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Das könnten auch Bäume sein – Hauschka im Interview

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Volker Bertelmann alias Hauschka gilt als Pionier des außergewöhnlichen Klavierspiels. Mit seinen präparierten Pianos verzückt der Düsseldorfer Millionen Neo-Klassik-Fans auf der ganzen Welt. Fünfzehn Jahre nach der Veröffentlichung seines Debütalbums „Substantial“ stehen nicht nur Auszeichnungen auf nationaler Ebene, sondern auch Oscar- und Golden Globe-Nominierungen zu Buche.

Hinzu kommen Adelungen der Creme de la Creme der Branche (Tori Amos, Dustin O’Halloran, Hilary Hahn), sowie nicht enden wollende Live-Begeisterungsstürme. Dieser Tage veröffentlicht Hauschka sein neues Studioalbum „A Different Forest„. Wir trafen den Ausnahmepianisten zum Interview und sprachen über befreiende Wanderungen, Synthie-Sounds und Tori Amos.

MusikBlog: Volker, auf deinem neuen Album „A Different Forest“ beschäftigst du dich mit dem Wald als Naturraum und dem Kontrast zum städtischen Alltag. So ein Konzept schüttelt man ja nicht so einfach aus dem Ärmel. Da steckt doch bestimmt ein längerer Entstehungsprozess hinter? Wann hat der begonnen?

Volker Bertelmann: Der zieht sich eigentlich schon durch mein ganzes Leben. Ich komme ja ursprünglich aus dem ländlichen Bereich. Die Natur hat in meinem Leben schon immer eine große Rolle gespielt. Wir sind als Familie früher regelmäßig zum Wandern in den Wald gegangen. Dort habe ich mich frei gefühlt. Dieses Gefühl trage ich auch heute noch in mir. Wenn ich zur Ruhe kommen will, gehe ich raus in die Natur.

MusikBlog: Geht es dir darum, Stadtmenschen zum Umdenken zu bewegen?

Volker Bertelmann: Nein, gar nicht. Ich möchte den Wald hier keineswegs romantisieren. Es geht mir nicht darum, das Leben in der Stadt in Frage zu stellen. Ich verbringe ja selbst die meiste Zeit des Jahres in städtischen Umgebungen. Und ich fühle mich dort auch wohl. Es geht hier lediglich um subjektive Erinnerungen.

Wie ich schon sagte, ich bin in einem Haus aufgewachsen, das mitten in der Natur stand. 200 Meter vor der Haustür erstreckte sich das Rothaargebirge nach allen Seiten. Diese Zeit mit all den Wanderungen hat mich unheimlich geprägt. Und sie hilft mir auch heute noch, wenn ich mich in Großstädten wie New York oder London orientieren muss. All die vielen Häuser… Das könnten auch Bäume sein.

MusikBlog: „A Different Forest“ ist dein erstes Studioalbum, bei dem du komplett auf das Einbringen präparierter Klänge verzichtest. Ist das dem musikalischen Konzept geschuldet? Oder war es einfach mal an der Zeit?

Volker Bertelmann: Da spielte sicherlich beides eine große Rolle. Letzteres war aber sicherlich am präsentesten, als es dann wirklich um die Umsetzung des Ganzen ging. Die letzten zwölf Jahre waren bestimmt vom präparierten Klavier. Und das ist auch immer noch eine Vorgehensweise, die mir unheimlich viel Spaß und Freude bereitet. Aber für mich ist die künstlerische Erweiterung wichtiger, als immer nur das gleiche musikalische Bild zu bedienen.

MusikBlog: Hast du dich dabei sofort wohlgefühlt?

Volker Bertelmann: Natürlich ist so ein Schritt auch immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Man selbst betritt „neues“ Terrain. Ich war zu Beginn schon verunsichert. Für die Hörer ist es ja auch etwas Neues. Aber ja, ich habe mich schnell wohlgefühlt.

MusikBlog: Neben klassischen Klavierklängen gibt es aber auch pointierte Synthie-Sounds zu hören.

Volker Bertelmann: Die Sounds passten einfach perfekt zu den Songs. Als ich die Lieder pur eingespielt hatte, hatte ich irgendwie das Gefühl, dass man dem einen oder anderen Song noch eine elektronische Note beimischen könnte. Die Basis sollte aber im Vordergrund bleiben. Das hat Raffael Seyfried dann wunderbar umgesetzt.

MusikBlog: Elektronische Sounds halfen dir einst auch zu erkennen, was mit deiner Musik alles möglich ist. Erinnerst du dich noch an die Anfangstage?

Volker Bertelmann: Ja, ich hatte ja mit Rockmusik und Hip-Hop angefangen. Das war aber alles irgendwie nicht das, was mich als Künstler erfüllt hat. Ich habe dann Ende der Neunziger angefangen, mit elektronischen Klängen zu experimentieren. Das war dann die Zeit, in der mir bewusst wurde, dass ich meinen musikalischen Pfad gefunden hatte. Der hat sich über die Jahre natürlich noch ein bisschen verändert. Aber das Tasteninstrument als solches ist ja geblieben.

MusikBlog: Du hast in den vergangenen Jahren mit vielen verschiedenen Künstlern zusammengearbeitet, darunter auch mit Tori Amos. War das „musikalische Liebe“ auf den ersten Blick?

Volker Bertelmann: Dieses „Durch die Nacht mit…“-Doku-Erlebnis mit Tori Amos war natürlich etwas ganz Besonderes für mich. Ich bin ja schon als Jugendlicher mit ihrer Musik konfrontiert worden. Und ich war seitdem immer ein Fan von ihrem Klavierspiel. Zwischenzeitlich hatte ich sie dann ein bisschen aus den Augen verloren. Aber das Album vor unserem damaligen Treffen hat mich dann wieder total gepackt.

Es ist natürlich immer schön, wenn man sich mit einem Künstler austauschen kann, der musikalisch nah bei einem selbst ist. Das macht die Kommunikation natürlich einfach.  Wir haben uns wirklich gut verstanden und hatten viel Spaß zusammen.

MusikBlog: Kommt man in so einer Situation nicht irgendwann ganz automatisch an den Punkt, wo man sich über die Möglichkeit eines gemeinsamen Albums unterhält?

Volker Bertelmann: Das stand in der Tat für kurze Zeit im Raum. Aber am Ende des Tages war dann für eine Intensivierung des Ganzen zu wenig Platz vorhanden. Das lässt sich auch nur schwer beschreiben. Auch wenn man natürlich mit jedem interessanten Künstler gerne etwas Gemeinsames auf die Beine stellen würde – Es funktioniert aber nicht immer. In diesem Fall war es einfach so, dass man schon während des Experimentiergesprächs gemerkt hat, dass es irgendwie zu viel wäre.

MusikBlog: Neben dem extravaganten Klavierspiel beeindruckt Tori Amos auch noch mit ihrem außergewöhnlichen Gesang. Wie sieht es diesbezüglich bei dir aus? Hast du schon einmal mit dem Gedanken gespielt, zum Mikrofon zu greifen?

Volker Bertelmann: Nein, das wäre gar nichts für mich. Ich selbst bin kein Texteschreiber. Ich müsste also immer bei jemandem anklopfen, der mir meine Texte schreibt. Und das allein ist für mich schon Grund genug, nicht weiter darüber nachzudenken. Das wäre in meinen Augen nicht authentisch. Ich lass es lieber so, wie es ist. Damit bin ich glücklich.

MusikBlog: Vielen Dank für das Interview.

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