Dazwischen platziert die Krisenanalytikerin kämpferische Saxophon-Einsätze und eine Prise Soul mit Unmut in der Magengrube.

In „Yes Men“ klingt sie tatsächlich ein wenig nach Patti Smith, „Evil“ entpuppt sich als brachialer Noise, in „Mother Fighter“ lässt Shah ihren Weltekel am Schellenkranz ab, während „Ordinary“ über das Piano tätschelt und „Jolly Sailor“ mit Drum-Machine von besseren Tagen zu träumen wagt.

Insgesamt gibt sich Shah kämpferischer als auf ihren Vorgängern, ohne dabei auf Floskeln zurückzugreifen. Ganz beiläufig erreichen ihre Stücke so eine Dramatik, wie man sie eher inszeniert von Bat For Lashes kennt, für die Shah schon Shows eröffnet hat.

Das musikalisch insgesamt doch eher enge Spektrum kann man aber verzeihen. Der Reiz von „Holiday Destination“, sein narrativer Gehalt, evoziert sich vor allem im Blick auf die eigene Biographie der Musikerin. Shah, die pakistanische Wurzeln hat, ist schon selbst oft mit Schubladendenken konfrontiert worden.

Sie gehört zu der desillusionierten Generation, die das Brexit-Votum hinter sich hat, die aus der Praxis weiß, wie es sich anfühlt, wenn eine Gesellschaft gefühlt weiter nach rechts abdriftet. Ihr Bruder hat eine Dokumentation über die Flüchtlingsbewegung produziert.

Die eingangs erwähnten Menschen werden die wohl nicht gesehen haben. Genauso unrealistisch, wie sie sich diese Musik anhören werden. Die könnte nämlich stören, auch wehtun. Und das ist auch gut so.

Ein Album mit Haltung, Mut zur Kante und unsauberem Pop.

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