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Kanye West – ye – Messias-Komplex

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Gute Alben erzählen Geschichten. Geschichten von der Läuterung, von der Liebe, von unsäglichem Schmerz, der nicht einmal in urmenschlicher Artikulation gänzlich verarbeitet werden kann. Kanye West erzählt mit „ye“ eine Geschichte. Die Geschichte, die sonst andere über sein Leben erzählen.

Er kommentiert, akzeptiert, kritisiert, er transzendiert Erwartungen und ignoriert Kritiker, indem er sie mit eigener Logik vermeintlich schlägt. Kanye West erzählt mit „ye“ eine Geschichte. Eine verstörende, über die er längst die Kontrolle verloren hat.

Den Platz als Erzähler möchte er trotzdem nicht räumen. West möchte selbst Autor seiner Biografie sein, Deutungshoheit über sein Verhalten erlangen. Wohin führt das?

Dahin, dass West am Ende von „Yikes“ über seine Bipolarität wie folgt urteilt: „Ain`t no disability, I’m a superhero, I’m a superhero.“ Ein Schrei, der ins Mark erschüttert, schließt mit dieser Erkenntnis ab und führt West zur nächsten.

„All Mine“ liefert diese zu Beats, die man nicht wegdiskutieren kann. Während über Stormy Daniels gerappt wird, über Wests Image, Dinge zu tun und nicht zu tun, wie es ihm beliebt, sorgt unter anderem Ty Dolla Sign für den notwendigen Zeitgeist.

Das kurze Album überbrückt die kleine Denkpause bis zum großen Finale mit Gospel und Oldschool, mit Liebesliedern, die so auch auf „The Life Of Pablo“ ihren Platz gefunden hätten.

Großes Finale? Wie sieht das aus? Es beginnt wieder in Vergleichen mit Gott, gipfelt in der gewohnten Übersteuerung als Stilmittel und Genrefusion in Perfektion. „Ghost Town“ ist eine Hymne auf die Freiheit der Jugend, die sich auf dem Album falsch anfühlt, sonst sehr richtig.

Kid Cudi hat es auf diesen Track geschafft, erweckt damit Hoffnung, dass das gemeinsame Projekt Cudis und Wests (Kids See Ghost) in seinen narrativen Qualitäten an das Frühwerk Cudis anknüpfen können wird.

„Ghost Town“ darf die Hymne für Generationen werden, jedenfalls für den Moment. Für den Moment soll man sich zu dem Song in den Armen liegen und vielleicht sogar eine Träne vergießen, der musikalischen Leistung eines Produzenten wie West Respekt zollen – auch wenn das Cover von „ye“ wie ein auf Stock-Footage gedrucktes Tumblr-Zitat aussieht.

„Violent Crimes“ schmeißt die Moral von Macklemore, das Pacing von Frank Ocean und die West’sche Produktion in einen Topf, endet mit einer Voice-Mail von Nicki Minaj und geht den unmöglichen Versuch an, etwas zu beenden.

Unmöglich ist der Versuch dann doch nicht, weil West nichts aufbaut, nicht weil die Songs davor keine musikalischen Höchstleistungen sind und künstlerisch voll im Geist der Zeit liegen. Der Versuch ist unmöglich, weil West sich in der Deutungshoheit über sein eigenes Fehlverhalten in den vorigen Songs so viel herausgenommen hat, dass schlicht nichts mehr übrig bleibt. Keine Authentizität, keine Liebe, kein Mitgefühl, nur Irritation.

Irritation darüber, dass West sich auf „ye“ als Messias und Politiker inszeniert, als Politiker des Selbst und Messias seiner eigenen Religion. Das kommt bekannt vor, oder? Trump baute Häuser, West baut Beats. Jesus teilte Brot (so sagt man), West teilt Tweets.

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