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Oscar And The Wolf (Credit Stephan Masyuta-Hesslich/MusikBlog)

Ich suche immer die perfekte Balance – Oscar And The Wolf im Interview

Der Belgier Max Colombie alias Oscar And The Wolf ist in Belgien eine große Nummer. Sein Debütalbum „Entity“ von 2014 kletterte auf Nummer eins der belgischen Charts. Er spielte Konzerte in großen Hallen vor 20.000 Leuten. Auch in den Niederlanden, der Türkei und dem Libanon ist Oscar And The Wolf sehr populär, was wohl an dem – zumindest unterbewussten – arabischen Einfluss in seiner Musik liegt.

Max wählte seinen Bühnennamen, um die zwei kontroversen Seiten seiner Persönlichkeit einzufangen (‚Oscar‘ soll dabei für die poetische, helle und tagträumerische Seite stehen, ‚Wolf‘ für die animalische, dunkle und einsame Seite). Nun veröffentlicht er sein zweites Album „Infinity„. Wir sprachen mit ihm über diese zwei Seiten, Disneymusik für Erwachsene und das Spielen vor großem und kleinem Publikum.

MusikBlog: Max, diese Woche erscheint dein zweiter Longplayer „Infinity“. Hast du den berühmt-berüchtigten Druck des zweiten Albums gespürt?

Max Colombie: Am Anfang hatte ich Angst, dass ich ein zweites „Entity“ machen würde und nur die Erwartungen der Leute erfüllen würde. Da musste ich eine Weile in mich gehen, es war zunächst ein Kampf, denn ich wollte bewusst ein Album machen, das anders klingt.

MusikBlog: Wie hast du das erreicht?

Max: Meine Musik entsteht in meinem Kopf auf eher natürliche, unbewusste Art und Weise. Ich habe also nicht bewusst einen bestimmten Klang gesucht oder auf Dinge verzichtet. Für mich ist „Infinity“ eine komplett andere Sache, auch wenn manche Sounds vielleicht ähnlich sind. Aber ich mache nur, was ich auch hören will.

MusikBlog: Der Erfolg deines Debütalbums kam ja sicher überraschend?

Max: Ja, das habe ich natürlich nicht erwartet. Das Gute war, ich hatte absolut nichts zu verlieren, als ich das Album gemacht habe. Ich hatte keinen richtigen Job und habe wenig Geld verdient. Ich hatte also keinerlei Erwartungen. Aber ich habe schon vor der Veröffentlichung die Vibes mitbekommen. Mein Label hat mir damals gesagt, es ist das beste, was sie seit Jahren gehört haben. Es hat sich auch im Radio von einem Alternative-Dings zu einer Pop-Sache entwickelt. Obwohl ich schon immer Popmusik machen wollte.

MusikBlog: Mit dem Albumerfolg wurden auch deine Gigs immer größer.

Max: Richtig. In nur einem Jahr habe ich mich von 800 Zuschauer-Konzerten zu welchen mit 8.000 Besuchern entwickelt. Mittlerweile spiele ich in einigen Ländern große Arenen, es ist Wahnsinn. Aber auch z.B. in Frankreich sind es mittlerweile Venues mit einigen tausend Zuschauern.

MusikBlog: Du hast die Bühne sogar einmal mit Rihanna geteilt?

Max: Nicht wirklich, wir waren beide Headliner beim Pukkelpop Festival in Belgien, aber an unterschiedlichen Tagen. Aber ich habe stärker gepunktet. (lacht) Sie war eine Stunde zu spät und die Zuschauer waren wohl nicht so zufrieden mit ihrer Performance.

MusikBlog: Wie bist du mit dem schnellen Erfolg umgegangen?

Max: Ich musste ziemlich schnell erwachsen werden und lernen, ein richtiger Profi zu werden. Das war sehr intensiv. Aber ich habe es immer noch nicht komplett realisiert und sehe es nach wie vor als ein wachsendes Projekt an. Ich spiele ja auch immer noch in kleinen Locations vor wenig Zuschauern, was mir sogar viel mehr Spaß macht.

MusikBlog: Warum?

Max: Ich kann mehr experimentieren. Eine Stadionshow ist ja ziemlich starr, man hat seinen festen Platz, an dem man stehen muss und die Perfomance ist exakt durchgeplant. Bei kleineren Shows probiere ich viel mehr aus, z.B. bei meinem Tanzstil oder der Interaktion mit den Zuschauern.

MusikBlog: Dein Bandname steht ja für die zwei Seiten deiner Persönlichkeit, die dunkle und die helle Seite. Denkst du, das ist auch in deiner Musik zu spüren?

Max: Immer, wenn ich einen Song schreibe, will ich zugleich Traurigkeit und Fröhlichkeit darin vereinen, ohne, dass eine Seite dominiert. Ich suche immer die perfekte Balance zwischen Hell und Dunkel. Das gelingt wohl auch, ich habe mal einen Test mit einer befreundeten Tanzlehrerin gemacht, die ihrer Klasse einen OATW Song vorspielte und fragte: Ist er fröhlich oder traurig? Die Klasse konnte es nicht eindeutig beantworten. Es ist allerdings für mich ziemlich schwer, diese Balance immer zu finden.

MusikBlog: Du hast mal deine Musik als ‚Disneymusik für Erwachsene‘ bezeichnet.

Max: Ja. Disneymusik ist sehr orchestral, sie benutzen viele Streichinstrumente, was ich auch manchmal tue. Aber es hat auch eine sehr erotische Seite, die eigentlich nicht für Kinder bestimmt ist.

MusikBlog: Ist Belgien ein guter Ort, elektronische Musik zu machen?

Max: Belgien hat eine sehr lange Tradition für elektronische Musik. Das begann ja bereits in den Achtzigern mit EBM (Electronic Body Music) und Bands wie Front 242, obwohl ich dazu nie Zugang hatte.

MusikBlog: In den USA dagegen ist es schwieriger?

Max: Ja, dort ist noch nicht einmal mein Debütalbum erschienen, sondern vor Kurzem erstmal eine EP („Oscar And The Wolf“ via Neon Gold Records). Es gibt sehr viele Bands und man muss erstmal ein Label finden und Kontakte aufbauen. Eine Tour dort aus Europa heraus zu organisieren ist auch sehr aufwändig.

MusikBlog: Wir wünschen trotzdem viel Erfolg auch dort. Vielen Dank für das Interview.

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