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Dessa (Credit Bill Phelps)

Dessa – Chime – Hip-Pop-Hurray

Sie ist nicht nur Sängerin und Rapperin, sie schreibt auch. Und zwar nicht nur für ihre eigenen literarischen Buch-Kollektionen, sondern unter anderem auch für die New York Times. Sich dem Hip-Hop von diesem intellektuellen Background zu nähern, bedeutet automatisch die Street-Credibility einzubüßen, die in diesem Genre nach wie vor großes Gewicht hat.

Es bedeutet im Fall Dessa aber auch, sich mit einem gefeierten Nonkonformismus erstklassige Haltungsnoten im Feuilleton zu erstreiten. Denn was Dessa, die eigentlich als Magret Wander geboren wurde, anbietet, ist keinesfalls miefiger Oberschichten-Hip-Hop. „Chime“ ist sich nicht zu schade, um mit Flow und Attitüde auf Tuchfühlung mit der Straßen zu gehen.

„Fire Drills“ ist dafür das beste Beispiel. Die US-Amerikanerin aus Minnesota braucht keine schmutzigen Diss-Tiraden, um bissig zu sein und den Feminismus hochzuhalten. „I think a woma’s worth/ I think that she deserves/ A better line of work.“

Außerdem hat Dessa den Vorteil, dass sie außer zu rappen auch noch recht formidabel singen kann. „Velodrome“ oder „Good Grief“ klingen dadurch auch mal, als hätte Lana Del Rey ihren charttauglichen Dream-Pop um Urban erweitert und für jeden Song die passende Gastrapperin im Ärmel.

Die mit Streichern angedickten Beats der Platte stammen mit Lazerbeak, Paper Tiger und Cecil Otter von einigen Producer-Kollegen aus Dessas Umfeld bei Doomtree – jenem geschätzten Hip-Hop-Kollektiv, das unter dem Label Doomtree Records auch die Releases seiner Mitglieder selbst verwaltet.

Die dritte Platte von Dessa ist wohl auch deshalb dieses autonome, von außen höchstens mit Ideen bereicherte, aber nie regulierte Soloalbum geworden, das eine talentierte Allrounderin zeigt, die macht, wonach ihr der Kopf steht.

Hört man nur das The Streets grüßende „Shrimp“ und direkt danach „Half Of You“, das für Taylor Swift nicht uninteressant gewesen wäre, dann meint man, es mit zwei völlig verschiedenen Künstlern zu tun zu haben.

Auf Album-Länge wirkt das zwar noch immer mutig, aber eben auch konsistent und definiert in den besten Momenten die Grenze zwischen zwei Genres neu:

„Chime“ ist die gelungene, in ihrem Mischverhältnis sogar originäre Emulsion aus Hip-Hop und Pop, von der sich Cro mehr als nur eine ordentliche Scheibe abschneiden kann.

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