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Tocotronic – Die Unendlichkeit

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Tocotronic metaphorisierten sich ab der Jahrtausendwende auf den Olymp der Alternativ-Musik, ohne dabei von der musikalischen und inhaltlichen Dringlichkeit aus den Neunzigern einzubüßen.

Eines wollten sie aber weder früher noch später: autobiographische Songs schreiben. Das, was ihr Frontmann einst kategorisch als „stinklangweilig“ ablehnte, gibt es jetzt im Albumformat. Aus dem zarten Spross „Ich Öffne Mich“, der auf dem Feld der Liebe des letzten Albums keimte, ist mit „Die Unendlichkeit“ ein Konzeptwerk gewachsen, ein beinahe halbes Jahrhundert Menschenleben, erzählt in 12 Kapiteln.

Eingerahmt in die Wucht des einleitenden Titelstücks und dem abschließenden Resümee „Alles Was Ich Immer Wollte War Alles“ offeriert sich ein Liederzyklus, welcher von der Kindheit bis zum Gegenwärtigen in einer Sprache berichtet, die ohne das auskommt, was ab „K.O.O.K.“ der semantischen Phantasie des Dirk von Lowtzow entsprang.

Von den ersten Mobbing-Erfahrungen im Sandkasten in „Tapfer Und Grausam“ über die die Provinz überfordernde Extrovertiertheit von „Hey Du“ bis zur Sozialisations-Hymne „Electric Guitar“, in der das Instrument zum Beichtstuhl wird, gibt es den Einblick in das Heranwachsen des Protagonisten, bevor dieser im „wilden Wirbel“ der „Schwarzwaldhölle“ entkommt und Hamburg, die Weltstadt voller Musik, „1993“ rauschhaft genießt.

Auch das Musikerleben kennt die Grenzen der Belastbarkeit. Der Wechsel in die Hauptstadt, wo mit Neumitglied Rick McPhail und der Berlin-Trilogie ein neues Bandkapitel geschrieben wurde, berichtet in „Ausgerechnet Du Hast Mich Gerettet“ von einer dringend notwendig gewordenen Erdung.

Von der adeloszent-musikalischen Unbekümmertheit bis zum dandyhaft-reifen Groove: Arne, Jan, Rick und Dirk ordnen die Songs in den Soundfarben der jeweiligen Epoche zu, und jeder Hörer kann seinen persönlichen Favoriten dieser Zeit darin erkennen. Dem thematischen Fortschreiten auf dem Zeitstrahl folgt Dirk von Lowtzow’s Stimmlage, vom hellen Klang der Kinderzeit über das trotzig-rebellische der Jugend zum Bariton des Spätwerks.

Moses Schneider, unterstützt von Friedrich Paravincini (Digger Barnes, mESMO) und dem orchestrale Elemente hinzufügenden Paul Gallister (Wanda), produzierte das Werk mit einer, der Zeitspanne angemessenen, instrumentalen Vollausstattung. Schroff heulen die Gitarren, plüschophil vollmundig klingt der Pop, Glockenspiel, Konsoleneffekte-das Füllhorn der Möglichkeiten scheint, dem Albumtitel folgend, unendlich.

„Es ist einfach Rockmusik“ hieß es in einem Tocotronic-Frühwerk. Mittlerweile ist ihr Wirken fest in die DNA deutscher Alternativ-Musik eingebranntes Erbgut.

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