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Beach House – Live im Gloria, Köln

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„Weihrauch, woher dieser Weihrauch?“ Offen gestanden: Der Beach-House-Gig gestern im Kölner Gloria hatte was Zeremonielles. Egal, ob Fan der ersten Stunde oder frisch rekrutierte Dream-Pop-Jünger*in – alle einigen sich auf Eines: Und zwar auf fremdgeleiteten Taumel, als sich die Titel der US-französischen Formation zu einem frühherbstlichen Andachtsset verweben.

Woher nun das Zeremonielle? Das lag mitnichten an der betörenden Duftkulisse – die ganz nebenher vom auf Beach-House-kompatible Wellenlänge gezüchteten Support Sound of Ceres abgesondert wurde – sondern vielmehr am performativen Gesamtszenario des als allmächtig geltenden Dream-Pop-Duos.

Letztlich sagt man Vieles über die aus Baltimore stammenden Musiker, die – wie auch an diesem Abend – von Drummer James Barone begleitet werden. Doch, und das ist maßgeblich, Victoria Legrand und Alex Scally werden sich nach Konzerten wie diesen immer weniger in Stilkategorisierungen einordnen lassen müssen.

Klar, wir werden in Wattefäden sphärischer Synth-Sperenzchen, ausgedehnter Songstrukturen und intim-verwunschener wie auch gewohnheitsgemäß kryptisch gehaltener Lyric-Hieroglyphen eingesponnen. Doch: Beach House sind nach mittlerweile 13 Jahren Band-Ära über sich selbst gewachsen und erheben gar nicht mehr den Anspruch auf ein Faible-zugeschnittenes Nischenpublikum – selbst wenn sie eines erhalten.

Das paire nocturne kreiert über ihre Musik hinaus eine Atmosphäre, die folgenden Schluss zulässt: Man liebt Beach House nicht, weil man Dream-Pop-vernarrt ist, man hört Dream-Pop, weil man weiß, dass die Band, die sich hier in absoluter Bestform zeigt, nichts Geringeres als den gegenwärtigen Endpunkt einer Jahrzehnte währenden Genreentwicklung herbeiführt. Wie auch immer Dream Pop mittlerweile gelabelt werden möchte, Beach House sind die einzigen, denen man Stilinnovationen ohne großes Nachfragen zugesteht.

Dabei wirkt zu Beginn alles so geplant, beinahe prätentiös. Der Dresscode ist dunkel gehalten. Gab es einen? Was hier noch halb süffisant als Nachtschwärmer-Uniformierung klein geredet werden könnte, erweist sich im Gloria als offenkundiges Mantra – Beach House sind mittlerweile eine Generationen übergreifende Attraktion.

Jeder darf, jeder soll, jeder muss wissen, dass sie den Trauerikonen, den sensiblen Narzissten und den weichherzigen Klang-Synthetikern vorbehalten ist. Wie würde eine Band, die ihr Selbstverständnis so sehr aus der nostalgischen Sehnsucht einer überklischierten Achtzigerjahre-Ästhetik bezieht, sonst Sinn ergeben?

Das alles klingt aufreizend, so als wollte man Victoria Legrand und Alex Scally vor Augen führen, wie durchschaubar ihr letztlich popindustrielles Rezept doch ist. Aber von Pop kann hier kaum noch eine Rede sein.

Nichts geleitet mehr zur Massenverführung, alles wirkt wie exklusiver Seinszugang – die Show, das Klientel („Oh, da! Ein weißes T-Shirt!“) und das instrumentale Arrangement, welches im Grunde einen Kontrapunkt zum Studiocouleur der Band darstellt.

Unbestritten, Beach House haben sich mit „7“, ihrem im Mai erschienenen Siebtwerk, weiter entwickelt – aber vielleicht nicht nur das. Das neue Album potenziert live noch einmal ihre ohnehin so kultische Anziehung.

Auf einmal ist da vielleicht sogar ein bisschen Rock – Psych vielleicht, Shoegaze garantiert. Scallys Gitarre hat jedenfalls plötzlich viel mehr zu sagen, als Legrands Stimme je verschweigen könnte.

Was von der hiesigen Musikpresse als ideologischer Wendepunkt im Kanon der beiden galt, ist im Grunde nichts weiter als eine bühnenfreundliche Anpassung an das Verlangen, on stage mehr Sinn zu machen, als bloß die mystische Verklärung einer Dream-Pop-Sekte zu glorifizieren.

Kurzum: Wir erleben hier eine ausgewachsene Band, die sich nicht weiter um ihr Etikett zu scheren braucht. Und das nicht, weil Beach House keinen Dream Pop mehr lieferten – im Gegenteil: Sie überschreiten sich dabei selbst, ohne wirklich Wind davon zu bekommen.

„It’s our third time at Gloria, it’s such a nice venue“, lässt Legrand verlauten, ohne dabei zu merken, dass ihr mitunter cineastischer – David Lynch würde Beach House auf seiner Beerdigung spielen lassen – Klangsog nur wenig mit dem zu tun hat, was einem sonst auf oktavengefilterten Streaming-Portalen begegnet.

Einst gaben Beach House zum Verständnis, ihre Musik sei die Absorption der Realität. Soso. Denn so naiv dieser Gedanke auch anmuten mag, so sinnstiftend ist er für ihren Reifeprozess, den sie sich auch an diesem Abend kaum anmerken lassen wollen.

Woran man das merkt? Ganz einfach. Es ist nicht nur die Sängerin, die ihre Augen über das gesamte Konzerte hinweg recht zuverlässig hinter ihrem Pony versteckt – es ist die gesamtkonzeptuelle Bühnenaura dreier Musiker, die sich nie ganz öffnen, nie ganz offenbaren wollen.

Isolation als Schutzmechanismus. Was in der Musik passiert, passiert nur dort. Beach House tun gut daran, dieser Legende nicht den Zahn zu ziehen. Man redet nicht darüber, man überlässt die Mystik ihrer eigenen Beweihräucherung.

Und als Zuschauer*in ist es dann folgendermaßen: Man kennt die Tracks. Man kennt „Lazuli“ vom 2012 erschienen „Bloom“ genauso wie man den neuen „Lemon Glow“ oder den „Space Song“ kennt. Und man attestiert allen Songs eine genrekonstituierende Übernatürlichkeit. Unantastbar.

Aber: Mit jedem Arrangement schleicht man sich an die Musiker*innen heran und hofft doch, irgendwie durch irgendeinen Riss lugen zu können, den die Wand aus breit verflossenen Synths, Legrands sonorer Nymphenglottis und den mitunter kosmischen LED-Lasern hinterlässt.

Auffällig ist dabei, dass Beach House live mittlerweile zu einer wirklich lupenreinen Shoegaze-Formation übergegangen sind. Was über den Kopfhörer gar nicht wahrnehmbar ist, erwächst auf der Bühne zu einer schier verblüffenden Collage aus altbewährter Band-Rezeptur und urplötzlich überdominierenden Drum- wie Akkord-Akzenten. Es stellt sich die Frage: Seit wann richten sich Beach House eigentlich nach einer Rhythmussektion?

Und dann wird man allein zurück gelassen. So nämlich fühlt man sich nach einem Beach-House-Konzert. Aber es ist eine wohlige Einsamkeit, etwa jene, die man verspürt, wenn man im Leben sonst nichts weiter zu fürchten hat – oder zu vermissen.

Und das Gloria wurde mit dem nunmehr dritten Besuch Zeuge eines symbolischen Offenbarungseides, bei dem Act und Publikum in Verbindung zueinander traten, ohne sich dabei begegnen zu müssen.

Möglicherweise ist das die Verklärung, die einer Band wie Beach House ganz formidabel zu Gesicht steht. Möglicherweise versuchen sie, diese Wirkung nicht einmal zu erzielen. Aber Dinge passieren.

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