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David Byrne – American Utopia – Ewige Suche nach Güte

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Ein weiterer Rock-Titan aus dem letzten Jahrhundert kehrt auf die Bühne zurück. Genau wie Paul Weller mit „A Kind Revolution“ und Depeche Mode mit „Where Is The Revolution“ es letztes Jahr getan haben, schlägt auch der ehemalige Frontmann der Talking Heads, David Byrne, mit „American Utopia“ idealistische Töne an.

Nachdem er über elf Jahre und acht Alben eine legendäre Rockband anführte und auch solo auf neun Alben weiter eine einzigartige Dynastie aufbaute, hat der amerikanisierte Schotte mit seinem zehnten Solo-Album nicht nur musikalische Ansprüche.

Byrne möchte den Scheinwerfer, dessen Licht immer öfter nur die schrecklichen und entmutigenden Geschehnisse unserer Zeit beleuchtet, mit diesem Album und einem begleitenden Kunstprojekt wieder auf die schönen Dinge lenken, die die Menschheit ausmachen. „Reasons To Be Cheerful“ nennt sich das Projekt, zu dem „American Utopia“ den Soundtrack liefern soll.

Ambitioniert, aber nicht misslungen wagt sich der Großmeister mit gedrückter Stimme an für ihn neue Sounds heran. Unterstützung bekommt er dabei von einem alten Bekannten. Brian Eno, der auch auf „Fear Of Music“ schon mit Byrne zusammenarbeitete, lässt seinen visionären Ideen in „Everybody’s Coming To My House“ freien Lauf, wovon jeder profitiert. Auch wenn Eno und Byrne mit diesem Song kein neues Genre begründen werden, was man ihnen mit einigen ihrer früheren Kooperationen durchaus vorwerfen kann, fortschrittlich ist er trotzdem.

Die gedrückte Stimme kommt ebenso bekannt vor, auf diesem Album aber mit mehr Farbe und weniger Staccato daher. Das mag abschreckend wirken, wenn Byrne plötzlich Noten so lang singt, dass man sie wirklich erkennt, stört aber nach ersten Irritationen kaum noch. Es eröffnet dem Sound des Albums eher eine Dimension, die von früheren Alben ungekannt war.

Weniger überraschend und dafür äußerst interessant sind „Dog’s Mind“ und „Here“. Während „Dog’s Mind“ theatralische Ambitionen musikalisch verpackt, liefert „Here“ einen modernen Hybriden zahlreicher Genres. Die Mischung aus afrikanischen Rhythmen, moderner Produktion und Byrnes geheimnisvollem Gesang erinnert hier, wie auch bei „Every Day Is A Miracle“, an The Blue Nile und The 1975. Ein Mosaik aus unterschiedlichen Sounds setzt sich so zu einem stimmungsvollen Gesamtkunstwerk zusammen, das eine melancholische, aber auch optimistische Atmosphäre zeichnet.

„Doing The Right Thing“ führt thematisch einen Song weiter, den Byrne 1979 mit den Talking Heads auf „More Songs About Buildings And Food“ veröffentlichte, „The Good Thing“. Weniger Ironisch und etwas weltverbesserisch, das kommt wohl mit dem Alter, singt Byrne über Idealismus und fragt ganz selbstreferentiell: „What’s good? Does that mean it’s right?“.

Alles in Allem liefert David Byrne mit „American Utopia“ ein Album ab, das nicht aufregt und an keiner Stelle den Anspruch stellt, eine Szene oder ein Genre zu revolutionieren. Und auch die Gesellschaftskritik, die Weller und Depeche Mode auf ihren Alben noch in den Vordergrund stellten, teilweise drängten, bekommt von Byrne einen subtilen und sympathischen Auftritt zugesprochen.

Dass „American Utopia“ nicht nur in seiner Vermarktung direkt an „Reasons To Be Cheerful“ gekoppelt ist, stört wenig, denn das Album verliert auch eigenständig nichts von seiner Wirkung und Qualität. Ohnehin hat Byrne durch ehemalige Begleitprojekte seiner Alben schon bewiesen, dass eine Platte nicht nur die Musik ist, die man auf ihr hört.

So kam „Speaking In Tongues“ mit einem interaktiven Cover und „Stop Making Sense“ mit einem künstlerischen Magazin in den Handel. „American Utopia“ jetzt eben mit einer Idee und einem Projekt, das mit etwas Glück und Engagement eine Eigendynamik entwickeln könnte, die Byrnes lange Suche nach dem Guten endlich an ein Ziel führt.

 

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