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Okkervil River – In The Rainbow Rain

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Fast zwanzig Jahre lang gibt es Okkervil River schon. Das ist fünf mal so lang wie die Amtszeit eines US-Präsidenten und spricht für Kontinuität. Trotzdem hat der Wahlsieg von Trump die Band aus Texas um Will Sheff erst einmal geschockt. Wobei Entrüstung es wohl besser trifft. Und klar: Noch ist ja nicht einmal die Hälfte von Trump Amtszeit um.

Dennoch ist „In The Rainbow Rain“ keine Ansammlung von Protestsongs geworden. Trotzdem beginnt das Album dramatisch. Der Opener erzählt von einem Luftröhrenschnitt, den Sänger Will Sheff über sich ergehen lassen musste.

Danach zählt Will einige Schicksale großer (Soul-) Stars auf, die auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatten. Auffällig ist hierbei, dass die sanften Gitarren extrem tiefenentspannt rüberkommen, Will sogar von einem Chor begleitet wird, die Musik oft eine soulige Note suggeriert. Das kann man schon fast konterkarieren nennen.

Ironisch wird der gute Mister Sheff aber nie. Seine weiche Stimme ist immer noch einfühlsam, immer verbindlich. Doch die Arrangements sind für Okkvervil River schon überraschend – vor allem nach dem doch eher introvertierten Vorgänger „Away“, der sich vor allem um das Thema Vergänglichkeit drehte.

Auf „In The Rainbow Rain“ geht es eindeutig verspielter zu. Das liegt unter anderem an mehr Tasteneinsatz und viel Percussion. Folk-Puristen verschränken vielleicht erstmal die Arme, lassen dann aber doch eine Umarmung zu.

Will selbst sagt: „This new record reminds me both of my favorite pop music Okkervil River has made in the past and I think it also sounds unlike so much of our stuff that came before it.“ Korrekt. Wobei die Folk-Grundierung von euphorischen Saxophonen wie weggeblasen wirkt. Auf „In The Rainbow Rain“ gilt: Lieber Fanfaren wie Bruce Springsteen als Bob Dylan-Epigonie.

Liegt vielleicht auch daran, dass der Kanadier Shawn Everett an der Produktion mitgewirkt hat. Der hat zuletzt The War On Drugs gepimpt und der Gruppe zu episch ausdriftenden Gitarren verholfen. Artverwandte Ansätze findet man etwa im mächtigen „Pulled Up The Robin“. Und auch der Synthie-Pop von „Love Somebody“ wäre vor einer halben Dekade für Will und Co. undenkbar gewesen.

In besagtem Stück findet man auch die Zeile, die quasi das Motto des Albums sein könnte: „Oh but my God, how am I ever gonna help the world, When I can’t even heal the heart of my girl?“ Okkervil River ziehen daraus aber die richtigen Konsequenzen: Schwäche zeigen ist okay. Hände reichen sowieso. Und vor allem: Weiter Musik machen. Obwohl die Industrie komplett am Arsch ist.

Im wabbligen, verträumten Finale „Human Being Song“ singt Will dann sogar noch über die Evolutionstheorie. Zweifel und Resignation machen sich breit.  Was ist das Treiben auf Erden doch für ein gottverdammtes Affentheater.

Aber dann dieser Bass-Groove, diese erhabene Stimme, dieser fast schon psychedelische Drill. Und ganz am Ende diese schlichte, aber irgendwie doch alles sagende Zeile: „But brother, I believe in love“.

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