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Calexico – Live im Tollhaus, Karlsruhe

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Das Karlsruher Zeltival hat den Fokus in diesem Jahr klar auf Afrika. Der rote Kontinent kredenzt ein exquisites Programm unterschiedlicher Couleur. Nach dem Auftritt der großartigen südafrikanischen Songschreiberin Alice Phoebe Lou stehen etwa noch der senegalesische Soul-Act Daara J Family feat. Faada Freddy und die exotischen, südalgerischen Toureg-Blueser Imarhan aus – um nur ein paar zu nennen.

Calexico aus Tuscon, Arizona fallen deshalb aber noch lange nicht aus dem Rahmen. Auch sie operieren stets im Auftrag der Völkerverständigung – sie sind die Rage Against The Machines der Indie-Welt.

Kurz vor Ende der Show thematisiert Frontman Joey Burns die Mauer an der mexikanischen Grenze, nach der man sie seit Trumps Amtsantritt immer wieder fragen würde. Sie entzweit nicht nur Familien, beraubt nicht nur Eltern ihrer Kinder, sie verläuft diametral durch Calexico.

Der Bandname steht für ein kalifornisches Dorf am Grenzgebiet zu Mexiko, das gleichermaßen zwischen zwei unterschiedlichen Welten gefangen ist. Von den Mariachi-Einflüssen können Martin Wenk und Jacob Valenzuela an diesem Abend an ihren Trompeten mehr als nur ein Lied tröten.

Apropos Können: Calexico ist die Band von Schlagzeuger John Convertino und Frontmann Joey Burns. „Under the wheels of the war machine/ Always someone else’s scheme/ Show me a sign when the world falls apart/ From the core to the seams“, singt Burns schon zu Beginn der Show in einem jener Songs ihrer aktuellen, neunten Platte „The Thread That Keeps Us“, die systematisch für die schwierigen geopolitischen Zeiten stehen und insbesondere den Graben zwischen den USA und Mexiko verhandeln.

Doch was wären die beiden ohne ihre Mitmusiker. Gerade Martin Wenk, der auch mal nur mit einer Hand trompetet, weil die andere mit Vibraphone, Theremine oder Akkordeon beschäftigt ist, ist als Multiinstrumentalist ein Tausendsassa, wie ihn sich die meisten Bands nur erträumen können.

Er ist nicht der einzige, der immer wieder für banges Staunen sorgt. Jairo Zavala an der E- und Lap-Steel-Gitarre macht sich des Öfteren um den feurigen Latin-Einschlag verdient. Der erste, der den westlichen Blues mit Latin und Salsa anreicherte, war Carlos Santana. Zavala steht ihm in nichts nach.

Gerade deshalb ist das Tollhaus auch dieses Jahr wieder bis auf den letzten Platz gefüllt, und das, obwohl Calexico hier in regelmäßiger Taktung aufschlagen. Sie sind seit Jahren oft und gern gesehen Gäste beim Zeltival.

Um es ihrem Stammpublikum mit neuem Futter zu danken, haben sie sich mit der Sängerin Amparo Sánchez dieses Mal einen besonderen Gast geleistet, mit dem sie an „Cumbia de donde“ die italienische Partisanen-Hymne „Bella Ciao“ anhängen, oder ihren eigenen Song „Corazón de la Realidad“ covern.

Auch sonst sind Calexico für Überraschungen gut, covern etwa den Love-Klassiker „Alone Again Or“ und lassen „Not Even Stevie Nicks“ in Joy Divisons „Love Will Tear Us Apart“ übergehen.

Mit ihrem eigenen Stück „Music Box“ sind sie die melancholischen Indie-Darlings von nebenan, um an anderer Stelle, wenn die Italo-Western-Momente Oberwasser haben wie der Rio Grande zur Regenzeit, in­mit­ten eines Tarantino-Streifens gefangen zu sein.

Wie man es auch dreht und wendet, alles an Calexico ist ein Verschmelzen der Kulturen auf interdisziplinärer Ebene. Trump kann das nicht entzweien. Doch für das Dagegen-Anschreien sind Calexico viel zu nett. Sie rebellieren mit Empathie, Sympathie und Menschlichkeit. Für die Wut gibt es Rage Against The Machine.

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