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Calum Scott – Only Human – Verloren und Gewonnen?

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Es ist nicht einfach für den Gewinner einer Casting-Show, in der „echten Welt“ Fuß zu fassen. Nicht selten wird das erste Album dieser Künstler von Liebhabern der Casting-Show ignoriert und von Musikliebhabern zerrissen. Für die einen zu viel Material, um noch genug Aufmerksamkeit aufbringen zu können, das ganze Album anzuhören. Für die anderen Massenware, die mit dem einzigen Ziel produziert wurde, jedem zu gefallen.

Der 29-jährige Brite Calum Scott hat keine Casting-Show gewonnen. 2015 wurde er bei ‚Britain’s Got Talent‘ Sechster. Grund genug, sich sein Debüt „Only Human“ einmal anzuschauen. War der sechste Platz nicht vielleicht doch ein Glücksfall, der von der erdrückenden Bürde eines gefeierten Siegers befreit?

Eine erdrückende Last, die wegen des öffentlichen Erfolgs bei einer Casting-Show auch Calum Scott erfasst zu haben scheint. Bemerkbar macht sie sich darin, dass Scott den Song „Dancing On My Own“ in die Tracklist von „Only Human“ aufgenommen hat. Eine wunderschön gesungene Ballade, die Scott bereits in mehreren Ländern Charterfolge einbrachte, nur leider eben ein Cover der schwedischen Sängerin Robyn.

Eine größere Zielscheibe hätte Scott kaum aufstellen können, erweckt er damit doch den Anschein, sich nicht über seine Zeit bei Britain’s Got Talent hinaus weiterentwickelt zu haben. Aber trügt der erste Eindruck?

Ein vorsichtiges „Ja“ formt sich auf den Lippen, wenn man den restlichen Songs des Albums eine Chance gibt. Während „Come Back Home“, „Rhythm Inside“ und „Good To You“ noch den Versuch markieren, den Song eines Singer-Songwriters durch eine beatlastige Produktion massentauglich zu machen, lassen „You Are The Reason“ und „Won’t Let You Down“ die Identität eines Künstlers erkennen.

„Won’t Let You Down“ bringt dabei in Sam Smith-Manier die erfrorensten Herzen mit Gospel, Orgel und Sehnsucht zum Schmelzen und ganz nebenbei die Ruhe mit, die die Ausflüge in die House-Musik vermissen ließen. Ähnliches gilt für „You Are The Reason“, das trotz extrem kitschigen Texts genug Charakter mitbringt, um ernst genommen zu werden.

Charakter ist ein weiteres wichtiges Stichwort. Calum Scott bringt davon nämlich viel mit, leider nicht nur seinen eigenen. So klingt „What I Miss Most“ so sehr nach einem The Script-Song, der von Maroon 5-Frontmann Adam Levine vorgetragen wird, dass man immer wieder verdutzt schauen muss, um sich zu vergewissern, nicht doch einen der beiden zu hören.

Verdutzt bleibt man nach dem Hören dieses Albums nicht nur deswegen zurück. Einerseits überzeugen die gospelartigen Balladen und die Seele, die immer wieder aus der Stimme herausklingt. Auch die für den Club perfektionierten Hymnen stören nicht unbedingt, bringen mit Sicherheit den ein oder anderen zum Tanzen. Andererseits klingt „Only Human“ nicht nach der Bemühung, sich von der eigenen Vergangenheit zu emanzipieren.

Wenn man dann am Ende der Deluxe-Version sogar noch eine Duett-Fassung von „Your Are The Reason“ mit Casting-Show-Gewinnerin Leona Lewis präsentiert bekommt, fragt man sich erst recht, was Calum Scott eigentlich sein will. Singer/Songwriter? TV-Phänomen? Soulsänger? Vielleicht hätte es „Nur Mensch“ auch erstmal getan.

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