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Jack White – Live im Zenith, München

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Jack White mag keine Handys. Zumindest nicht bei seinen Live-Shows. Seit diesem Jahr sind auf seinen Konzerten keine Handys, Foto-, Video- und sonstige Aufnahmegeräte erlaubt. Diese werden am Eingang in einem sogenannten YONDR-Behältnis verschlossen, das beim Verlassen des Gebäudes wieder geöffnet wird. In dringenden Fällen kann man es auch während des Konzerts in einer YONDR-Zone am Eingang öffnen lassen.

YONDR ist ein US-amerikanisches Startup aus San Francisco, das diese speziellen Taschen anbietet. Sobald das Handy in dem YONDR-Case ist, wird es mit einem eigenen Mechanismus verschlossen und kann nach dem Konzert an einer speziellen Entsperr-Station wieder geöffnet werden. Das Ganze funktionierte gestern erstaunlich reibungslos, es gab weder größeren Stau an den Sperr-/Entsperrstationen noch Probleme beim Ein- und Auspacken aus den YONDR-Taschen.

Ziel ist es laut Jack White, sich für eine begrenzte Zeit von all seinen technischen Spielzeugen zu trennen und Musik im ursprünglichen Sinne persönlich zu erleben. Bereits 2014 hat sich der frühere White-Stripes-Frontmann darüber beschwert, dass die Zuschauer mehr Zeit mit dem Handy verbringen, als dem Künstler auf der Bühne zu lauschen. Da es aber nicht nur Handys, sondern auch Lichtbildaufnahmegeräte betrifft, dürfte ein weiterer Grund wohl auch darin liegen, Fotos und Videos seiner Live-Performance zu kontrollieren bzw. zu limitieren.

Trotzdem hat das Verbot tatsächlich eine interessante Atmosphäre bewirkt. Es war deutlich dunkler in der Halle als üblich und man fühlte sich nicht nur zehn Jahre zurückversetzt, sondern hat sich mehr auf die Musik konzentriert. Nur für Musikjournalisten, die es gewohnt sind, auf dem Handy Notizen zu machen, war es eine kleine Herausforderung. (Hallo? 2008? Stift und Zettel!)

Auch bezüglich seines Supports bewies White wieder seine typisch eklektische Auswahl. Begleitete ihn auf früheren Shows in diesem Jahr z.B. der New Yorker Rapper SHIRT, der auch auf seinem eigenen Label Third Man Records gesignt ist, so fiel für die drei Deutschland-Gigs die Wahl auf Gewalt aus Berlin.

Gewalt waren sich bereits vorher darüber im Klaren, dass sie ihre Show nicht im Sinne einer Rockshow bewältigen können. Wie sie selbst gestanden: „Gewalt ist nicht aus Viel gemacht und nicht für Viele. Wir werden es nicht können. Es wird etwas Neues, etwas Entschlossenes, daraus entstehen. Wir werden daran scheitern. So geht große Kunst.“

Und so blickt man während der Gewalt-Eröffnung schon in einige verständnislose Gesichter, die auf die Bühne mit der typischen Blaulicht-Rundumleuchte in der Mitte starren, von der ein stampfender Beat dröhnt. Frontmann Patrick Wagner ruft im weißen Anzug sein stoisches „Eine Stadt, eine Wissenschaft, Ein Ofen, ein Baum, Betäubung, Reichtum, mehr Erkenntnis, Rückzug, Ironie, ein Paradies“.

Nach genau einer halben Stunde beendet er das gewaltige, industrielle Aufwärmprogramm, nicht ohne noch seine Zustimmung zu der phone-free Veranstaltung kundzutun.

Nach 45 Minuten Umbaupause beginnt Jack White pünktlich. Seine Solo-Titel stammen hauptsächlich vom dritten Album „Boarding House Reach“ vom März diesen Jahres. Bevor man bei diesen – trotz der verordneten Digital-Detox-Kur – jedoch die Aufmerksamkeit verliert, improvisiert White geschickt und vermischt seine eigenen Songs miteinander.

Noch mehr bestimmen die Setlist interessanterweise Titel seiner aktuellen Nebenprojekte Raconteurs („Steady As She Goes“) oder The Dead Weather („I Cut Like A Buffalo“) und natürlich welche von den White Stripes (u.a. „Hotel Yorba“, „Cannon“, „Do“ sowie zum Konzertfinale „Seven Nation Army“).

White, der die Titel – eng an seinen Bassisten Dominic Davis und seine Schlagzeugerin Carla Azar gerückt – nahezu ohne Pause hintereinander spielt (abgesehen von der Pause nach dem Hauptteil, in der er sein typisches blaues Hemd gegen ein schwarzes T-Shirt tauscht), webt so einen riesigen, amerikanischen Blues-Rock-Patchwork-Quilt, dessen einzelne Flicken zwar vielleicht etwas zu einfarbig geraten sind, der jedoch am Ende ein paar symphatische Fransen am Rand zeigt.

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