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Zola Jesus (Credit Sacred Bones Records)

Zola Jesus – Okovi – Permafrost

Frisch ist es draußen geworden. Wem die verhaltenen Temperaturen bereits jetzt ans Gemüt gehen, der sollte lieber einen Bogen um das neue Werk von Nika Roza Danilova alias Zola Jesus machen.

Die Avantgardistin aus Wisconsin mit russischen Wurzeln versetzt mit ihrer Musik direkt in den Permafrostboden der Seele. Dahin, wo die Mechanismen von Abhängigkeit, Liebe, Agonie und Tod hinterfragt werden. Wo Wechselwirkungen an die Menschen gefesselt sind und diese gleichermaßen fesselnd erscheinen, schließlich steht der titelgebende Begriff im Slawischen auch für die entsprechende Form des Freiheitsentzuges.

„Okovi“ berichtet deshalb keineswegs nur vom stoischen Ertragen des Schicksals auf der Opferseite des Daseins, wenn Unheil, dann bitte nicht von außen diktiert. So macht die Auserwählte des Serienkillers diesen in „Soak“ kurzerhand zum Statisten für den eigenen Suizid. „Take me to the water“ – Selbstbestimmung in ihrer konsequentesten Form.

So zurückhaltend mit „Doma“ der Beginn, so „Exhumed“ der Sound in der Folge. Schwer, geisterhaft und breitwandig die Klänge. Eine Spur weniger Elektronik wie zuletzt auf „Taiga“, dafür viel intensives Cello in Moll zwischen Synthies und unnahbarem Industrial-Geklopfe.

Das eigentlich Tragende bleibt Nikas klassisch ausgebildete Stimme. Wieder und wieder durchdringt das Organ mit unendlicher Bandbreite in Zeitlupe die Apokalypsen, wühlt sich ähnlich der schwermütigen Wucht einer Anna von Hausswolff durch die Tiefen von Verletzlichkeit und Selbstgeißelung.

Vielleicht ein Ergebnis ihrer gemeinsamen Tour, dass es manchmal klingt wie Fever Ray ohne Ethno-Einlagen, aber Songs wie „Witness“ benötigen ohnehin keinerlei Referenz.

Später funkelt es plötzlich im eisigen Kerker, strecken sich die gebundenen Gliedmaßen nach dem Licht. Denn ab „Veka“ erscheint das Drama tanzbar, Zola Jesus bewegt sich nun in der Beatgebung auf den Spuren von Austra, wird mit „Remains“ fast schon übermütig poppig, worunter die Intensität der Stücke allerdings ein wenig leidet.

Schlussendlich steht „Half Life“ auch dafür, dass mindestens die Hälfte einer Existenz nicht in den dazugehörigen Händen liegt. Mit „Okovi“ steht zumindest ein Helfer für schwerste Stunden zur Verfügung.

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