Vergleiche mit anderen Künstler*innen, besonders am Anfang der eigenen Karriere, können Fluch und Segen zugleich sein. Erwartungshaltung, Druck, und Enttäuschung können mit ihnen schnell einhergehen.

Auch Lui Hill muss sich seit dem Herbst vergangenen Jahres diesen Schwierigkeiten stellen. Seine Single „5000 Miles“ löste eine Welle von Vergleichen mit Bon Iver aus. In dem Song zeigt sich Hill direkt zu Anfang verletzlich und singt über eine beeindruckende Südafrika-Reise, die ihm half, den Tod seines geliebten Vaters, beendete Beziehungen und andere, private wie berufliche Sackgassen zu verarbeiten.

Sein Debütalbum „Lui Hill“ schlägt nun aber oftmals andere Richtungen ein. So sind viele seiner Songs doch vom klassischen Pop bestimmt, sind insgesamt lauter als „5000 Miles“ und oft sogar sehr charttauglich.

In seiner Kindheit war Hill Teil einer Punkband, lernte später durch seinen älteren Bruder aber auch Funk, Jazz und Blues kennen. Diese Einflüsse prägen seine Musik hörbar bis heute.

Deutliche 80er-Jahre-Vibes, die durch den prägnanten Rhythmus und brummende Synthesizer-Töne erzeugt werden („Ancient Dust“), bindet Hill ebenso flüssig ein wie glasklare Refrains mit Soulambitionen („Words Are Useless“) oder repetitiven Klaviertönen („Revolver“). Im Fokus steht dabei immer der zwischen kernig und sanft wechselnde Gesang des Songwriters.

Doch so vielfältig, handwerklich einwandfrei und detailverliebt Lui Hills Songs auch sind, so belanglos fühlen sie sich leider oftmals an. Vielleicht ist es der Mangel an tatsächlich transportiertem Gefühl bei der eigentlich Tragik seiner Songs, die von persönlichen Niederschlägen erzählen.

Oder aber der Fakt, dass keiner der vielen Einflüsse des Sängers so richtig auf „Lui Hill“ durchdringt. Wo sanfte Elektronik ist, spielt gleichzeitig eine Gitarre, wo Sprechgesang auftaucht, ist ebenso ein Klavier mit an Board.

Es scheint, als wolle Hill bewusst nicht aufs Ganze gehen, bloß nicht anecken, sondern alles eher gedeckt und im Soundgewand selbst dann doch einheitlich halten. Das Ergebnis liegt am Ende im Radiopop-Bereich. Irgendwie auf der Schwelle zwischen Gut und Böse.

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