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Coasts und The Hunna – Live im Knust, Hamburg

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Das Licht geht langsam aus, die größtenteils weiblichen Fans fangen an zu kreischen und vier junge, tätowierte Männer betreten die Bühne. Eine Formel, die einfacher und bekannter kaum sein könnte, funktioniert bei allen drei Bands, die an diesem Abend zu ihren Instrumenten greifen. Und das, obwohl die erste niemand kennt.

Lax Diamond eröffnen als Lokalpatrioten den Konzertabend im Knust in Hamburg. Auf den ersten Blick ist auch bei der deutschen Vorband alles vorhanden, was die wartenden Fans sich von Coasts und The Hunna ersehnen. Gitarren, Bass, sogar jemand am Keyboard. Vielleicht gibt es ja noch ein wenig Retro dazu? Ein Quäntchen New-Wave-Synths, das sich zum altbekannten Rock-Schema gesellt?

Falsch gedacht, denn Lax Diamond überraschen mit einem interessanten Mix aus Hip-Hop und Rock, nennen es selbst Indie-Rap und ordnen sich damit irgendwo in der Mitte von Kid Cudi, Linkin Park und The Hunna ein. Das Publikum bleibt wohlwollend neutral, erfreut sich an der Ästhetik der am Mikrofon hängenden Rosen und lässt den Sänger der Band zum Schluss sogar noch durch sich durch laufen.

Trotzdem wird ganz deutlich, worauf die meisten hier warten. In The Hunna und Coasts haben sich auf dieser Tour zwei Bands vereint, die kaum besser zusammenpassen könnten. Beide fanden ihren Ursprung in einer Schule oder Universität in Großbritannien und beide haben mit ihrem euphorisch-melancholischen Sound genau den Nerv getroffen, der es ihnen möglich machte, mit ihren Debütalben „100“ und „Coasts“ für Aufsehen in der Szene junger britischer Band zu sorgen.

Oft belächelt wegen ihrer prätentiösen Songtexte, einer relativ einheitlichen musikalischen Formel und der offensichtlichen Selbstinszenierung, lassen beide Bands auch live immer wieder ihren Boyband-Charme spielen, um das junge Publikum zu begeistern. Aber ist das überhaupt so verwerflich?

Coasts betreten die Bühne. Der Applaus, der bei Lax Diamond noch sehr verhalten war, erreicht erste Stufen der Euphorie. Denn, auch wenn die meisten im Publikum für The Hunna hier zu sein scheinen, wissen sie, dass es kaum einen besseren Warm-Up für ihre Lieblingsband geben kann als Coasts. In Dr. Martens, einer lässigen schwarzen Anzughose und einem schwarzen Hemd singt Chris Caines ein Set, das sich größtenteils aus Songs des ersten Albums zusammensetzt.

Während Coasts ihre Hits „Oceans“ und „A Rush Of Blood“ spielen, mag der neutrale Zuschauer sich vielleicht fragen, warum so viele der wippenden Köpfe in der Menge die Texte auswendig können, sich aber kaum bewegen, während Caines auf der Bühne sämtliche Verrenkungen vornimmt, die ihm das fehlerfreie Singen weiterhin ermöglichen.

Den Grund dafür findet man in der Musik der Band. Bei einem Auftreten, das eher einer Rockband entspräche, rückt trotz alledem die Atmosphäre in den Vordergrund. Beats, die ODESZA entsprungen sein könnten, und Riffs, die auch die Balladen heutiger Pop-Punk-Bands schmücken könnten, laden vielmehr zum entspannen Sinnieren und Jung-fühlen ein, als zum Tanzen.

Chris Caines klettert auf die Drums, verzieht das Gesicht und räkelt sich auf dem Boden. Er singt dabei Musik, die sich so anfühlt, als würde man mit einem halb aufgeknöpften Seidenhemd, den Füßen im Wasser und einem Bier in der Hand am Strand den Sonnenaufgang erleben. Und so dauert es auch eine Weile, bis die Menge nach dem Auftritt realisiert, dass als nächstes ihre Lieblinge die Bühne betreten werden.

Vorher werden selbstgedruckte Zettel mit der Aufschrift „Not A Band, A Family“ verteilt, Rosen ausgepackt und Haare geöffnet, um beim neuesten Hit von The Hunna, „Flickin‘ Your Hair“, den Anweisungen von Ryan Potter folgen zu können.

Eine neue Riege junger, dünner Männer betritt jetzt die Bühne und beginnt mit „You & Me“ direkt mit einem Song, der in den vollen Reihen im Knust erstmals hüpfartige Bewegungen erahnen lässt. Potter verzaubert die Menge, wie passend, mit Texten von Liebe, Partys, jugendlichem Unsterblichkeitsgefühl und natürlich seinem Hemd, das sich vom Beginn bis zum Ende der Show langsam aber stetig öffnet und ein Rosen-Tattoo offenbart.

Das alles passt viel zu gut zusammen und würde Zyniker vorschnell dazu bringen, alles zu verdammen, was hier an diesem Abend auf der Bühne passiert. Aber eben auch nur Zyniker, denn es scheint, allen Spaß zu machen. Sogar einige Eltern haben sich in die kleine stickige Halle verirrt, wirken dabei irgendwie beruhigt, dass doch noch zu poppiger Gitarrenmusik getanzt wird.

Die Gitarren bekommen bei The Hunna auch endlich die Aufmerksamkeit, die Coasts noch eher der Atmosphäre spendeten. Mit „Rock My Way“, „She’s Casual“, „Dare“ und „Bonfire“ gelingt The Hunna ein Abschluss, der reicher an Gitarren-Soli kaum sein könnte und selbst den hinteren Reihen die Füße vom Boden löst.

Nach einem verzerrten Outro und einer kurzen Zugabe verabschieden sich die sympathischen Briten und stehen wenig später schon vor der Bühne, um ihren jungen Fans mit einem einzigen Foto einen Traum zu erfüllen.

Die Coasts bringen den Sonnenaufgang am Meer, The Hunna den Sommer nach Hamburg. Jedem, der einfach mal etwas Spaß haben möchte, sei geraten, diesem Mix aus Liebeskummer, Roadtrip-Euphorie und Beach-Melancholie eine Chance zu geben. Die sich wiederholenden Melodien und mondänen Texte, welche von weinenden Telefonaten bis zum spätabendlichen oder frühmorgendlichen gemeinsamen Hören der Smiths alle Klischees abdecken, bieten natürlich Angriffspielraum, den man bei einem Konzert-Bericht aber ungenutzt lassen sollte. Aber selbst, wer sich nur darüber aufregen und kritisch darüber diskutieren möchte, darf gern zum nächsten Konzert kommen! Dann aber bitte hinten stehen.

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