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Oi Va Voi – Memory Drop

Schemenhafte Gestalten am hellblauen Abgrund. Auf dem Cover von „Memory Drop“ wird mit dem Undeutbaren und der immanenten Gefahr gespielt. Weil Oi Va Voi jiddisch für Herrjemine und die Band auch sonst bereit für illustre Vermengungen von unterschiedlichen Genres ist, überrascht das erst einmal überhaupt nicht.

Wenn man sich das Ganze anhört? Noch weniger. Warum? Weil „Memory Drop“, das fünfte Album der Band und das erste in neun Jahren, wie gewohnt Weltmusik progressiv macht und Indie-Rock international werden lässt.

Man kann sich das dann ungefährt so vorstellen, als hätten Bläser und Streicher plötzlich beschlossen, so cool zu sein wie ihre Verwandtschaft, die sich regelmäßig in Bands rumtreibt. Statt also Synthesizer damit zu beauftragen, besonders proggig aber klassisch zu klingen, liefern Oi Va Voi eigentlich den ultimativen Realness-Beweis ab.

Auf „Arrival“ geht es mit mehrspurigen Bläsern und einsetzender Gitarre direkt dem mysteriösen Abgrund entgegen, der sich in seiner stimmlichen Weite irgendwo zwischen Folk- und Westernmusik auftut und die Violine als Gesandten vorausschickt.

Der Gesang spielt zwischen verrückenden und klappenden Klarinetten die Zwischentöne, die wie bei Radiohead das Zwielicht unendlich machen. Drum-Samples, die dann sonst die unterschiedlichen Teile solcher Tracks verbinden, wirken auf „Memory Drop“ natürlich, wurden und werden vermutlich live ein- und gespielt.

Oi Va Voi legen sich in ihrem kreativen Schaffen nur auf eine Konstante fest, auf die DIY-Attitude, den Hang zum Händischen. Ansonsten wandert der Sound von „Vanished World“ über „Big Brother“ zu „Searchlight“ und respektive von Folk-Ballade über Indie-Rock-Neudenke hin zur Welt- und Tanzmusik.

„Opium“ kann dann definitiv nicht narkotisch gemeint sein. Oi Va Voi digitalisieren und modernisieren Tradition, ohne dabei gekünstelt zu wirken. Zwischen Folk-Pop-Konserven und angeblich avantgardistischen Prog-Projekten positionieren sich Oi Va Voi ohne Agenda und mittendrin.

„Memory Drop“? Drängt sich nicht auf und ist vielleicht genau deswegen kontemporärer Gegenstrom und notwendiges Diskurswerk. Einzig der Fakt, dass das ganze aus London kommt, lässt sich schwierig mit dem Rest vereinbaren. Ist viel zu erwartbar.

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