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Johnny Marr – Live im Festsaal Kreuzberg, Berlin

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Im Festsaal in Berlin offenbart sich an diesem Montagabend ein illustres Bild. Frisurklone von Johnny Marr, der später die Bühne betreten soll, treffen auf The Smiths-Shirts tragende Fans einer Band, die es seit 31 Jahren nicht mehr gibt.

Dafür sehen die Shirts noch relativ neu und das Publikum relativ jung aus, was auch daran liegen mag, dass sich der prägende Einfluss der Band aus Manchester auf die Indie-Rock Musik erst im Nachhinein offenbarte. Aus einer, an den kollidierenden Egos Morrisseys und Johnny Marrs gescheiterten, Band wurde Kult – heute touren beide solo und lassen erahnen, wer den Bruch vor drei Dekaden eher provoziert haben könnte.

Johnny Marr ist auf Tour, um sein am 15. Juni erscheinendes Album „Call The Comet“ zu promoten. Er eröffnet den Abend mit einer Single von ebendiesem Album, „The Tracers“.

Brütender als ein Song der Smiths erweckt der treibende Rhythmus in „The Tracers“ eher den Anschein einer Single von Noel Gallagher’s High Flying Birds. In den frühen Zeiten von Oasis leihte Johnny Marr Noel Gallagher die Gitarre, auf der er „Panic“ geschrieben hatte. Gallagher schrieb „Live Forever“ darauf, der Inspirationskreislauf scheint geschlossen.

Bereits mit dem zweiten Song gelingt es Johnny Marr, das gesamte Publikum zu aktivieren. Kein Wunder, wenn der Song „Bigmouth Strikes Again“ heißt und von Marr in ähnlich klagender Manier gesungen wird, wie es Morrissey zu tun pflegte.

Die Lederjacke, die Marr passend zu seinen pechschwarzen Haaren mit blonden Strähnen trägt, verabschiedet sich ob der Hitze wohl oder übel von der Bühne und hinterlässt einen Frontmann mit Blumenhemd.

Überhaupt scheint die Ästhetik dieses Auftritts so zeitgemäß wie schon lang nicht mehr. Mit dem Comeback der 80er-Mode und dem Trend der androgynen Selbstinszenierung auf der Bühne befindet sich Johnny Marr in bester Gesellschaft. Ryan Potter von The Hunna und Matthew Healy von The 1975 haben den Style übernommen, den Marr prägte und ihn jetzt authentisch wieder auf die Bühne bringt.

Und Marr wirkt jung. Während andere Altmeister des Rock sich gern groß inszenieren, kaum noch von der Stelle kommen und Probleme damit haben, im Takt zu klatschen, wirkt Johnny Marr wie ein bescheidener, aber sehr charismatischer Frontmann einer Newcomer-Band. Er geht in die Knie und läuft mit dem torkelnden Gang des Brit-Rocks, kokettiert mit dem Publikum.

Eine gesunde Mischung aus neuen Songs und unvergesslichen Smiths-Hymnen lässt den Eindruck so sehr verschwimmen, dass man am Ende den Unterschied kaum noch merkt.

„Hi Hello“ vom neuen Album „Call The Comet“ zum Beispiel klingt verdächtig nach der melancholischen Gitarre, die Morrisseys Stimme so oft untermalte. Gefolgt von „Headmaster Ritual“ kann man auch im Publikum kaum einen Unterschied ausmachen. Mitgesungen werden beide Songs.

Während sein ehemaliger Frontmann sich zu gern auf kontroverse Diskussionen einlässt, die seinem öfentlichen Bild eher schaden als gut tun, wird Marr in „Bug“ politisch, ohne verschwörerisch zu werden. Als Song über einen US-Amerikaner, mit einer komischen blonden Frisur kündigt er ein Lied an, das globale rechte Bewegungen thematisiert und, genau wie Marrs Optik, zeitgemäßer denn je scheint.

Abgeschlossen wird das reguläre Set mit „How Soon Is Now?“ und frenetischem Applaus, der den Mancunian zurück auf die Bühne holt, um noch vier weitere Lieder zu performen.

Vor „Newtown Velocity“ scherzt er über die schlechten Verkaufszahlen seines Albums „The Messenger“, mit dem letzten Lied lässt er jeden im Publikum lächelnd erstrahlen. „There Is A Light That Never Goes Out“ und alle Besucher werden kurz zu romantischen, melancholischen und nihilistischen Poeten des eigenen Lebens. Kaum jemand singt nicht mit, als Marr dem Publikum das Mikrofon entgegenstreckt.

Und obwohl es ein Song der Smiths ist, der den meisten in Erinnerung bleibt und auf dem Heimweg gepfiffen wird, hat Johnny Marr bewiesen, dass sein neues Album kein verzweifelter Versuch ist, relevant zu bleiben, sondern viel wahrscheinlicher ein überdurchschnittlich gutes, das nur im Schatten eines der größten Gitarristen der Welt etwas kleiner erscheint, als es ist. Mehr wissen wir in drei Wochen.

Da ist ein Licht, das niemals erlischt. Nicht nur die Smiths sind unsterblich, ihr Gitarrist ist es auch.

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