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Benjamin Clementine – I Tell A Fly – Eine Offenbarung

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Benjamin Clementine holt die Klassik zurück in den Pop. Jedoch nicht auf diese unsägliche Art, wie es eine als Teufelsgeiger auf Privatsendern beworbener Showfigur tut, die sein Streichinstrument mit Dub-Step verbrüht.

Der Brite, der zuletzt als Gast auf dem aktuellen Gorillaz-Album „Humanz“ zu hören war, macht das so, dass jeder Orchesterintendant – sofern nicht reaktionär – vor Freude im Kreis hüpfen müsste.

Barocke Cembalos reihen sich über groovige Percussions. Impressionistische Pentatoniken veredeln Sonaten, die Debussy mindestens mit Schulterklopfen quittieren würde. Darunter, darüber und dazwischen Soul, Jazz, Operette und Kammerpop.

Und das Klavier. Clementine spielt geradezu virtuos. Und der Gesang. Er ist nicht selten der kühn-coolen Extravaganz eines David Bowies auf den Fersen. In Songs wie in „Quintessence“ passiert nicht selten alles gleichzeitig.

Und die Texte. Eine überspitzte Anklage vor dem Herren. Das Chanson „By The Ports Of Europe“ etwa demontiert mit lautmalerischem Witz und Soul die europäische Abschottungspolitik. Dinge also, die eigentlich unmöglich zusammen zu kriegen sind.

Clementine macht daraus völlig selbstverständliche Synergien. Wäre er Politiker, er müsste wohl Chef des interdisziplinären Kulturressorts unter einem europäischen Kanzler Sonnenborn sein. „Barbarians, barbarians, barbarians are coming/ while the dreamers stay strong“ heißt es in „Ave Dreamer“.

Allein die Songtitel sind ein Essay wert: „Phantom Of Aleppoville, „Ode From Joyce“ oder das die englische Nationalhymne umkrempelnde „God Save The Jungle“: „All alien, all alien in foreign lands again.“

Reminiszenzen in Text und Musik – Reminiszenzen überall, aus längst vergangenen Epochen. Und die kollidieren so sehr mit dem Zeitgeist, dass das die meisten wegen der Überffrachtung von Eindrücken ausgrenzen wird. Aber wahrhaftige Kunst nimmt eben keine Rücksicht auf die Massen.

Für die, die sich hiermit bereitwillig konfrontieren, könnte „To Tell A Fly“ zu einer Offenbarung werden. Denn es wird nichts verballhornt. Es wird ausgeweitet – auf unverblümte und unverschämt gekonnte Art. Das bisschen Arroganz, das mitschwingt, geht völlig in Ordnung.

Letztlich zeigt „I Tell A Fly“ vor allem eines: Was alles möglich ist, wenn man sich nur traut – und mit dem nötigen Talent gesegnet ist.

Benjamin Clementine gelingt unter diesen Voraussetzungen ein höchst eigenständiges Kunstwerk, das tatsächlich mal als Brücke über die tiefen Gräben zwischen Pop und Klassik taugt.

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