Generic selectors
Exact matches only
Search in title
Search in content
Search in posts
Search in pages
Viagra Boys (Credit Year0001)

Viagra Boys – Street Worms

Der intellektuelle Wert von Punk wird gerne belächelt. Trotzdem zeigen heute hinreichend viele Bands, dass Punk-Sound und komplexe Werke kein Widerspruch sein müssen.

Viagra Boys aus Stockholm sind da auf einer anderen Mission. Auf ihrem Debütalbum „Street Works“ beweisen sie, auch die Abwesenheit von Komplexität kann Spaß machen. Einfach gestrickt, funktioniert der Sound des Sextetts erfrischend gut. (Selbst-) ironisches Augenzwinkern immer im Gepäck.

Einfacher Schlagzeug-Loop auf Repeat, Bass konstant dominant reingemischt. Das Rückgrat für die Platte steht. Dabei bleiben die Jungs konsequent. Gitarre meist punkig, rockig, schrammelig.

Soweit das Standardprogramm. Synthie-Sounds, die um das Konstrukt überraschen. Komplett unerwartet ist das Saxophon. Ein Hauch von Jazz fädelt sich in das punkige Stampfen. Punktuell eingesetzt wie im Opener „Down In The Basement“. Der Sound rollte energetisch rockig voran. Selten längere Sequenzen. Meist kurze, stilprägende Intermezzos für die Aufmerksamkeit.

Es rollt motivierend weiter hin zur kürzlich veröffentlichten Single „Sports“. Das ist nicht nur live ein Highlight. Besser auf den Punkt lässt sich Ironie nicht transportieren.

Treibend zurückgenommener Low-Tempo Sound ohne Ecken und Kanten. Sebastian Murphy singt nicht, er zählt emotionsfrei auf. „Baseball , basketball, wiener dogs, short shorts, cigarettes, …, naked girls, naked boys, do the dance down the beach, smoking dope…getting high in the morning, buying things on the internet, volleyball, beachball, surfboard, …“.

Hängen bleibt in der Tat das Bedürfnis zu Bewegung. In einem dreckigen, verrauchten Club. Texte zwischen Drogen, Spaß und Ironie.

Das ruhigere, ungewöhnlich harmonisch klingende Low-Sound Stück „Worms“ ist eine hochphilosophische Betrachtung der Vergänglichkeit. Schlussendlich werden uns alle die gleichen Würmer fressen. Das Saxophon schnarrt tief dazu.

„Amphetanarchy“, ein noisiges Instrumental als Abschluss. Aufwirbelndes Saxophon, knarzender Synthie. Musik- und Noise-Teppich webt sich über fünf Minuten hinweg deutlich dichter als die restlichen Stücke. Da wird sie doch noch angedeutet, die Komplexität.

Gute-Laune-Punkrock mit Saxophon-Effekt. Perfekt für die Bühne, auf Platte überraschend abwechslungsreich.

Schreibe einen Kommentar