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Wir haben das nicht nur berufsbezogen gelernt – Shout Out Louds im Interview

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Dass Shout Out Louds Pausen verkünden, ist nichts Neues. Nachdem die schwedische Indie-Rock Band nach ihrer Europatour 2008 eine Auszeit ankündigte, setzte sie sich nur ein Jahr später wieder an ihr Album „Work“. Seit 2013 machten die Freunde allerdings ernst und nutzten die mehrjährige kreative Pause zur Familiengründung und Soloprojekten.

Zum Anlass ihres neuen Albums „Ease My Mind“ trafen wir Adam Olenius und Bebban Stenborg zum Interview und unterhielten uns über die Auszeiten der Band, die Zusammenarbeit mit großen Labels und die Geschichten hinter den wahllos erscheinenden Songtiteln der neuen Platte.

MusikBlog: 16 Jahre Shout Out Louds, dabei wolltet ihr doch eigentlich Luca Brasi sein.

Adam Olenius: Oh, ich erinnere mich noch, wie es dazu kam. Es war ein Tag nachdem wir den Film „The Godfather“ gesehen haben und über Filme im Kino redeten. Wir kamen dann auf die Idee, dass wir keine typische Band sein wollten. Wir wollten eine Band sein, die „multifunktional“ ist, deswegen führt Ted auch immer noch unser Tour-Tagebuch und macht die ganzen Videos und so. Die Figur Luca Brasi hatte für uns einfach so viel Charakter in dem Film, also haben wir uns nach ihr benannt. Nach etwa einem Jahr, als die Dinge ernster wurden, dachten wir uns aber „Oh, vielleicht sollten wir den Namen mal googlen“ – gab es Google damals schon?

MusikBlog: Ja, aber in seinen Anfangszeiten.

Adam Olenius: Auf jeden Fall gab es die Band schon, also brauchten wir etwas Neues! (lacht)

Bebban Stenborg: Es war diese Garage-Rock Zeit, die sich langsam zu einer Indie-Pop-Rock Szene entwickelte. Jeder nannte sich irgendwas mit „The“, wie The Killers oder The Strokes. Wir wollten das aber nicht in unserem Namen haben. Wir wollten mehr Bewegung.

Adam Olenius: Wir hatten auch diese zwei Wölfe als eine Art Logo, die auf den meisten unserer Releases wiederzufinden sind. Nicht auf dem letzten Album, glaube ich, aber zum Beispiel auf dem vorletzten. Und da die Wölfe heulend und schreiend wirken, haben wir das für unseren Bandnamen hergenommen, obwohl es manchmal ein bisschen schwer auszusprechen ist! (lacht)

MusikBlog: Schwer oder nicht, es brachte euch Verträge mit kleinen und großen Labels.

Bebban Stenborg: Wir mögen tatsächlich beide Arten von Labels. In Amerika sind wir jetzt zum Beispiel bei einem Indie-Label. Man bekommt da einen viel persönlicheren Kontakt zu den Menschen und kennt dann alle um einen herum. Natürlich kann das auch bei einem großen Label passieren, wenn man lang genug dabei ist, aber bei einem kleinen Label fühlt man sich einfach etwas sicherer. Nach einer gewissen Zeit entwickelt man Loyalität und muss nicht permanent Angst haben, dass man den Wölfen zum Fraß vorgeworfen wird, sobald man nicht mehr genug Geld einbringt.

Andererseits ist es so, dass manchmal einfach die nötige Hilfe fehlt, weil die Ressourcen knapp sind. Du musst bei allem mitwirken, was gut ist, aber manchmal möchte man einfach wissen, dass man in guten Händen ist, um sich besser auf die Sachen konzentrieren zu können, die einem wichtig sind, wie der kreative oder visuelle Part.

Adam Olenius: Wir machen die meisten Dinge eh schon selbst, wie die Videos oder das Artwork, das ist einfach unsere kleine Welt. Wir arbeiten aber auch eng mit unserem Manager zusammen – der übrigens seit unseren Anfangstagen ein und derselbe ist! Er hat im Grunde das Managen angefangen, weil wir unsere Band gründeten! Mittlerweile hat er in unserer Heimat richtig große Künstler unter Vertrag!

Auf jeden Fall haben wir diese Welt, die wir unsere eigene nennen, und manchmal ist es schwer, da Leute reinzulassen. Oft ist es so, dass wir unsere Arbeitsweise gar nicht ändern, egal ob wir bei einem kleinen oder bei einem großen Label sind.

Bebban Stenborg: Wir hatten bisher meistens eine gute persönliche Beziehung zu unseren Labels, auch zu den großen. Nicht zu allen, aber zu den meisten…

Adam Olenius: Es ist aber definitiv die Loyalität, die den Unterschied macht! So ein globales Ding ist einfach nochmal was anderes.

MusikBlog: Labels kommen und gehen über die Jahre, aber die Band bleibt?

Adam Olenius: Traurigerweise muss ich sagen, dass unser Drummer nicht mehr der alte ist.

Bebban Stenborg: Wir haben versagt! (lacht)

Adam Olenius: Nach unserem Album „Work” wurde es ihm ein wenig zu viel mit dem ganzen Touren. Ich glaube, das Tourleben war einfach nichts für ihn. Er studierte auch Wirtschaft, was in eine etwas andere Richtung geht als bei Carl oder mir, die Graphikdesign machten oder Ted mit Film. Auf Tour sein oder nicht, das war immer eine große Entscheidung für ihn. Und ich verstehe das auch, immerhin nehmen wir immer so viel mit wie wir nur können. Auf jeden Fall ist er vor „Optica“, unserem letzten Album, gegangen. Wir haben zwar einen neuen Schlagzeuger, aber er ist nicht wirklich Teil der Band. Er ist nur auf den Touren mit dabei und spielt auf den Alben. Unser alter Schlagzeuger ist immer noch irgendwie Teil der Band…

Bebban Stenborg: …er zahlt immer noch die Rechnungen! (lacht)

Adam Olenius: Stimmt, das sollte er mal machen, immerhin hat er einen ziemlich guten Job! (lacht)

Bebban Stenborg: Wir sind schon so lange Freunde. Ich glaube, es wäre komischer für uns, nicht zusammen in einer Band zu sein, nicht zusammen diesen Job auszuüben.

Adam Olenius: Wir kennen uns seitdem wir drei sind. Wir sind einfach wie zusammengeschweißt!

Bebban Stenborg: Aber wir mussten auch lernen, dass es nicht so klug ist, Entscheidungen, die Zukunft betreffend, zu machen, wenn man gerade von einer Tour kommt oder ein Album abgeschlossen hat.

Bebban Stenborg: Aber wir haben das nicht nur berufsbezogen gelernt, sondern allgemein. Es ist grundsätzlich wichtig, sich erst einmal zu erholen, nachdem man etwas zu Ende gebracht hat. Wenn man über die Zukunft nachdenkt, während man noch erschöpft ist, kann das nur schwer gut gehen. Genau dann ist es wichtig, im Hier und Jetzt zu sein und keine Entscheidungen über das, was kommt zu treffen.

MusikBlog: Aber von Pause war in den letzten vier Jahren nur wenig zu sehen: Adam veröffentlichte Solo-EPs und Bebban arbeitete mit Astropol. Warum dann nicht auch Shout Out Louds?

Adam Olenius: Gute Frage…Bebban? (lacht)

Bebban Stenborg: Nun, Shout Out Louds ist ziemlich einnehmend. Wenn wir es machen, dann ganz. Wir investieren alles, was wir haben und sind absolut loyal. Für mich ist das meine wirkliche Arbeit, meine wahre Berufung. Alles andere ist nur, um Geld zu verdienen. Nicht, dass es weniger wert wäre, aber es ist eher dazu da, um nicht aus der Routine zu kommen.

Adam Olenius: Genau, es ist nicht so, dass ich meine Nebenprojekte nicht ernst nehmen würde, aber ich sehe es so, dass ich es mache, um mich für Shout Out Louds zu inspirieren. Wenn ich solo arbeite, dann gehe in morgens ins Studio, mache Musik und gehe dann wieder heim. Wenn wir uns dazu entscheiden, ein Album als Band zu machen, dann heißt das erst einmal, Zeit und Emotionen zu investieren…für die nächsten zwei Jahre! (lacht)

Bebban Stenborg: Es gibt auch so viele Orte, die wir einfach besuchen möchten. Wir können uns nicht einfach mit drei Shows in Schweden und drei Shows in Deutschland zufriedengeben.

Adam Olenius: Man kann es auch so sehen: Wenn ich einen großen Zeitungsartikel über Chicago lese, denke ich mir „Vielleicht sollte ich die Band zusammentrommeln, um nach Chicago zu kommen!“ Es basiert nicht alles auf der Musik, manchmal ist es einfach das Verreisen mit deinen Freunden. (lacht)

MusikBlog: Vor der Tour kommt jetzt aber erst einmal die Veröffentlichung von „Ease My Mind“. Von was möchtet ihr eure Gedanken denn „erleichtern“?

Adam Olenius: Mit dem, was gerade um uns passiert, ist die Welt aktuell ziemlich schwach und zerbrechlich, nicht nur politisch. Wir sehnen uns nach Frieden und Ruhe, mehr als je zuvor. Und das ist, was Musik uns bieten kann. Viele suchen es in der Kunst oder im Film, vielleicht sogar in Drogen oder der Religion. Wir wollten es aber mit unserer Musik bieten. Es war einfach ein schönes Thema, auf das wir aufbauen konnten. Es hat Spaß gemacht, an etwas zu arbeiten, was eine Flucht aus der Realität darstellt.

Bebban Stenborg: Es hat ganz komisch angefangen. Wir haben über diese Brausetabletten gegen Kopfschmerzen geredet, die man ins Wasser tut. Von dort aus sind wir irgendwie auf die Form von Pillen gekommen und dann darauf, wie Schutz aussehen könnte – etwa eine schützende Hand, die einen von oben behütet. Wir wollten die Probleme nicht mit einer Decke verbergen, sondern eine Art Pause vor der Realität bieten. Jeder, der gerade kann, sollte sich eine Auszeit gönnen, um mit neuer Energie an die negativen Dinge und die Gesellschaft ranzugehen.

Adam Olenius: Man muss sich erlauben, hilflos zu sein.

Bebban Stenborg: Richtig. Man muss nach Hilfe von außen suchen. Leute sagen immer „Die Antwort steckt in dir“, aber manchmal ist das einfach so viel Druck, was auf einen lastet.

MusikBlog: Wie viel Politik steckt denn wirklich in „Ease My Mind“?

Adam Olenius: Wir haben lange darüber geredet, uns aber letztendlich dazu entschieden, bei dem zu bleiben, was wir sonst auch immer machen, zum Beispiel über die Liebe zu schreiben. Politisch äußern wir uns eher auf unseren Social-Media-Kanälen oder wir nehmen an Benefizveranstaltungen teil.

Bebban Stenborg: Es ist interessant, wie die Politik gerade ihren Weg in alle Bereiche findet. Wir sitzen gerade zum Beispiel in einem Interview und doch überkam uns das Thema. Ich bin schon länger politisch aktiv, aber wäre nie auf die Idee gekommen, es in meine Musik zu integrieren. Es ist aber an der Zeit, darüber zu sprechen, wir fühlen die Notwendigkeit.

Adam Olenius: Wir singen nicht direkt darüber, aber es ist Teil unserer Musik.

Bebban Stenborg: Sie soll die Schmerztablette sein, die gerade gebraucht wird.

Adam Olenius: Das Politische steckt im Titel.

MusikBlog: Apropos Titel. Es hat den Anschein, als würdet ihr bei eurer Songbetitelung wahllos mit Wörtern um euch werfen.

Adam Olenius: Du hast so recht! (lacht) Ich mag es nicht, wenn man einfach etwas aus dem Chorus nimmt und das dann zum Titel des Liedes macht. Deswegen suchen wir uns oft Sachen aus Versen aus.

Bebban Stenborg: Manchmal sind es auch einfach die merkwürdigen Titel, die wir für die Songs hatten, während wir an ihnen gearbeitet haben. Oft haben sie dann nicht einmal mehr etwas mit dem finalen Song zu tun! (lacht)

Adam Olenius: Aber nehmen wir mal „Jumbo Jet“…wir singen im Chorus über den Anfang. „The Beginning“ wäre sicher auch ein toller Titel, aber wie gut ist denn bitte „Jumbo Jet“? Eines meiner Lieblingswörter! (lacht)

Bebban Stenborg: Man hat direkt ein Bild vor Augen. Also für mich macht das auf jeden Fall Sinn!

MusikBlog: Was für eine Bedeutung hat dann „Crying Game“ – der einzige Songtitel, der etwas Negatives impliziert.

Bebban Stenborg: Kennst du den Song „The Crying Game“?

MusikBlog: War das nicht ein Film?

Bebban Stenborg: Doch, aber auch ein Song aus den 60er Jahren. Das Lied war auf einer LP, die ich von meiner Tante bekommen habe, als ich noch klein war. In dem Stück gibt es ein Gitarrensolo, das nicht von dieser Welt ist. Es ist so ein wundervoller Sound. Schon seit unserem ersten Album komme ich immer wieder an mit „Können wir das bitte benutzen?“ (lacht)

Adam Olenius: Und diesmal hat es einfach gepasst. Wir singen über diese Person, die sich vor Liebeskummer total betrinkt. Wir haben überlegt, was für eine Musik diese Person wohl hören könnte, in einem solchen Moment. Da sind wir wieder auf das Gitarrensolo gekommen.

Bebban Stenborg: Es geht also um keine Person, die weint, sondern um eine Person, die „The Crying Game“ hört! (lacht)

MusikBlog: Hat „Porcelaine“ dementsprechend wenig mit „Porzellan“ zu tun?

Adam Olenius: Also eigentlich hat das ja wirklich mit dieser Person angefangen, die wir im Song erwähnen…

Bebban Stenborg: Vielleicht sollten wir ihren Namen nicht erwähnen. Was ist, wenn sie sich googlet? (lacht)

Adam Olenius: Aber wie soll ich das sonst erklären? Also sie ist die Tochter eines berühmten Musikers…

Bebban Stenborg: Na gut, ihr Name ist Kim! (lacht) Wir haben bei ihr gewohnt, als wir in Los Angeles waren, um zu schauen, ob wir einen Vertrag mit Capitol Records bekommen können. Wir haben sozusagen „Haussitting“ gemacht und uns um ihre drei Hunde und vier Katzen gekümmert.

Adam Olenius: Es war ein so schönes Haus, aber wir haben uns gedacht, dass sie sehr einsam sein muss.

Bebban Stenborg: Das Haus war voller unnützem Kram, die man zum Beispiel aus einem Katalog im Flieger bestellen kann. Kennst du diese Popcorn-Maschinen, die aussehen wie ein Clown? – So etwas! Nachdem wir weg waren, haben wir gehört, wie sie versucht hat, ihr Leben umzukrempeln. Sie änderte sogar ihren Namen. Sie muss unglaublich einsam gewesen sein. Deswegen haben wir die Einsamkeit zum Privileg gemacht.

Adam Olenius: So ist es ursprünglich zum Songtitel gekommen. Wir haben uns einfach überlegt, wie fragil solche Personen sind und wie einfach sie zerbrechen. Tochter oder Sohn einer berühmten Person zu sein, kann manchmal zu viel werden.

MusikBlog: Mit einem neuen Label im Gepäck, dem Albumrelease vor der Tür und einer Tour in den Startlöchern, könnte es da bei euch nicht auch zu viel werden?

Bebban Stenborg: Es wird definitiv wieder zu viel sein! (lacht) Aber so ist das. Wir werden diesmal aber nicht mit Zweifeln enden.

Adam Olenius: Genau. Diesmal wissen wir, was wir zu erwarten haben. Es wird mit Sicherheit ermüdend sein, immerhin sind wir jetzt schon bis Weihnachten komplett ausgebucht. Aber wir haben diesmal daran gedacht, kleine Pausen zwischen den Konzerten einzuplanen.

Bebban Stenborg: Und wenn man es genau nimmt, haben wir nie eine Auszeit genommen, weil es uns schlecht ging oder weil wir zusammengebrochen sind. Wir haben uns eher nur einen etwas längeren Urlaub gegönnt! (lacht)

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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