Harmonisch ansprechender Post-Punk mit einer ordentlichen Prise Pop scheint das Entwicklungsziel des Jahres zu sein. Nach den neuen Alben von Die Nerven und Kala Brisella macht Karies mit „Alice“ einen ähnlich großen Schritt nach vorne.

Krachten die vorherigen Platten sofort mit knackigen Gitarren zur Tür herein, schiebt sich Opener „Holly“ subtil ins Unterbewusstsein, um dann nicht mehr loszulassen:

Basslinie, reduziertes Schlagzeug, schwebend ätherische Elektronik. „Holly steht allein im Wald, Holly geht allein, Holly steht allein im Wald Sommermorgentau, Nachtgestalt“. Repetitiver Sprechgesang ohne Punkt und Komma mit leichter Melodie erzeugt Sog.

Weiter machen die Stuttgarter mit hüpfigem Gute-Laune-Sound. „Im Zweifel immer Links, Pebbo“ empfehlen sie. „Nebenstraßen“ zeigt große Vielfalt von ruhig treibend hin zu anschwellenden Noise-Teppichen, das können sie also doch noch.

„1987“. Sachter elektronischer Takt mit klarer Gitarre wird zu starkem elektronischen Bass unter atemlosen Gesang „Deine Sorgen möchte ich haben“. Selbst das kommt optimistisch rüber.

Mit dem Sound bewegen sie sich weit vorwärts in eine vielfältige Zukunft. Der Pop übernimmt. Mit „Moleskin“ gehen die vier noch einen Schritt weiter. Post-Punk meets Neue Deutsche Welle.

Produziert hat „Alice“ Max Rieger von Die Nerven, deren Drummer übrigens auch hier mit im Boot ist. Die Handschrift ist schwer zu verkennen. Jeder Track trägt seine eigene Portion Abwechslung bei.

Viele spielerische Details von Sprachsamples hin zu elektrischem Knarzen. Harmonische, dick aufgetragene Refrains wechseln sich mit gehetztem Sprachgesang und Stakkato. Und bei jedem Mal Hören gibt es mehr zu hören. Das wird nicht so schnell langweilig.

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